Die Camarilla betrachtet alle Vampire als ihr angehörig und versteht sich als alleinige Vertreterin der Interessen aller Anverwandten. Tatsächlich wurde die Camarilla aber nur durch sechs der dreizehn großen Vampirfamilien gegründet, von denen eine (die Gangrel) die Sekte um den Jahrtausendwechsel – also praktisch gestern – verlassen hat.
Trotzdem die Camarilla weder vor noch nach Austritt der Gangrel die weltweite Mehrheit der Vampire auf sich vereinte, hält sie an ihrem Alleinvertretungsanspruch fest und ist ohne Zweifel sowohl durch die große Zahl alter Vampire, die ihr angehören, als auch durch ihre monolithische Struktur und innere Vernetzung der machtvollste Bund von Vampiren aller Zeiten.
Die Camarilla geht zurück bis in die Zeit der Inquisition, als die Menschheit als Ganzes ihre Aufmerksamkeit auf die Vampire richtete. Das Prinzip der Maskerade liegt hier verwurzelt und hat sich seitdem entwickelt, bis es die heutige Gestalt einer umfassenden, seit Jahrhunderten betriebenen, globalen Verschwörung erreicht hat.
Ziel der Maskerade ist es, die Menschheit über die Monster in ihrer Mitte im Unklaren zu lassen, um somit die Ausrottung der Vampire zu verhindern. In den Zeiten moderner Feuerwaffen und Brandbomben, neuartigen Methoden der Forensik und im Angesicht einer ungebremst wachsenden Weltbevölkerung hätte die im Vergleich dazu geringe Zahl der Vampire einer neuen Inquisition nichts Wirksames entgegenzusetzen: Sie würde vom entsetzten Zorn der Opfer verbrannt werden.
Heute versteht die Camarilla die Maskerade als Werkzeug zur harmonischen Gestaltung der Vampir-Mensch-Beziehungen – ein zynischer Euphemismus dafür, dass die Maskerade nichts anderes ist als ein Werkzeug der Versklavung der Menschheit unter dem geheimen Diktat der Vampire.
Die traditionellen Machtzentren der Camarilla sind Venedig (Treffpunkt der Versammlungen des Inneren Zirkels), Wien (Zentralsitz des Clanes Tremere), Paris (Sitz des Toreadorprinzen ganz Frankreichs, andere französische Prinzen sind seine Vasallen), London (Sitz des britischen Ventruekönigshauses), New Orleans und Chicago, wobei letztere beiden entweder umkämpft werden oder inzwischen an den Sabbat gefallen sind.
Den Kern der Camarilla bilden nach wie vor die Vampirefamilien der Brujah, Malkavianer, Nosferatu, Toreador, Tremere und Ventrue, mit einer ansehnlichen Zahl von Gangrel, die sich dem Austritt aus der Sekte verweigerten, der die Familie alle Gründerprivilegien in der Camarilla gekostet hat. Vampire anderer Clane können zwar der Camarilla beitreten und werden offiziell auch mit offenen Armen empfangen, werden aber – wie auch die Gangrel nach ihrem Austritt – misstrauisch beäugt und sind ohne Stimme im Inneren Zirkel der Camarilla weitgehend machtlos.
Jener Innere Zirkel ist der Dreh- und Angelpunkt der Camarilla, der sich seit Gründung der Sekte einmal alle 13 Jahre in Venedig trifft, um die Richtung der Camarillageschäfte zu planen (soweit man bei einer Sekte von Raubtieren überhaupt von Planung sprechen kann). Es fällt außerdem in seine Pflicht, die Justikare der Camarilla zu bestimmen. Der Innere Zirkel soll angeblich aus nur wenigen, dafür aber extrem mächtigen und alten Vampiren bestehen, nämlich den geheimen Clansoberhäuptern der Gründerfamilien bzw. just denselben Ahnen, die im 15. Jahrhundert die Camarilla gründeten. Genau weiß dies aber niemand, da die Mitgliedschaft im Inneren Zirkel ebenso wie Ort und exakter Zeitpunkt seiner Versammlungen geheim ist.
Die Justikare der Camarilla sind früher sechs, nun fünf obersten Richter, Gesandten und Beobachter des Inneren Zirkels – einer für jede Gründerfamilie. Sie sind die Augen, Ohren und manchmal auch die Fäuste des Inneren Zirkels. Sie sind Richter und Henker in einer Person und die einzigen, welche die Traditionen ausdeuten und jene bestrafen können, die diese im großen Maßstab gebrochen haben. Niemand außer dem Inneren Zirkel steht über ihnen, und niemand kann dem Gnade gewähren, den ein Justikar verurteilt hat. Jeder der Justikare ist Jahrhunderte alt und unglaublich mächtig.
Unter den Justikaren stehen die Archonten, die von diesen je nach Bedarf als Stellvertreter, Beobachter und Vollstrecker ausgewählt werden. Die meisten Archonten sind “jüngere” Ahnen und Ancillae, die über dieses Amt hoffen zu größerem Ansehen und einer höheren Position zu gelangen. Ein Archon dient dem Justikar so lange, bis er entlassen wird oder der Justikar selbst aus dem Amt scheidet.
Das größte politische Ereignis in der Camarilla ist die Konklave. An ihr kann jeder teilnehmen, unabhängig seines Alters und selbst seiner Zugehörigkeit zur Camarilla – auch darf uneingeschränkt jeder vor der Konklave sprechen, solange er wenigstens zwei andere Vampire als Unterstützer hat, die hören wollen, was er vorzubringen hat. Nicht zuletzt hat auf der Konklave jeder eine Stimme, der frischerschaffene Vampir ebenso wie der Jahrhunderte alte Prinz. Justikare sind die einzigen, die eine Konklave einberufen können, was mit Rücksicht auf die Sicherheit nur selten geschieht. EIne Konklave hat meist einen konkreten Anlass und kann sich mit jedem erdenklichen Thema befassen, sei es die Besprechung von Fragen, die das Interesse der Sekte berühren, Gerichtsprozesse gegen sehr mächtige Vampire (wie etwa Prinzen, die als alleinige Richter über ihre Domäne sonst ja nicht anklagbar sind) oder auch philosophische Betrachtungen. Neben allem anderen ist eine Konklave eine der seltenen Gelegenheiten, zu denen Vampire aus einem weiten Gebiet zusammenkommen: Kinder werden Großerschaffern vorgestellt, geheime Absprachen werden eingefädelt, Reiseempfehlungen ausgesprochen und gegenseitige Hilfe für Verschwörungen verabredet.

