Die Stolzenfels-Chronik

Clan Brujah in Preußen

von Vlad von Stolzenfels,
Ahn des Clanes der Gelehrten

mit Kommentaren von

Andrzej Ivanovak,
Ancilla des Clanes der Gelehrten,
Kind des Vlad von Stolzenfels

Christoph Durier,
Ahn des Clanes der Gelehrten,
Kind des Hasdrubal

Marcel Krämer,
Ancilla des Clanes der Gelehrten,
Kind der Yvette de Mirelle

Thomas Lind
Ancilla des Clanes der Gelehrten,
Enkel des Christian Hohensyburg

und

Marx Corvus,
Neonate des Clanes der Gelehrten

Vorwort von Andrzej Ivanovak

Beim Stöbern durch einige Besitztümer meines Erschaffers, die ihren Weg zu Fürstin Eriana de Buckowiz gefunden haben – wie auch immer – bin ich über eine Sammlung maschinebeschriebener Seiten gekommen, welche die Geschichte unseres Clanes in Berlin betreffen. Bei weitem nicht so umfassend wie Arnim von Graels Werk, dafür aber sicherlich wesentlich näher an der Wahrheit, steht somit auch uns (endlich) ein bescheidener Einblick in die Berliner Geschichte zur Verfügung.

Die folgende Abhandlung teilt sich in zwei Hauptkapitel:

Das Erste bestehend aus den Aufzeichnungen des Vlad von Stolzenfels, die Jahre bis 1988 umfassend, sowie das Zweite, von mir geschriebene, die Jahre bis einschließlich 2000 umfassend.

Ich habe mir erlaubt, einige eigene Kommentare dem ersten Kapitel, also der Abschrift des Originals meiner Erschaffers hinzuzufügen und einige Passagen des Ersten Kapitels inhaltlich zu straffen – Mein Erschaffer schrieb die Geschichte in hoher Erregung nieder, weil er sich just mit dem Anführer der rechtsradikalen Anarchen des Vierten Reiches um geschichtliche Dinge gestritten hatte, und demzufolge zuweilen seitenweise Tiraden und Richtigstellungen der verschrobenen Ausführungen Dieter Kotlars niederschrieb – und dies oft, indem er sich auf Inhalte jenes Gespräches bezieht, was uns als nicht Dabeigewesenen das Verständnis schlicht unmöglich macht.

Wie jede Abhandlung über die Geschichte von Wampiren so ist natürlich auch diese nur eine Version der Wahrheit, in die zwangsläufig und sicher auch gegen den Willen meines Schöpfers das Netz der Lügen des ewigen Jyhad eingeflossen ist und die Wahrheit, vielleicht auf immer, verschleiert, verzerrt oder vernichtet hat.

Wir können kaum begreifen, wie schnell die Geschichte umgeschrieben und umerlogen wird. Darum muss es die Pflicht eines jeden Brujah sein, möglichst viele verschiedene Werke zur Geschichte zu sammeln und auch historische Quellen zu bemühen, im ewigen Ringen um die Wahrheit, die uns Stück um Stück und Nacht um Nacht durch die Macht der Korruptheit verloren geht.

Aus diesem Grunde habe ich den Text auch weiteren Clansbrüdern zukommen lassen, auf dass diese das Geschrieben ergänzen oder korrigieren können. Weder das Auge meines Erschaffers noch das meine ist perfekt und ungetrübt, aber indem wir alles Wissen sammeln, steigt unsere Chance, Wahrheit von Lüge zu unterscheiden und somit die Fäden unseres Schicksals wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Mein besonderer Dank gilt Christoph Durier, der, Ahn unseres Blutes, mir die Ehre erwiesen haben, die ein oder andere Stelle zu korrigieren oder zu kommentieren und uns alle so an seiner gewachsenen Erkenntnis hat teilhaben lassen, sowie Thomas Lind, der uns die Erkenntnisse seines Großsires Christian Hohensyburg, Ahn unseres Blutes und Prinz der Großdomäne Ruhrgebiet, insbesondere bezüglich der Frühgeschichte unseres Blutes in Germanien zugänglich gemacht hat.

Credo, quia absurdum

Andrzej.
Berlin, November 2000

P.S.: Kommentare jeglicher Art innerhalb der jeweiligen Originaltexte habe ich durch spitze Klammern kenntlich gemacht (<>).

Einleitung von Vlad von Stolzenfels

Welch bitterer Zynismus. Den Clan der Gelehrten nennt man uns, und doch wissen wir über unsere Geschichte weniger als jeder andere Clan, vielleicht abgesehen vom Clan des Tieres. Froh sein muss man ja schon heute, wenn es da mal einen gibt, der weiss nicht nur dass, sondern auch wann Karthago zerstört wurde, 146 v.Chr. nämlich, und dass Clan Brujah nicht schon zur Stadtgründung 814 v.Chr., sondern erst um 500 v.Chr. die Stadt übernahm.

< Worüber man streiten kann. Ich habe schon sehr oft gehört, dass Karthago von der ersten Nacht an ein Werk unseres Clanes war. >

Bis ins Morgengrauen hinein wütete diese entsetzliche Unterhaltung mit Dieter Kotlar, und selbst jetzt, da ich endlich von seiner stumpfen Borniertheit, seinem arroganten Schwelgen in Unkenntnis erlöst bin, finde ich keine Ruhe. Also setze ich mich nieder, um wenigstens die nötigsten Dinge unsere Geschichte in Preußen und dem ”Teutschen Vatterlande” zu Papier zu bringen, auf dass die Jüngeren unseres Blutes nicht endgültig der kotlarschen Verblödung anheimfallen.

Eripitur persona, manet res

Vlad von Stolzenfels
Berlin, Juni 1988

Vorwort von Christoph Durier

Andrzej Ivanovak hat mich gebeten, dieser Geschichte des Clanes der Gelehrten in Preußen einige Worte voranzustellen, und mit Freuden entspreche ich dieser seiner Bitte: Die Geschichte der Brujah in Preußen ist ebenso eine Geschichte des Kampfes um das Recht, sein eigener Herr zu sein, als auch ein Zeugnis des unbeugsamen Willens, niemandes Knecht zu sein. Immer und immer wieder waren wir es, unser so gelehrtes Blut, das den Preis dafür zu zahlen hatte, dass wir nicht nur unsere, sondern auch die Freiheit der Anderen verteidigten. Und wie hoch war dieser Preis, den wir zu zahlen hatten:

Wie viele Brüder und Schwestern fielen bei dem Versuch, Preußen von der blutgierigen Tyrannei der Ventrue zu befreien? Wer von uns hat nicht jemanden verloren, den er liebte, sei es Childe, Sire oder Freund? Wer aus unseren Reihen kann behaupten, dass die immerwährende Schlacht gegen die Unterdrückung nicht ihre Spuren in seiner – in unser aller – Seele gebrannt habe?

Immer – und überall – waren WIR es, die sich dem Machtstreben der anderen Clans – und eben nicht nur den Patriziern, sondern auch den anderen – entgegen gestellt haben.

Egal, wie sie versucht haben uns zu bezwingen, selbst als sie uns wie Hunde in ihre Camarilla zu peitschen trachteten, kämpften wir stets mit Klauen, Fängen, Schwertern und automatischen Waffen gegen die Schergen unserer Unterdrücker. Doch keine unserer Waffen erwies sich als wirkungsvoll gegen die Blutgier und Machtgeilheit der Blaublütler und der Blutschänder. Denn wann immer wir auch nur den kleinsten Vorteil gegen unsere Feinde unser eigen nennen konnten, setzten wir alles daran, uns untereinander zu zerfleischen.

Die anderen Clans behaupten, dies läge daran, dass wir Brujah nur zerstören könnten, anstatt etwas aufzubauen. Sie behaupten, wir seien unfähig zu regieren. Doch in Wirklichkeit liegt es lediglich dran, dass wir übersehen haben, dass wir über die stärksten Waffen verfügen, die es auf diesem Planeten gibt: Unseren Geist und unsere Eingkeit. Der Geist ermöglicht es uns, Dinge zu erkennen und Visionen zu schaffen, wie sie kein anderer Clan jemals verwirklichen könnte. Die Einigkeit verleiht uns jene Kräfte, die wir brauchen, um diese Visionen zu verwirklichen.

Wir können nur dann gemeinsam gegen unsere Feinde stehen, wenn wir wissen, woher wir kommen und wieso wir das sind, was wir sind.

Aus diesem Grunde habe ich Andrzej Ivanovak bei dem vorliegenden Werk geholfen und ihm meine persönlichen Aufzeichnungen und Tagebücher zur Verfügung gestellt. Ich hoffe, meinen Teil dazu beigetragen zu haben, dass die vorliegende Geschichte des Clans der Gelehrten ein wenig Licht in das dunkle Netz aus Lügen zu bringen vermag, dass uns – jeden von uns – Nacht um Nacht in seinen Klauen hält. Das die ganze Welt umschließt und erwürgt, bis bloß noch Schlacke in den Adern von Menschen und Kainiten schwärt. Sollte auch nur ein einziger Brujah eine wichtige Lehre aus diesem Werke ziehen können, so wiegt es die Mühe, diese Historie zu erstellen, mehr als auf.

C.D.
Berlin, Dezember 2000

Vorwort von Thomas Lind

Mein Grandsire, Christian Hohensyburg, bat mich darum einige Kommentare zu diesem Werk zu schreiben. Es war mir ein besonderes Vergnügen an einem so elementaren Werk der deutschen Geschichte unseres Clans mithelfen zu dürfen. Dieses Werk bezieht sich zwar größtenteils nur auf den östlichen Teil unseres Landes, aber so wird wenigstens ein Teil der Geschichte unseres Clans weitergegeben. Bei meinen Bemerkungen bezieh ich mich auf meine Erfahrungen und auf die Aussagen meines Sires und Grandsires zu diesen Themen. Die Jungen interessieren sich leider nicht mehr für die Geschichte, sei es die Ihre, die Ihres Clans oder die der Welt. Sie wollen nur noch zerstören und dafür braucht man keine Kenntnisse der Geschichte. Wenn etwas aufbauen will, braucht Kenntnise über das Fundament. Zum Zerstören aber reicht es. dagegenzurennen bis es einstürzt oder man selber kaputt geht. Ich hoffe, dass möglichst viele der Jüngeren unseres Clans sich die Zeit nehmen, diese Seiten zu lesen und aus ihnen zu lernen.

Thomas Lind
Gelsenkirchen, Februar 2001

Bemerkung zu Marx Corvus

von Andrzej Ivanovak

Jedes Mal, wenn ich einen Namen lese, in dem das Wort “Corvus” oder ein anderes Substitut für den Begriff des Raben lese, zucke ich unwillkürlich zusammen. Denn hier in Berlin wirkte und lebte lange Zeit ein Ahn des Clanes Ravnos namens Alexej, der sich mehr denn einmal unter falschen Namen und falschem Clan in die Geschichte einmischte und gerade durch seine Schriften danach trachtete, unseren Clan zu bespucken und in Fehden zu entzweien. Conte Corvo – Vert Cocoon – Il Nero Toccov Sudovov – Diese und andere Namen und Anagramme trug er schon, und misstrauisch beäugte ich daher die Kommentare, die mir jener “Marx Corvus” zukommen ließ, denn aus ihnen sprang all jene Hohlheit und jener beißende Sarkasmus, der mir aus den Schriften des Ravnos bekannt ist. Und so muss ich eingestehen, dass ich wohl lieber andere Kommentare (wie etwa solche von unserem Ahnen Christian Hohensyburg) zu dieser Schrift noch eingefügt hätte als ausgerechnet jene kurzsichtigen und blinden Worte jenes Marx Corvus, dass ich mich aber trotz meiner Zweifel dazu entschieden habe, die Ansichten jenes Mannes in die folgenden Texte aufzunehmen.

Sollte sich dahinter nur der Ravnos verbergen, so sei ihm gesagt, dass ich seine Scherze weiterhin nicht erheiternd finde. Sollte Marx Corvus aber tatsächlich einer der unsrigen sein, so mögen seine Kommentare uns daran mahnen, zu welchem Denken einen mangelnde Kenntnis und Bildung verführen kann.

Andrzej.

ERSTES KAPITEL

Geburt, Aufstieg und Fall des Clanes Brujah in Preußen

(1 – 1988 n. Chr.)

von Vlad von Stolzenfels, mit Kommentaren von Andrzej Ivanovak

Von den frühen Nächten

Die frühesten Nachweise von Aktivitäten unseres Clanes in den Ländern, die einmal Deutschland werden würden, lassen sich bis zu Christi Geburt zurückverfolgen. Unter Führung einiger aus Karthago entkommenen Brujah bildeten sich erste Stammesbündnisse der Germanen, aber mehr ist kaum bekannt.

Recht gut überliefert ist eine große Clanszusammenkunft an der heiligen ”Irminsul”, quasi ein Vorläufer der heutigen Rants. Vertrieben aus den Ländern Karthagos, hatten wir unsere Kultur verloren. Geordnete Sitzungen und durchdachte Erörterungen machten einem wilden Brüllen und Streiten Platz, und wahrhaft – Barbaren waren wir geworden.

Durch Stimme und rohe Gewalt machte sich einer der Brujah zum Anführer, und vereint machte man sich gegen Trier auf, damals die einzige Festung der Ventrue im weiten Land. Trier wird 275 restlos zerstört, und mit der Präfektur zerfällt auch das gallische Sonderreich. Unser Clan aber zerstört nur, und baut auf den Ruinen nichts auf. Bündnisse zerfallen wieder.

Gut 20 Jahre später kehren Römer und Ventrue nach Gallien zurück. Es beginnt ein regelrechter Ausrottungsfeldzug gegen den Anführer unseres Clanes und dessen Brut und Vasallen. Statt dass der Clan zusammensteht, kümmern sich die meisten um ihre lokalen Probleme – zumeist mit den Gangrel und den Werwölfen – einige sogar erfreuen sich am Sturz des Brujah-Führers, der nach dem Wort einiger schon in Karthago versagte.

< Wie Thomas Lind uns erinnert, waren die Gangrel auich in jenen frühen Nächten nicht nur unsere Feinde, sondern auch an vielen Orten unsere einzigen Verbündeten. Denn die in dieses Land strömenden Ventrue und Toreador hetzten und vernichteten die Mitglieder dieses Clans genauso wie unsere Leute. Lind: ”Die Brujah und die Gangrel hatten zum großen Teil gelernt, nebeneinander zu leben und sich zu respektieren. Doch die einfallenden Horden aus Rom machten mit jedem germanischen Kainiten kurzen Prozess.” >

200 Jahre geht das Ringen in den germanischen Ländern. 200 Jahren ohne nennenswerte Erfolge für Ventrue oder Brujah. Das Land ist zu groß, und zu wild, und es bleibt bei raschen Vorstößen und vereinzelten Scharmützeln.

Dann, etwa 400, beginnen die Dreißig Jahre der Wanderung. Die Völkerwanderung. Ganze Stämme machen sich auf den Weg nach Westen. Alte unseres Clanes wispern von einem lockenden Ruf, der alle Brujah erfasst und unwiderstehlich gen Karthago zieht, andere sagen, es sind die Greuel der Tzimisce, die in jener Zeit den Osten überrollen, der das Germanenvolk fliehen lässt.

Einige unseres Blutes wandern bis hinab nach Karthago, das nur eine Trümmerwüste ist, auf der Bäume und Sträucher wachsen. Der Ruf, so es ihn gab, erstirbt. Die Völkerwanderung kommt überall zum Halt.

< Als ich erstmalig die Zeilen las, die mir Thomas Lind zu Karthago schrieb, brannte der Hass so heiß in mir, dass sich meine Bestie unvermindert Bahn brach. Und jener reine Hass, jener gerechte Zorn bar aller Intrigen und Masken ist es, der zu Recht das Herz unseres Clanes genannt wird. Und für den wir uns nicht schämen, sondern den wir gleich einem Orden an der Brust tragen sollten. Denn was haben da die anderen bedauernd zu schnalzen und über die Tage zu unken, da unser Blut noch nicht diesen Fluch des Hasses in sich trug? Ich sage: Es gibt nichts Ehrlicheres auf der Welt als den gerechten Zorn. Und dieser wird erst verraucht sein – zumindest bei mir – wenn das Verbrechen von Karthago gesühnt ist. Mag sein, dass Karthago tausend Jahre vor meiner Zeit war. Diese Stätte ist unser Golgatha, unser Mahnmal und Symbol für das verderbte Herz der Clane. Das Zeugnis ihrer Falschheit, und die Mutter allen Leides, dass die anderen Blute je über eine Domäne brachten. Und dies ist, was Lind mir schrieb:

“Karthago wurde von den anderen Clans nicht nur zerstört, sondern praktisch unbewohnbar für unseren Clan gemacht, so steht geschrieben das sie den Boden salzten um eine weitere Existenz an diesem Orte unmöglich zu machen. In Wahrheit setzten sie ihre mystischen Fähigkeiten ein, um es uns unmöglich zu machen, Karthago wieder aufzubauen. Und das mit dem einzigen Grund, unserem Clan die Heimat zu rauben. Aus Angst, wir könnten mit unserem eher väterlichen Verhältnis zu den Menschen Ihre Machtbasis, die auf Unterdrückung aufbaut, vernichten. Sie hatten eine solche Angst davor, dass sie uns am Liebsten komplett vernichtet hätten. Und so ging es Ihnen auch in Germanien von Anfang an um die Vernichtung unseres Clans.” >

Die Ausrottung der Brujah

Verstreut über eine riesige Strecke von Mittelgermanien bis Karthago sind wir leichte Beute für alle Wampire, deren Länder wir durchqueren. Die Ventrue Roms und die Lasombra in Spanien schlagen besonders hart gegen uns los, Pyrenäen und Alpen sind die Kluft, die fortan unseren Clan teilen wird: Was südlich davon ist, zieht sich in den kommenden Jahrhunderten auf wenige Gebiete in Spanien, Italien, Schweiz und Griechenland zurück.

Was nördlich ist – der weit kleinere Teil – verstreut sich in den Weiten der namenlosen Länder, wo die einzelnen Bruten und Sippen oft von Tzimisce, Gangrel, Werwölfen und anderen Monstren verschlungen werden.

Nur im Land der Sachsen halten wir uns, halten uns und erstarken, und viele Brujah, die in den weiten Ländern unseren Ruf erhören, kommen ins Sachsenland.

772 ist es, da die Kainiten des Grand Court hinter Karl dem Großen die Irminsul fällen – in den letzten Jahren ein Ort heiliger Verehrung für unser Blut, und die Stätte unserer Clanszusammenkünfte.

Es beginnen die Sachsenkriege, in denen wir mit den Sachsen wüten gegen die Christenfeinde, die unsere Stätten entweihen, und die germanischen Völker brechen und versklaven wollen. Unser Blut erkennt die Schatten im Dunkeln, weiß, dass es Wampire sind, aus Paris, Köln und Rom, welche die Menschenarmeen kontrollieren.

774/775 ist der Winterfeldzug von Karl, bei dem die sächsische Eresburg fällt. 775 fällt die Sigiburg an der Ruhr. 782 lässt Karl ”der Große” 4.500 angebliche sächsische Rädelsführer in Verden an der Aller hinrichten – Lieder aus alten Tagen künden uns von dem barbarischen Schlachtfest, bei dem die Wampire im Blut der Erschlagenen baden und sich mästen. 785 siegt Karl über die Sachsen und stellt Widukind, den letzten großen Sachsenführer.

< Dazu schreibt mir Marx Corvus: ”Angebliche Rädelsführer? Das waren Frauen, Kinder und Greise. Alles was noch vom Stamme der Sachsen übrig war. Und sie sind nur massakriert worden, weil ein Egoist zu eitel war, seinen Glauben mal für ein Jahr hinten anzustellen. Lang lebe Widukind!” >

< Die Geschichten, die ich früher hörte, gingen stets darüber auseinander, ob Widukind damals bereits Wampir war, oder ob er erst nach seiner überlieferten Taufe erschaffen wurde. Und auch heute noch behaupten zwar viele, er sei ein Kind Hecktors, aber andere sagen, er sei aus Hadrubals Brut. Wie erfreulich also, dass uns Thomas Lind hier Zeugnis von Christian Hohensyburg bringt: “Da mein Grandsire immer wieder von seinem Freund Widukind, Kind des Hecktor, redet, kann man es als gesichert annehmen, dass dieser aus der Linie Hecktors stammt. Wenn er von seiner Zeit mit Hecktor und Widukind erzählt, das ist einer der Augenblicke in der Existenz meines Grandsires, wo er einen leicht abwesenden Ausdruck in seinen Augen bekommt und man das Gefühl hat, sein Blick verweile noch – oder wieder – in der Vergangenheit.  Aber der Ausdruck der Wut und Entäuschung, der dann folgt, wenn er an den Verrat an unserem Clan sowohl bei Hecktor als auch bei Widukind denkt, treibt mir und auch allen anderen Umstehenden immer wieder das Blut der Angst auf die Stirn.”  >

< Betreffs der Sigiburg bemerkt Thomas Lind weiter:  “Zwar verteidigte nicht Widukind, wie einige Legenden behaupten, die Sigiburg, aber ein anderer Kriegsherr unseres Clans kämpfte dort und war gezwungen, sich das Massaker, was die Ventrue und ihre Lakaien dort anrichteten, mit anzusehen.  Es wird weiterhin erzählt, dass er in einer dieser Nächten geschworen haben soll, dass solange auch nur einer seines Blutes noch existiere, der Kampf um die Gegend an der Ruhr weitergeführt werde.” Und so ist es bis heute. >

Der Triumph der Korruption

Ohne das Licht der Brujah haben Dekadenz und Korruptheit sich im Grand Court breitgemacht. Geil vom Blut der Besiegten und fett durch das ewige Mästen mit Eitelkeiten zerfällt er binnen 100 Jahren. Erstickt an seinen eigenen Lügen von Größe und Kultur, von Frieden zwischen den Wampiren und dem Wampirischen ”Kulturreich”, das unter seinem feisten Leib entstehen sollte.

< Ja, das ist mein Erschaffer. Ganze Nächte konnte er früher über das unsterbliche Thema der Korruption referieren, ein Thema, das ihm schon zur Obsession geworden war. Es gibt kaum ein Buch, das er zu diesem Thema nicht verschlungen hätte. Sein besonderes Interesse fanden stets solche Gelehrte, die der Korruption eine eigene geistige Präsenz zuschrieben, sie als eine Art Geisterwesen beschrieben. Kann aber sein, dass das nur Mode war – wohl jeder Wampir hat im 18. und 19. Jashrhundert der ein oder anderen menschlichen Fantasterei angehangen, von Schädelvermessung bis hin zu Rassenlehre. >

Dies wisse jeder – dass die glorreichen Tage des Grand Court eine Lüge sind. Die Glorie des Reiches ein Scheingebilde, gewoben aus dem feige erschlagenen Blut der Clane, die man als minderwertig erachtete.

Keine Quelle aus jenen Tagen kenne ich, der ich trauen würde, und daher will ich zu ihnen allen schweigen. Aber in jene Tage fällt es, dass – wie in Trutmunia – die ventrueschen Königshöfe in Deutschland entstehen. Das Land ist noch immer weit und leer, und die Kontrolle der Wampir-Besetzer endet am Stadttor der weit verstreuten Siedlungen, in denen sie sich als Regenten, Fürsten, Grafen, Barone und Könige ausrufen lassen. Jeder für sich, nur wenige mit Lehenseid, unter den Ventrue aber viele mit Bluteid an den Erschaffer gekettet – und der ist direkt oder indirekt den meisten Saulus ”der Starke”.

Woher er gekommen, ich weiß es nicht. Eine Macht im Grand Court? Da gehen die Meinungen weit auseinander. Die einen heißen ihn jener Tage einen arroganten Emporkömmling, andere ihn einen größenwahnsinnigen Narren, wieder andere – eine wachsende Gruppe – einen Visionär, der die gewaltgebärenden germanischen Weiten zwischen Elbe und Rhein zu einem großen, einigen Reich schmieden will.

< Wozu Lind bemerkt, dass dieser wohl auch nur auf der Suche nach Macht für sich und die Seinen war, wie es im Clan der Herrscher so üblich ist. >

Im Schatten des Zerfalls jener Jahre, des Ringens der Wampire um das Machtvakuum, das der Grand Court hinterlassen hat, erschaffen sich die Hexer des Tremerehauses fast unbemerkt. Und es soll noch lange dauern, ehe sie von den mit Verfaultheit beschäftigten Wampiren der europäischen Höfe zur Kenntnis genommen werden.

Zwischen 1130 und 1140 ist es, da ihr Name durch die europäischen Elysien rollt, denn sie haben einen Altvorderen vernichtet und durch sein geraubtes Blut das Recht erstritten, sich Clan zu heißen.

Um das Jahr weht uns geisterhaft der Name eines Brujah entgegen, Ysteyn Ori, der Lübeck niederbrennt und in Besitz nimmt. Andere sagen, dass Ysteyn Ori (oder Eistein Juri und Eystein Yori) es war, der Lübeck begründete und lange dort herrschte, und der große Brand 1157 durch die Ventrue gelegt wurde, um ihn und seine Brut zu ermorden.

Die Anarchenrevolte

Es ist eine Zeit ohne Gesetz. Ohne Ehrfurcht. Was nicht an Rom verdorrt ist, was nicht am Grand Court schon faulte, schwärt nun vor Korruptheit. Kinder werden von ihren Erschaffern um ihre Eitelkeit sinnlos verheizt, ganze Bruten erschaffen, um dem ein oder anderen lokalen Wampirfürsten entgegengeworfen zu werden.

Und so entsteht sie: Die Saat der Rebellion. Der Ruf nach Freiheit.

Die wuchernde Verweigerung in den Herzen derer, die nicht für Fürsten mit hohlen, schwarzen, leeren Seelen sterben mögen. Im 13. Jahrhundert entsteht sie, aber nicht, wie es die anderen Clane sagen, aus unseren Reihen, sondern aus den Reihen derjenigen Clane, deren Fürsten so grausam mit ihren Kindern umgehen, dass diese keine andere Wahl als den Aufstand mehr haben:

Die Rebellion wächst aus den Kindern der Lasombra. Aus den Bruten der vornehmen Ventrue. Aus den versklavten Horden der slawischen Tzimisce.

Der Altvordere der Lasombra ist ihr erstes Opfer. Denn Clan Lasombra ist es, der in jenen frühen Nächten des 13. Jahrhunderts über Deutschland herrscht. Über Spanien. Über Italien. Über die Kirche.

Sie, die Anarchen, brauchen Verbündete. Und wahrhaft, wir helfen ihnen gerne. An unseren wenigen Höfen sammeln sich die Fliehenden, und bringen Kunde vom Gegner. Stellungen. Pläne. Verstecke. Grausam wütet unsere Rache!

Hecktor schlägt von der Grafschaft Schaumburg aus gegen Holstein los, und entringt es 1227 dem geifernd-schwarzen Griff der Malkavianer von Dänemark.

< Bei aller Liebe zu Clan-Propaganda, aber ich habe um 1870 mit einem dänischen Brujah namens Hunin gesprochen, und der – als Brujah – beschreibt die Sache etwas anders, nämlich dass Hermann ein weiser, weitsichtiger und vor allem gerechter Herrscher war, und wenn es etwas Geifernd-Schwarzes gegeben hätte dies ”die Mordbrenner aus Schaumburg” gewesen wären. Nun hab ich inzwischen gehört, dass Hunin Hermanns Blutvogt gewesen sein soll, von daher… wer mag sagen, was da wahr ist. >

< Marcel Krämer schrieb mir hierzu: “Es ist geschichtlicher Fakt, daß diese Unterdrückten Seelen ein Beispiel fanden im Zorn und der Gradlinigkeit unseres Clans. Mit flehenden Augen wandten sie sich an uns, doch wir haben die Revolution verraten. Nicht der Neonate hat den Dolch in den Rücken gestoßen. Nein, die Alten, die deren Hilfe am meisten bewegt hätte, sie verrieten ihr eigenes Fleisch und Blut!”. >

Überall in den Ländern schließen sich Brujah mit den Revoltierenden zu kleinen und größeren Rudeln zusammen, und mit wandelnden Bündnissen fällt man über die schwarzen Fürsten her. Vertilgt die Lasombra. Berennt die Burgen der Tzimisce. Schleudert Brand und Pest gegen die Ventrue. Und erobern die Schweizer Waldstätten in einem tollkühnen Handstreich – die brujahdominierte Schweizer Eidgenossenschaft ist geboren!

Aber unsere Feinde sind nicht tatenlos, stürmen und erobern die Sigiburg und vertreiben den Brujah, der dort lebt. Um 1320 erobert der Ventrue Bernhardt von Westhofen den Thron von Hagen, Herdecke und Wetter.

< Zwei Schriftstücke in meinem Besitz (1644 und 1732) bezeichnen lediglich einen ”Rheinhardt von Westhofen”. Von einem Bernhardt höre ich nun zum ersten Mal. Ich habe auch Thomas Lind auf diese Passage angesprochen, ihm auch die Schriftstücke gezeigt, und er äußerte den Verdacht, es handele sich wohl um die gleiche Person, die nur im Laufe der Geschichte einige Male den Vornamen gewechselt habe. So ganz überzeugt mich diese Erklärung nicht, aber da beuge ich mich einmal der größeren Kenntnis lokaler Kainiten, über die Lind zweifellos verfügt. >

Um 1350 töten die erstarkenden Anarchen den Clangründer der Tzimisce.

1385 vernichten die Brujah der Schweizer Eidgenossenschaft ein österreichisches Ritterheer und den Herzog von Österreich, Vasall des Rheinhardt von Trotta.

In all den Jahren sind die Tyrannen die Guten, ihre Gegner – ob rebellierende Bruten, Brujah oder Gangrel – die ”Anarchen”, der Abschaum, der Feind. Lügen machen die Runde. Geschichten unbeschreiblicher Greuel, und die ewige Lüge des Amaranth.

Oh, der Amaranth. Diese ewiglich vorgeschobene Begründung, alles und jeden ohne moralische Skrupel angreifen und grausamst vernichten zu dürfen. Wer sind sie denn, dass sie so hoffärtig über den Amaranth schimpfen. Seht euch doch um: An der Spitze jedes Ahnenhauses, auf dem Thron jedes Blutfürsten sitzt einer, der sich durch den Amaranth seinen Titel und seine Macht angesoffen hat – und genau WEIL sie von der Verzückung des Blutraubes und seiner Macht wissen, dämonisieren sie die Tat vor ihren Bruten.

< Ich nehme an, mein Erschaffer meint vor allem Gustav Breidenstein dabei, dessen Amaranth er weiter unten beschreibt. Vielleicht hatte Vlad aber auch – wenigstens gerüchteweise – Kenntnis von dem feigen Mord an Widukind, der sich irgendwo in dieser Zeit ereignet haben muss und bei dem Didier Vicomte de Lantreuil (oder so) Amaranth an einem der größten deutschen Brujah-Fürsten beging. Wer weiß schon, wieviele der heutigen Prinzen in diesen Zeiten vor der Camarilla den Blutraub begingen? Wer sollte sie auch gehindert haben? Und wieviele Brujah sind wohl von Hohenzollern, Gudd, Strathern und wie sie alle heißen ausgetrunken worden, ihr edles Blut, ihrer Seele Kraft noch immer eingekettet im faulen Leib ihrer Mörder! >

< Dazu schreibt Marcel Krämer: “Öffnet die Camarilla ihren Ahnen nicht Tür und Tor zu solchen Praktiken? Ein Prinz oder Ahn ist absoluter Herrscher, niemand hat ihn zu hinterfragen. Die Einzigen, die es könnten, sind selbst Ahnen und werden einen Teufel tun, in dieses Wespennest aus Blut, Verrat und Seelenraub zu stechen!”

< Und Christoph Durier entgegnet: “Nur durch den Amaranth ist es möglich, eine mit Prestige und Privilegien verbundene exponierte Stellung einzunehmen. Solche Macht, die ein Kind Kains durch sein Blut erlangen kann, ist stets begrenzt. Wenn ein Vampir einen ‘Vorteil’ gegenüber seinen Konkurrenten erlangen will, muss er daher zwangsläufig eines Nachts den Amaranth begehen. Gleichzeitig dient der Blutraub dem Erhalt der Treue gegenüber der Camarilla. Denn wer treu gegenüber der Camarilla ist, wird vielleicht mit der Erlaubnis, einen Feind des Prinzen diablerieren zu dürfen, belohnt. Aus diesem Grunde ist er auch verboten. Zum Einen nivelliert sich der Vorteil, den jemand aus dem Blutraub erlangt, wenn jedes Kind Kains diesen Vorteil erlangen könnte. Zum Anderen muss der Amaranth als größtmögliche Belohnung sehr selten sein. Und ich bezweifele, dass sich dies jemals ändern wird.”>

Was soll daran unheilig sein, wenn die Geknechteten sich erheben und das Blut ihrer Schöpfer verzehren? Ja, es ist Unrecht. Es ist Unrecht, sich gegen den Ahn zu erheben, wohl, aber wenn dieser doch das Recht und Gesetz bricht, Fäulnis und Verderbtheit zelebriert und über seine Länder bringt, verwirkt er nicht dort Recht und Titel? Ist es da nicht gar heilige Pflicht, dass man ihm sein Blut, seine Macht nimmt, um sie hinkünftig, das heilige Blut Kains, zum Besseren zu verwenden?

Und wenn nicht: So hat doch ein jeder der Ahnen jener Tage den schlimmsten Tod verdient, denn jeder von ihnen ist dieses Verbrechens des Amaranthes schuldig gewesen, und also wurde kein Verbrechen gegen sie verübt, sondern im Gegenteil Recht wieder hergestellt.

< Da möchte man aus heutiger Sicht freilich bitter auflachen. Ja, als die Diablerie von Vicomte de Lantreuil an Widukind aufflog, wurde eilends die Blutjagd ausgerufen (ob das auch so schnell geschehen wäre, wenn der Vicomte ein Verwandter von Trotta, Gudd und Hohenzollern gewesen wäre?). Und vollstreckt. Von Lady Visconti. Und trotzdem ich lieber sie denn einen Ventrue auf dem Hamburger Thron weiß, irgendwie komme ich mir als Brujah trotzdem verarscht vor – denn ”Gerechtigkeit wiederherstellen”, das würde für mich bedeuten, dass der geraubte Thron an Clan Brujah, Widukinds Linie (so es sie gibt) zurückfallen würde. >

< Marcel Krämer: “Wieder ein perfektes Beispiel dafür, wie die Dinge laufen: Visconti diableriert den Vicomte – hätte das ein Brujah getan, von Trotta hätte unverzüglich eine Blutjagd ausgerufen. Sie behindern sich nicht gegenseitig, doch machen es den ‘Untergebenen unmöglich jemals an Macht zu kommen und damit eine Gefahr zu werden!” >

< Ausnahmsweise glaube ich nicht, dass der Justikar anders reagiert hätte, wäre es ein Brujah gewesen, der Diablerie am Vicomte beging – die Erlaubnis, sein Blut zu nehmen, war durch zwei Konklaven gegeben worden, und so plump und offensichtlich sind sie nicht, dass sie ihrem selbstgegebenen Wort so offen widersprechen würden. Für gut denkbar indes aber hielte ich es, dass die Patrizier sich sehr darüber aufregen würden, dass das Blut des Vicomte und damit seine Macht im Leib eines Brujah liege, und diesen auf andere Art – zum Beispiel wegen einer Mitgliedschaft im Sabbat oder weil er in Wahrheit ein Tzimisce ist – zu Tode hetzen würden. >

Der Aufstieg der Brujah

Unsere Macht wächst im 13. und 14. Jahrhundert. Einige sagen, weil der Clan zusammenfindet und seine eigenen Höfe bildet. Andere sagen, weil die Ventrue sich untereinander befehden. Ich aber sage: Weil wir Anarchen sind. Weil wir mit ihnen reiten. Weil zornige Wampire in diesen Nächten die Feinde der Brujah stürzen und an das Antlitz der Sonne werfen, und weil nur wir alleine – und die Gangrel, und die Nosferati – uns nicht gegen unsere Bruten versündigt haben.

< Wozu Marx Corvus bemerkt: ”Ich will ja nicht schon wieder unken, aber die Menschen und Kainiten dieser Zeit scheinen nicht nur unter den Ventrue zu leiden. Viel eher scheinen sie unter marodierenden Brujahhorden zu leiden, die willkürlich Städte abfackeln und Tausende ins Unglück stürzen. Ihr redet immer davon wie unmenschlich und korrumpiert die anderen Clans sind und wie alle unter ihnen zu leiden haben, aber wir waren genauso beteiligt.” >

Viele vergessen es heute, wollen es aus der Geschichte tilgen: Aber Clan Brujah war ein Clan von Anarchen und die Kraft hinter der Revolte, und dass der größere Teil des Clanes heute bei der Camarilla steht, ist nicht Ergebnis freier Entscheidung, sondern Bedingung unserer Kapitulation gewesen! Im Osten verbünden wir uns mit den Gangrel und einer Gruppe anarchischer slawischer Ventrue, vereinigen so Polen und Litauen.

< Der Anführer dieser ”anarchischen slawischen Ventrue” ist der Litauische Großfürst Askirgal, seines Zeichens Kind (Großkind?) von Woleslav-Stephan; die angesprochenen Gangrel dürften demzufolge Triglav und Jaxa sein – das würde sich dann sowohl mit der Hevellergeschichte von Graels decken als auch mit den Vermutungen Christoph Duriers, der aufgrund seines engeren Kontaktes mit den Hevellern auch einen tieferen Einblick in deren interne Verstrickungen hat. >

Im Brandenburger Land wütet die Anarchenrevolte, und mit ihr der junge Gustav Breidenstein, der sich gegen seinen Lehensherren Ferdinand von Hohenzollern erhebt. Gemeinsam mit den Anarchen, gemeinsam auch mit Clan Brujah vernichtet er die Vögte des von Hohenzollern im Brandenburger Land, des Zollernschen Kinder Kristin und Wilhelm von Hohenzollern.

< Daran sollte man mal die feinen Breidensteiner erinnern! Und vielleicht auch den Zollernschen.>

Weiter fegt der Anarchensturm durchs Land, und Gustav fällt über seinen Erschaffer, die Tyrannin  Ilse Reinegger her und trinkt sie leer. Ha! Er, der später so eilfertig gegen die Anarchen wettern soll, ist doch im Herzen selber einer, egal, wie sehr er es später umschreiben und mit Lügen besingen soll!

< Interessant, wie hier die Hevellerchronik des Herrn von Grael differiert. Dort ist nämlich von einem heroischen Befreiungskampf des Gustav für seine Herrin Ilse gegen Janos Lukas die Rede, bei dem sie leider den Tod im Feuer der hinzukommenden Inquisition findet, bitterlich beweint von Gustav. HA! >

Besingen indes muss man wohl sein kaltes Herz und seine Unverfrorenheit, denn als dann die Stunde der Camarilla naht, ist er es, der sich ihr mit zuerst anschließt, und so vollzieht er den Wechsel vom Muttermörder und Anarchen zum gerechten Herrscher und Verteidiger der Camarilla!

Sehr gelegen dürfte die Camarilla ihm in der Tat gekommen sein – ohne die Politik der Masquerade, in deren Zuge auch der offene Krieg beendet werden sollte, und ohne das scharfe Auge der Justikare, die den inneren Frieden in der Camarilla überwachten – hätte Gustav sicherlich grausame Rache der Saulusier erdulden müssen und einen langsamen, schmutzigen Tod gefunden.

Ventrue! Ha! Man zeige mir ein falscheres Blut als dieses.

< Und während ich im früheren Manuskript an dieser Stelle ein “Wohl gesprochen, Sire!” einfügte, entgegnete Marx Corvus nur “Ich glaube, mir wird schlecht.” Offen indes lässt er, was ihm hier Übelkeit bereitet: Dass die Ventrue es stets verstanden haben, sich unter einem beliebigen neuen Banner zu sammeln, um ihre Macht zu erhalten, oder ob es ihm Übelkeit bereitet, dass wir es wagen, den von ihm offenbar geschätzten Clan Ventrue ob diesen Verhaltens der Falschheit zu bezichtigen… >

Geburt der Camarilla

Ab 1484, dem Jahr der Hexenbulle von Papst Innozenz VIII., geht alles sehr schnell. Die Kriege im Inneren spielen plötzlich keine Rolle mehr, als die Inquisition nun mit voller Gewalt durch das Land fährt, eine Bresche flammender Scheiterhaufen hinter sich her ziehend.

Unterdessen die Ahnen sich tiefer zurückziehen und erneut ihre Bruten vorschicken, statt ihrer den Tod auf dem Scheiterhaufen zu erleiden, sind es just die Anarchen, welche die leichteste Beute für die wahnsinnigen Priester darstellen – und so verschiebt sich einmal mehr das Gefüge der Macht.

Ja, die Lasombra waren die treibende Kraft hinter der Inquisition, richteten sie gegen ihre rebellierenden Kinder – und verbrannten doch selbst an dem Feuer, das sie entfacht hatten.

Da die Balance der Kraft die Ahnen begünstigt, schlägt die 1486 frischgegründete Camarilla auf breiter Front gegen die von den Inquisitionsfeuern bedrängten Anarchen los. Viele Anarchen, viele der Nutznießer, alle Mitläufer, wie auch Gustav Breidenstein, vollziehen den Wechsel zur Camarilla, werden zu den glühendsten Verteidigern der jungen Sekte.

So doppelt gestärkt, werden die wahrhaftigen Anarchen überrollt. In allen Anarchenrudeln sind es die Brujah, welche die heuchlerisch-verlockenden Angebote der Begnadigung ablehnen – so dass es unser Clan ist, der am Ende der Kämpfe nahezu alleine dasteht, und kapitulieren muss.

Was von den Anarchen bleibt, flieht meist in Richtung der Neuen Welt. Allen voran die Anarchen der geköpften Clane Lasombra und Tzimisce, die keine Kapitulation zur Option haben, auf die keine Gnade warten wird. Und aus denen das Herz des Sabbat entstanden ist. Was in der Alten Welt verbleibt, fristet ein Dasein als Unterworfener, oder stirbt begnadigt, aber schreiend in unterirdisch verborgenen Folterkavernen der Sieger.

Nur wenige Refugien bleiben uns. Refugien, in denen wir zu stark sind, um unterworfen und heimlich hingerichtet zu werden. Refugien, die der Camarilla beitreten und – da endlich die Justikare wenigstens ein gewisses Recht etablieren – auch zur Gänze als gleichwertiger Teil der Camarilla anerkannt werden müssen.

In Polen herrschen wir. Und in der Schweiz. Und in Griechenland. Und über einzelne Gebiete in Spanien und Italien.

< Ja, in Polen herrschen WIR. Und BEherrschen die europäischen Schlachtfelder! Ein Regiment von 200 Polen kann 150 Schuss in 5 Minuten abgeben – Vergleichbare spanische Einheiten schaffen zwar 750 Schuss in 5 Minuten, dafür brauchen sie aber 10.000 Mann! Das Rückgrat der polnischen Armee ist die Reiterei, die über hervorragende Pferde verfügen und mit ihren gekrümmten Säbeln über die besten Nahkampfwaffen in Europa verfügen. Krönung der Armee sind die geflügelten Reiter der Husaren, unterteilt in Gruppen von 300 Mann, wobei die vorderste Schlachtreihe Lanzen mit der unglaublichen Länge von 7 Metern (!) trägt. Neben ihrem Säbel verfügen die Husaren über 2 Pistolen und eine Muskete, außerdem verfügten sie über einen schweren Kriegshammer, den “Czekan”, der durch gegnerische Helme und Schädel wie durch Butter schlägt. Die Husaren nutzen den furchteinflößenden Effekt ihrer Flügel, die beim Reiten ein bösartiges Zischen verbreiten. Einige Husaren bemalen sogar die Pferde in rot und weiß, den polnischen Farben. Mein Erschaffer, Vlad von Stolzenfels, war ein Szlachta (Kleinadeliger) und einer jener Husaren, und es passt zu ihm, dass er dies nicht erwähnt. Zwischen ihm und seinem Erschaffer – eine Brujah Ahnin, die den weiten Weg von Südfrankreich ins kalte ferne Polen gekommen ist – muss es einen furchtbaren Streit gegeben haben, dass er über all jene frühen Jahre seines Lebens Schweigen bewahrt und nichtmal ihren Namen aussprechen mag!

1605 fällt er bei der Schlacht von Kircholm und wird auf dem Schlachtfeld erschaffen. Sein Name ist ”Czekan”, und in den folgenden Jahren wird er weiter den grimmen Soldatendienst für seinen Erschaffer tun, getrieben von Eifer und Ruhmeslust, und dabei mehr und mehr seiner Bestie anheimfallen. Wer Sleepy Hollow gesehen hat, dürfte zwischen ihm in jenen Nächten und dem hessischen Reiter im Film wohl eine gewisse Ähnlichkeit entdecken – keine angenehme Vorstellung…>

< An dieser Stelle schreibt mir Marx Corvus in seiner erfrischend simplifizierenden Art: ”Oh, wir herrschen. Das was wir bekämpfen kopieren wir. Herrschaft = Unterdrückung. Ich denke, hier geht es um den verschissenen Grundgedanken der Anarchie, von dem in diesem Text ständig geheuchelt wird? Und Mord wird auch schon wieder gutgeheißen. Mal sehen, was weiter unten kommt. Ach ja, vermutlich der wohlwollend betrachtete Massenmord an 25.000.000 Russen, die unter Stalin vernichtet wurden.” Offen gesagt weiß ich nicht, an welcher Stelle dieser Text von Anarchie heucheln soll. Sollte mein Erschaffer diese propagiert oder gefördert haben, wäre mir dieser Gedanke entgangen, und ich darselbst bin gewisslich kein Verfechter des anarchistischen Gedankenguts. Was gesagt wurde ist, dass uns die anderen Clane in der Ersten Anarchenrevolte – das sagt schon der Name – zu Anarchen degradiert haben, denen man darum dass sie Verbrecher sind alles antun durfte, denn sie haben vor ihnen kein Recht zu Leben. Und wahr ist auch, dass unser Blut im Laufe der Geschichte oft schon Dinge zum Einsturz bringen musste, um Platz für etwas Neues, Besseres zu schaffen. Wenn aber Max Corvus glaubt, dass wir Brujah in der Tat kein höheres Ziel besitzen, denn alles einzureißen, weil ohnehin alles faul und korrupt ist, auch wir, Clan Brujah, dann haben hier die Patrizier erneut einen Sieg errungen, da ein weiterer Brujah in das Bild hineingewachsen ist, das sie in unserem ganzen Clane sehen wollen. Bravo also, Marx. Wäge Dich weiter einen Individualisten, weil Du so schlau bist, den Lügen Deines Clanes nicht zu glauben und unsere Wege zu verspotten, und folge dem Pfad, den die Patrizier Dir gezeichnet haben, zum Ende. >

Dann kommt der Dreißigjährige Krieg. Polen ist katholisch und bleibt es, konzentriert sich alleine unter den vielen europäischen Mächten ganz auf die Sarazenen, kämpft und siegt 1620 gegen sie bei Cecora, 1621 bei Chocim, muss sich ab 1627 gegen Schweden verteidigen, das eine Chance für den Überfall sieht.

< Um die Zeit meiner Geburt herum – 1680 in Bytow – hat sich Czekan den Titel eines Ancilla erstritten. Die Jahrzehnte des Kampfes haben ihre Spuren hinterlassen. Mir erzählt er später, er sei jener Tage von Schwermut befallen. Müde, und doch mit heißem Hass im Bauch. Mehr geritten von der Bestie denn Herr über sie.  Das ewige Kämpfen ermüdet ihn, zudem ein Kampf den anderen abzulöst, ohne dass Polen zur Ruhe kommt.>

< Wie befremdlich, dass Vlad kein Wort vom Kampf um Wien 1683 erwähnt. Der Verrat an Polen, der erste, große, von vielen, die folgen werden: Die polnische Armee reitet den ganzen Weg hinab nach Wien, als dieses von Türken angegriffen wird. In letzter Sekunde treffen die Polen ein, wenden das Schlachtenglück und retten Wien! Und wie dankt man es? Man lässt die hilfreiche polnische Reiterei nicht einmal in die Stadt ein, verweigert Unterkunft und Proviant! Viele sterben, schaffen den Weg heimwärts nicht mehr. Verrat.

Vlad von Stolzenfels verliert endgültig seinen Idealismus. Er verfällt in Bitterkeit, und nach kurzem, aber heftigen Kampf wider die “Schuldigen” in Wien (er wird verhöhnt und verspottet und davongejagt) zieht er sich nach Polen zurück und sucht nach einem abgeschiedenen Sitz, um sich über verschiedene Dinge klar zu werden. Wo ich auf ihn treffen soll.>

< Mein Leben, so es denn erwähnenswert ist, war arm. ’92 stirbt mein Vater, als der Hof von Plünderern überfallen wird. Mutter und meine ältere Schwester werden vergewaltigt und verschleppt. Ich kann mich mit meinen jüngeren Brüdern und der jüngsten Schwester vor den Räubern – ich weiß nicht, waren es Schweden oder wer sonst – verbergen. Ich bin zu jung, den Hof zu übernehmen, beginne als Knecht auf einem anderen Hof, unterdessen der Heimathof – geplündert, viehlos, wie ach so viele Höfe jener Tage – zerfällt. Ich heirate eine stumme Magd. Sie bringt einen schwachsinnigen Onkel, ihre alte Mutter und ein Kind von unbekanntem Vater mit. Sie ist arm wie ich, aber mir gut. In einem sehr kalten Winter stirbt der Onkel und mein jüngster Bruder. ’98 war das, glaube ich. Bytow droht allmählich unterzugehen, noch immer sind weite Teile des einst prächtigen Ortes im Verfall begriffen, in Trümmern oder total verwildert. Viele Leute wandern ab Richtung Süden und Westen. Irgendwann um den Jahrhundertwechsel zieht der Niedergang und die Verzweifelung einen Wampir ins abgelegene Bytow, meine Heimat: Stolzenfels. Wir im Dorf wissen es bald, dass in der Ruine der Burg ein Unheimlicher haust. Er bemüht sich auch nicht, sich zu verbergen. Uns ist es gleich – der nordische Krieg ist uns ein schlimmerer Feind, und ab und an durchziehenden Schweden sind schlimmere Teufel als der Fremde, der in der Ruine hausen soll.

Meine Schwester stirbt 1699. Vlads Blutgier hat ihren Leib zu Tode gebracht. Ihr Geist war schon länger, Jahr um Jahr, von den Soldaten getötet worden. Damals sah ich es freilich nicht so.

Das Dorf ist in Lethargie gefangen. Ein Dorf von wandelnden Toten. Aber das Blut Polens ist stark, und unter den Worten eines Priesters erwachen wir wieder. Er weist uns auf den rechten Weg zurück, erklärt uns die Male, die wir für Pestflecken gehalten haben, um uns selbst zu täuschen, und als mir 1701 mein Weib stirbt da marschieren wir gegen die Burg. Und finden Czekan.

Im vollen, aber total verdreckten und zerfallenen Husarenornat, bewaffnet mit dem schweren Kriegshammer und dem Säbel stellt sich der Wampir, bereit, das Schicksal herauszufordern und den gerechten Tod zu sterben, mittlerweile halb wahnsinnig durch Fäule, Pest, Blutgier, Hass, Isolation und Schwermut. Wir haben keine Chance, und im Irrsinn erschafft der Wampir den schaufelschwingenden Dörfler, den er eben achtlos gegen eine Wand geschmettert hat: Mich.

Berauscht von seinem Sieg macht er sich über mich lustig, fordert mich auf, meiner neuen Natur doch zu widerstehen, wenn ich denn so ein guter kleiner Katholik sei.

Die Dunkelheit meines Hasses und die Bestie in meinem Blut überkommen mich, und gemeinsam mit Czekan, Stolzenfels, meinem Erschaffer lösche ich aus, was von den Dörflern übrig ist. Als der Wahnsinn von meinem Erschaffer abfällt, flieht er mit mir aus Bytow, die Feuer der Inquisition fürchtend, die bald das Grauen von Bytow finden würden.

Ich gehe mit ihm, weil er mich zwingt. Schlägt. Peitscht. Und weil ich in den Nächten meiner Angst von Krämpfen voll Scham geschüttelt werde, wenn mich die Geister meiner Familie und Nachbarn verständnislos ansehen.

Ihr seht also: Ja, ich bin ein  Fehlgriff. Geburt eines Wahnsinnigen. Kreatur eines Irren. Strevienga hat absolut Recht. Ich habe nichts Gelehrtes. Nichts Gebildetes. Nimmt man mir weg, was ich mir anerlesen und anerlernt habe in den Jahren, bin ich nur ein polnischer Bauer, in dessen Adern der Wahnsinn seiner Erschaffung flammt.

Aber dies ist ein Erbe, mit dem ich lebe. Und das seit nunmehr 300 Jahren. Und wenn es einen Beweis gibt, das sich das Wesen im Tode noch wandeln kann, dann mein Erschaffer, der von einem Teufel zum Gelehrten wurde. >

Polen

Die Geschichte Polens ist eine Geschichte des Verrates an einem braven, stolzen Volk. Ein Volk, das das Unglück hatte, in einem Land der Brujah zu leben – denn unser Clan kennt nur Feinde unter den anderen.

Am Wirken der anderen Clane wurde Polen von einer der prächtigsten und mächtigsten europäischen Nationen, dem Herz für Bildung, Lehre, Kultur, zu einem Land der Autodiebe degradiert. Die völkische Lüge, die über die Polen verbreitet wird, ist so allumfassend, dass sie einen jeden nur mit kaltem Entsetzen erfüllen kann.

Dies sage ich nicht nur als Pole. Betrachte ich in diesen Tagen die Schulbücher und sehe ich, was über die Hintergründe der Teilungen dort verbreitet wird, erfüllt sich mein Herz mit Ekel.

Aber dies ist ein eigenes Thema, das ich in diesen Schreiben nicht vertiefen möchte.

< Obgleich ich es gerne möchte, weiß ich doch, dass ich leider den meisten nur ein Gähnen abringen würde, erzählte ich ihnen die Gechichte meines geliebten Landes.

Für jene aber, die es interessiert, sei das Buch “Polen – Träumer, Helden, Opfer” von Heinrich Jaenecke empfohlen. Es mag das wahre Grauen nie vermitteln können, und mag die Schrecken der Nacht nicht erfassen, und es mag, geschrieben von einem Deutschen, die wahre Seele Polens nur erraten können – aber für ein erstes ErAHNEN der Ungerechtigkeit, die mein Volk zu erdulden hatte, mag es genügen (ISBN 3-570-00825-8) >

< Zwei Details, die mich stets in Erstaunen versetzen, wenn ich Europa bereise, betreffen die allgemeine Auffassung, die demokratischen Revolutionen hätten in Europa in Frankreich ihren Anfang genommen, mit der französischen Revolution, und sich von dort aus in alle Richtungen ausgebreitet.

Diese Auffassung irritiert mich so sehr, weil sie kompletter HUMBUG ist. Im Januar 1789 – ein halbes Jahr VOR der französischen Revolution – ist es der polnische SEJM, der sich die Vollmachten einer verfassunggebenden Versammlung gibt. Das erste kodifizierte Grundgesetz Europas folgt 2 Jahre später, 1791, und auch dieses ist in Polen, nicht Frankreich (deren Grundgesetz folgt 4 Monate später).

Die zeitlichen Dimensionen mögen lächerlich klein erscheinen, sind aber historisch bedeutsam – erstens, weil unser Clan von vielen heroischen Dichtungen über die französische Revolution durchsetzt ist, und zweitens, weil die enge zeitliche Parallelität von Polen und Frankreich zumindest erahnen lässt, wie eng sich Clan Brujah und Clan Toreador einst standen. >

1795 endet die Hohe Zeit Polens, mit der dritten Teilung, die endgültig vernichtet, was an Tradition und Volkskultur noch übrig ist.

Polen ist kein Königreich mehr – der polnische König muss abdanken und wird nach St. Petersburg verbracht, wo er 1798 stirbt. Mit dem Leben unseres letzten großen Vasallen erlischt auch der Einfluss der Brujah in Polen.

Die Ventrue von Österreich und Ungarn, von Brandenburg und Preußen, von Russland – die alle haben sich verschworen, Polen zu zerschlagen. Und gesiegt.

Die Ruheorte der Brujah-”Rädelsführer” werden überfallen, die Brujah erschlagen, wo man sie findet. Zehntausende Polen werden nach Sibirien verbracht, aber mit der Hilfe von Ghulen und Jüngeren unseres Blutes entkommen Tausende und fliehen über Südosteuropa nach Nordafrika und von dort nach Italien. 2 Jahre dauert ihr Marsch.

Der Bund von Rosen und Dornen

In Italien gründen sie die polnische Legion unter General Henryk Dabrowski, die an Napoleons Seite kämpft, um Polen zu befreien. Er ist nicht nur für die polnischen Menschen, sondern auch für die polnische Brujah die letzte Hoffnung, und als Polen sind wir – ob Seths- oder Kainskind – Brüder, wie uns die Legenden von Karthago künden. Wampire und Menschen – vereint unter einem Banner, ohne sich zu fürchten voreinander.

Das Motto der polnischen Legion: “Alle Freien Männer sind Brüder”. Ein nobleres Motto hat es nie gegeben!

Die Legion marschiert zu einem Lied von Jozef Wybicki: “Jeszcze Polska nie zginiela bugy my zyjemy, Co nam obca przemoc wziela, szabla odbierzemy. Marsz marsz, Dabrowski, z ziemi Wloskiej do Polski! Za twoim przewodem zlaczym sie z narodem.”

< In etwa bedeutet der Text: Polen ist nicht tot, solange wir leben (auch oft übersetzt als: “Noch ist Polen nicht verloren”). Was andere uns gewaltsam nahmen, werden wir mit dem Schwert zurückholen. Marschiere, Dabrowski, von Italiens Erde nach Polen. Durch Deine Führung werden wir das Land vereinen”. Im übrigen die heutige polnische Nationalhymne.>

< Wozu Marx Corvus bemerkt: ”Welch eherner Text für ein Lied, das zur Befreiung geschrieben wurde. Schon mal was von unbewaffnetem Widerstand gehört? Gleiches mit Gleichem vergelten. Mir scheint, unser Clan kennt nur Gewalt! Und jetzt kommt mir  nicht mit: Die haben angefangen!” Wozu man entgegnen könnte: Es mag sein, dass ‘die’ nicht angefangen haben, aber – um nur ein Beispiel zu nennen – was hat es etwa den Juden geholfen, unbewaffneten Widerstand gegen ihre Massenvernichtung im Dritten Reich geleistet zu haben? Marx, wir sind nicht in der AstA. Wir sind Wampire, und so auch unsere Gegner. Versuche Dein Leben ruhig ohne Gewalt zu führen und dabei nicht zu einem stummen Mitläufer zu werden, dessen einzige Verteidigung seine Unauffälligkeit ist. Ich wünsche Dir alles Glück dabei. >

Die Polen kämpfen für Bonaparte an allen Fronten. Unter den Truppen der Toreador, die wenn auch aus ganz anderen Gründen, aber genau wie wir gegen die übermächtig gewordenen Ventrue streiten, allen voran Gustav Breidenstein, den Großfürst von Preußen.

Mit unseren Alliierten, den Toreador, erreichen wir deutschen Boden, und halten gierige Rache.

1803 besetzen wir an der Seite der französisch-toreadorischen Truppen das Kurfürstentum Hannover und seine Residenzstadt für ein Jahrzehnt. Hannoversche Soldaten fliehen nach England und kämpfen dort in der King’s German Legion gegen Napoleon. Sie tragen 1815 in der Schlacht bei Waterloo entscheidend zum Sieg gegen Napoleon bei.

Im selben Jahr rollt eine Welle der Entrüstung durch Europa – Napoleon soll eine Puppe des Sabbat sein, haben die Ventrue verbreitet. Und viele glauben ihnen, WOLLEN ihnen glauben.

Aber unser Sturm ist nicht aufzuhalten!

Am 27. Oktober 1806 marschieren polnische Soldaten an Napoleons Seite in Berlin ein. Polnische Brujah flankieren den Auftritt der Toreador-Eroberer im Elysium in der folgenden Nacht. Überall hin begleiten wir die Toreador, in Berlin, in Lübeck (1806-1813), in Dortmund (1808/1809).

Wir sind Zeuge, als Gustav Breidenstein zur Besänftigung der Toreador und als Entschuldigung für seine Verbrechen 3 seiner eigenen Kinder öffentlich und durch eigene Hand vernichten muss. Nicht irgendwelche, beileibe nein! – Seine 3 Ersterschaffenen sind es, die er opfern muss, seine Thronerben.

< Ich selbst war dabei. Welch Anblick. Welch Hass in seinen Augen und dem Rest seiner Brut. Welch spöttisch-leichtes Lächeln auf den Zügen der Toreador, darunter Antoinette, spätere Gemahlin des Waldburg. Wie unheimlich der Blick Waldburgs, der durch den Tod der Thronerben zum Ersterschaffenen Breidensteins wurde. Zum Erben. >

So geschlagen und gedemütigt, zieht er sich zurück, und übergibt viele Geschäfte an Wilhelm Waldburg. Andere Clane können nun in Berlin siedeln – und ab 1848 herrscht im Prinzip Waldburg alleine über Berlin und knüpft Verbindungen zu allen Clanen, darunter auch und gerade den Toreador und den Brujah.

< Es war eine befremdliche, aber nicht unangenehme Zeit, jene Jahre in Berlin. Der kulturelle Aufbruch, der durch die zureisenden Kainiten entstand. Das allnächtlich erhabene Gefühl, mit stolz erhobenem Haupt durch die preußische Hauptstadt zu schreiten. Die Salons. Die Pracht Potsdams. Die Eröffnung des Berliner Zoos, des Größten der Welt. Wir – Simone, Wolodja und ich – waren Auge und Ohren für die Toreador, aber von ihnen respektiert. Wo wir gingen, fürchtete man uns. Und mit gutem Grund, denn Preußen war besiegt worden, und mit ihm Breidenstein, und es gab niemanden, von dem wir uns anspucken ließen.>

< Dazu Marx Corvus: ”Anstatt Ihnen zu zeigen, daß es auch anders geht, machen sie die gleichen Fehler wie die, die sie bekämpft haben. Meine Hochachtung.” Auf diesen dummen Kommentar kann nichts anderes entgegnet werden als ein ebensolch dummer Kommentar, den ich Zeit meines Lebens stets gehasst habe: ”Du warst nicht dabei, Du hast nicht gesehen, was geschah, und Du hast kein Recht, uns zu verurteilen, die nach Jahrzehnten eines Lebens in der Gosse diesen einen kurzen Moment des Triumphes ausgekostet haben. Leiste Du erst etwas, dann wage es, auf andere hinabzublicken!” >

Indessen sammelt Breidenstein außenpolitischen Einfluss bei den Ventrue, die sich von Breidenstein gegen die Toreador und Tremere aufwiegeln und zur Schaffung eines großdeutschen Reiches gewinnen lassen. Mehr, Nacht um Nacht.

Wir, die Brujah von Polen, sind zu blind, es zu sehen. Zu euphorisch über unseren Sieg. Napoleon, die Toreador, halten Wort. 1815 wird das polnische Königreich, das Großherzogtum Posen (Preußen) und die Krakower Republik beim Wiener Kongress gegründet.

15 Jahre haben wir unsere Ruhe in Polen. Streiten uns untereinander, wie wir es immer tun. Diskutieren. Denken. Auch mit unseren Brüdern in Russland, denen wir durch die frz. Nationaleinheit als Kongress-Russland und Kongress-Polen nun näher sind. Sind begeistert über die Schnelligkeit, mit der Polen wieder zur richtungsweisenden geistigen Nation Europas hochschießt. Weitere Universitäten entstehen. Demokratische Gedanken werden gedacht. Reformen im Wind.

Am 29. November 1830 beschließt die Marionette der russischen Ventrue, Zar Nicholas I., Aktivitäten gegen die Demokratiebewegung im Westen zu unternehmen. Dabei will er die polnische Armee als Vorhut verwenden. In der Nacht des 29.11. versuchen die Kadetten der Warschauer Militärakademie einen Aufstand, der sich schnell ausbreitet. Die Polen kämpfen tapfer gegen eine Übermacht in den ehemaligen polnischen Territorien von Wilno, Volhynia und entlang den Grenzen von Österreich und Preußen. Schließlich breitet sich der Aufstand in Richtung Litauen aus, wo eine Frau den Aufstand führt: Emilia Plater. Nachdem die Bewegung kurzfristig den Sieg in greifbare Nähe bekommt, die Rädelsführer aber uneinig über das weitere Vorgehen bleiben – wie es unter uns immer ist – wird der Aufstand zerschlagen. In der Folge werden die Aufständischen entsetzlich verfolgt, 25.000 werden nach Sibirien verschleppt, tausende andere fliehen nach Westen, vor allem nach Paris.

< Ich habe hier sehr gestrafft, weil Vlad sich in Mahnungen zu Einheit des Clanes Brujah und den immer wieder in der Historie belegten schrecklichen Folgen der Uneinheit verliert. Auf der anderen Seite driftet er in Hasstiraden über den Stursinn von Dieter Kotlar ab und dass man diesen davonjagen sollte, womit er seine eigenen Ausführungen zur Einheit des Clanes ad absurdum führt.>

Der Umsturz in Deutschland

Nicht zuletzt durch den Zerfall der Macht der polnischen Brujah sind die deutschen Ventrue nun wieder stark genug, den Gegenschlag gegen die französisch-toreadorische Herrschaft zu führen. Während Polen im Krieg mit Russland liegt, besetzen in den 1830ern preußische Husaren Dortmund und schlagen die Franzosen. Der Prinz – Gisbert de Rombourg – wird während der Besetzung getötet und noch in selbiger Nacht ruft sich Bernhardt von Westhofen, Ventrue, zum Prinzen aus.

Es hätte wieder alles so verlaufen können, wie das Rad der Geschichte in Zentraleuropa es vielmals vorgelebt hat. Doch 1848 verändert sich der ewige Kreis des Jyhad, als Karl Marx und Friedrich Engels ihr Manifest schreiben und mit diesem inspirierenden Werk nicht nur Brujah und junge Kainiten anderer Clane über alle Grenzen hinweg gedanklich einen, ihnen Richtung und Sinn geben, sondern auch Millionen von Menschen tief berühren.

< Hier übertrifft Marx Corvus sich selbst, indem er sagt: ”Marx und Engels! Welch Helden. Sie legten den Grundstein zu etwas, was im Vergleich mindestens genauso schlimm war wie der Nationalsozialismus. Vielleicht hätten sie in ihren Werken dazu schreiben sollen, wie es zu verstehen ist. Der Grundgedanke ist ja nicht schlecht, aber Menschen und Kainiten eignen sich eben nicht für die vollständige Unterdrückung des freien Gedankengutes.” Woraus wohl den kommenden Generationen auf den Weg zu geben ist: Wenn ihr eine große neue Idee habt, so verbergt sie gut und schweigt. Denn es könnte ja sein, dass aus ihr etwas anderes erwächst, als ihr wollt. Leistet lieber passiven Widerstand (gegen was? FÜR was?) und folgt weiter der Fahne und den ausgetretenen Bahnen, in denen sich die Gesellschaft seit jeher bewegt. >

1848 wird das Jahr der Revolutionen. Nicht alle freilich wegen dem Manifest. Oft ist es nur der Auslöser eines lange aufgestauten Zwistes, andernorts hat die Revolution nichts mit den Gedanken an die Unterdrückung der Arbeiterklasse und die korrupte Macht des Kapitals zu tun.

In Berlin versuchen Anarchen und der Sabbat die aufgepeitschte Stimmung im Volk für einen Umsturz zu nutzen, werden aber von Truppen unter Wilhelm Waldburgs direkten Befehl zerschlagen. Dies, diese Tat der Treue ist es, dieser Verdienst, der dazu führt, dass Breidenstein endgültig Waldburg ohne weitere Kontrolle walten lässt. Und ob er in den Aufstand und den leichten Sieg verstrickt ist oder nicht – seine Herrschaft bedeutete für uns eine Weile lang noch Anerkennung und Macht.

< Seit 1863, dem Jahr des polnischen Aufstandes gegen Russland, führt Vlad von Stolzenfels den Titel des Ahnen. Zugleich legt mein Erschaffer seinen Namen ”Czekan” ab. Er begründet beides sowohl mit seinem Alter als auch mit dem Tod seiner Erschafferin, von dem er in jenen Tagen Nachricht erhielt. Kategorisch erklärt er, dass sie tot sei, und für ihn wahrhaft auch als Thema gestorben sei, und hat seitdem kein Wort mehr über sie verloren. >

< Marx Corvus schreibt: ”Ich will mal was anmerken: Einmal ergeht sich der Schreiber dieser Seiten in unermeßlichem Mitleid über den Clan Brujah und die böse Unterdrückung durch andere und einmal schreit er nach der Macht, die er sonst so verteufelt. Ja, ja, Propaganda ist alles.” Wozu zu entgegnen ist: Nicht Propaganda ist alles, sondern LESEN! Vlad von Stolzenfels verteufelt nicht die Macht. Sondern die Macht, wie sie durch die Ventrue (und einige andere, später auch die Brujah der Sowjetunion) ausgeübt wird. Mein Erschaffer ist in seinen Schriften stets von einer einzigen Haltung:

Nämlich GEGEN diejenigen, die ihre Macht missbraucht haben, und FÜR diejenigen, die ihre Macht weise benutzt haben. Wofür bist DU denn, Corvus? >

Blenden tut Waldburg viele – auch uns. Denn während er in Berlin uns eine offene Hand bietet, beginnt auf preußischen Befehl in Polen die ”Verdeutschung”, die kulturelle Vernichtung Polens in Kirche und Bildung. 1886 kommt der preußische Kolonisierungsplan hinzu, in dem deutschen Siedlern billig enteignetes Land in Polen verkauft wird.

Es entstehen Spannungen in Polen und Russland. Spannungen, die sich in Arbeiteraufständen niederschlagen. Die von unserem Clan unterstützt werden: 1904, 1905, 1906, 1907 – Jedes Jahr in Polen, und gekrönt in Russland 1905 durch die Revolution.

< Ich kehre in diesen Jahren von Berlin nach Polen zurück. Treffe 1906 Jozef Pilsudski, Gründungsmitglied der polnischen sozialistischen Partei (PPS) bei einem Vortrag. Erfahre von seinem Vorhaben, Terrorzellen und paramilitärische Gruppen zu gründen, mit denen er Zaristische Beamte, Postlieferungen und -züge sowie Steuerbehörden angreifen will. Unter Schützenhilfe der polnischen Brujah werden “Schieß- und Jagdvereine” in Polen gegründet, und so die Vorstufe zur Gründung einer neuen bewaffneten Bewegung in Polen geschaffen.>

In Polen erwächst aus der Unzufriedenheit eine bewaffnete Bewegung. Mit Hilfe unseres Clanes reorganisiert Pilsudski die polnischen Gewehrsportgruppen entlang militärischer Leitlinien. Bis 1914 hat er 12.000 Männer unter Waffen.

Wir sind bereit, Polen zurück in unsere Kontrolle zu bringen. Gemeinsam mit dem Brujah Zentralkomittee in Russland, das eben die Ventrue hinter den Zaren stürzt.

Unsere beste Gelegenheit kommt am Ende des Ersten Weltkrieges. 1917 hat sich die polnische Armee in Frankreich gegründet, in Polen haben die Bewaffneten unter Pilsudski weite Teile des zaristischen und preußischen Machtnetzes zerschlagen, und des Nachts sind wir über die Ventrue-Lakaien hergefallen.

< Marcel Krämer schreibt über jene Jahre: “Ich lag in den schlammigen Gräben entlang der Front. Es war furchtbar, die heutige Kriegführung macht solche Szenarien undenkbar. Tausende von Kameraden starben für hundert Meter Boden, nur um wenige Tage, vielleicht auch nur Stunden später blutig zurückgetrieben zu werden. Die Generäle hatten keinen Einblick in die Situation an der Front und moderne Kommunikation, wie Telefon oder Feldfunk steckten noch in den Kinderschuhen.

Es war ein direkte und grausame Art und Weise seinen Mann zu stehen, mit dem Bajonett auf einander einstechend, mit nackten Händen und der Angst vor dem Tod im Herzen kämpften wir ums Überleben. Lange schon kämpfte keiner mehr für Kaiser und Vaterland, das blanke Überleben war das einzige was zählte. Der menschenverachtende Führungsstil der von Toreador und Ventrue dominierten Generäle, führte oft dazu, das sich die Soldaten in ihren Gräben mit dem Feind verbündeten oder desertierten.

Viele Historiker streiten sich heute, doch ich bin sicher, daß wenn die USA nicht in den Krieg eingegriffen hätten, dann hätte das deutsche Reich diesen Krieg, wenn auch unter enormen Verlusten, gewonnen.

Ich war damals in einer ‘Wiederstandszelle’, mein Sire einige Brüder und Schwestern und ich, organsisierten Überfälle im Hinterland des Feindes. Wir sabotierten Brücken, Eisenbahngleise, Konvois, halt den Nachschub. Schon in dieser Zeit wurde mir klar, das der Einfluß Breidensteins schon längst über die Grenzen Berlins hinausgewachsen war.

Nach anfänglichen Erfolgen gegen die Deutschen, schickte Gustav eine Gruppe Ghule ins Rennen, diese Herren sollten der Grundstein sein für eine Gruppe die später als die Order bekannt sein wird.  Diese Gruppe unter der Führung des jungen von Ansbach (heute Vogt in Berlin-Ost) schickte sich an uns den Gar aus zu machen. In diesem Krieg fand unser Duelle keinen Gewinner, die letzte Schlacht sollte erst 1944 in Calais geschlagen werden.>

Am 11.11.1918 feiert Polen seine Unabhängigkeit, kein Jahr später versuchen wir zusammen mit deutschen und russischen Clanbrüdern den Sturz der Prinzenfamilie in Berlin, werden aber vom vorgewarnten Gustav Breidenstein überraschend geschlagen. Ebenfalls völlig überraschend wird Russland uns zum Feind. 1920 kämpfen Russen und Polen in Warschau.

< “Völlig überraschend” würde ich es nicht nennen. Polen und Russen verbindet eine tiefe Feindschaft, und diese hatte nicht nur etwas mit den Ventrue hinter den Zaren zu tun.

Polen war immer und ist weiterhin Europas Bollwerk gegen die asiatische Barbarei. Europa endet im Gegensatz zur geografischen Auffassung eben NICHT am Ural, sondern an der Ostgrenze Polens.

Gewiß: Der Umsturz in Rußland und die Gedankenmodelle einer Gemeinsamkeit aller Arbeiterklassen, egal in welcher Nation verführte viele dazu zu denken, Nationen seien ein antiquiertes Konzept. Rosa Luxenburg, diese Närrin, war eine von jenen, welche den Traum einer polnischen Nation als reaktionär verunglimpften.

Aber das Wesen der Polen kann nicht sein ohne unser Land, und mehr noch: ohne die Geschichte dazu zu zwingen, vergangenes Unrecht zu vergelten und so wieder Gerechtigkeit herzustellen.

Auch, wenn uns das als Dummheit und Kurzsichtigkeit vorgeworfen wird: In gewisser Hinsicht ist diese historische Sturheit das Mal, welches die Herrschaft der Brujah auf diesem Volk hinterlassen hat. Andere mögen ihre Allianzen wechseln wie es ihnen beliebt – wir Polen können das nicht, weil es vor unserem Gewissen und unserer Ehre unerträglich ist. >

Ich weiß nicht, wie die Stunde, die unser größter Sieg hätte sein können, so plötzlich zur Stunde unseres drohenden Untergangs hatte werden können. Aber überall in Europa, wie durch ein unsichtbares Band aneinandergeschmiedet, wuchs der Griff der Ventrue.

Mit Hilfe der Nazis dehnt von Westhofen 1935 seinen Einfluß als Prinz von Dortmund auf umliegende Domänen aus, die “Protektorate” mit Kindern des Prinzen als Regenten werden.

In Spanien wird Franco zur Marionette der Ventrue, und unser Clan wird auf breiter Front angegriffen, schlägt verzweifelt zurück. Jeder Brujah, der nicht freiwillig sein Haupt vor den Ventrue senkt, wird zum Anarchen deklariert und erbarmungslos gehetzt – mit Schützenhilfe der ganzen Camarilla, die über die wahren Zusammenhänge getäuscht wird, sich angegriffen durch aufständische Brujah-Anarchen wähnt.

Mit Stalin wird den Brujah von Russland die Macht entrissen. Wieder herrschen die Ventrue, und wieder versuchen sie, das ”Brujah-Geschwür” in ”ihrem Reich” auszumerzen.

< Ich bin nicht restlos davon überzeugt, dass Stalin von den Ventrue regiert wurde. Sein plötzliches Bündnis mit Hitler-Deutschland sehen viele als Beweis für diese These an, ich aber, der ich die Russen kenne, sage: Es kann auch ebensogut gewesen sein, dass es russische Brujah waren, die Polen auslöschen wollten.

Wie sonst ist Katyn zu erklären? Und das vom späteren Zentralkomittee verordnete Schweigen darüber?

Wäre Stalin Marionette der Ventrue gewesen, die Brujah hätten nach ihrer Machtübernahme nicht nur den Personenkult um ihn zerschlagen, sondern auch wahrhaftig alle russischen Greuel seiner Zeit offengelegt – stattdessen wurde auf das reine Erwähnen von Katyn noch lange Zeit in Polen Haft verhängt. Unter russischem Brujah-Kommando. >

< Marx Corvus: ”Gehen wir mal davon aus, daß es Brujah waren. Ich wurde in dieser Zeit erschaffen und es waren Brujah, die mir den Befehl zu diversen Greueltaten gaben. Ich bin nicht stolz darauf und mein Sarkasmus rührt her aus dieser Zeit.” >

Die Nazis

1939. England versichert Polen Hilfe gegen Nazideutschland. Die Ventrue im Hintergrund sehen das anders. Als Deutschland Polen überfällt, tut England nichts zur Unterstützung. Zur gleichen Zeit überfallen die Sowjets Polen von Osten her. Nach 1 Monat des Kampfes fällt Polen. Und wird erneut geteilt.

< Ein ganzer Monat! Wenn ich die Leute heute davon reden höre, wie leicht und schnell Polen besiegt wurde, dann dreht sich mir der Magen um. Polen hielt 1 Monat aus. Trotzdem es 10 Jahre zuvor nur 12.000 Männer unter Waffen hatte, die Armee noch immer Provisorium ist.

Trotzdem es nicht auf Krieg vorbereitet war. Trotzdem die Luftflotte praktisch durch ein einziges Bombardemernt vernichtet worden war. Trotzdem die polnische Armee nur uniformtragende Schießgesellschaften waren. Trotzdem sie mit Pferden gegen deutsche Panzer kämpften. Trotzdem sie mit Musketen gegen MGs antraten. 1 Monat. 30 Tage. Und eine Armee, Marine und Reste der Luftwaffe, die ins Ausland entfloh, und an der Seite der Alliierten weiterstritt. Und mit ihnen siegte.

30 Tage! Eine Ewigkeit, welche die Planung der Nazis und Sowjets bei weitem übertraf – man hatte sich auf 14 Tage eingestellt. Umso erstaunlicher, dass auch Herr von Grael in seiner Hevellerchronik die Leistungen der polnischen Armee würdigt:

”1,8 Millionen deutsche Truppen dringen mit 2.600 Panzern (gegen 180 polnische) und 2.000 Flugzeugen (gegen 420 polnische) auf drei Fronten nach Polen vor. Die Deutsche Blitzkrieg-Taktik richtet sich dabei auch gegen verteidigungslose Zivilziele, man will den Vorstoß so schnell wie möglich und unter so geringen Verlusten wie möglich beenden. Die polnische Armee ist zu Beginn des Vorstoßes nur zu 1/3 einsatzfähig, da die Verbündeten von Polen (England und Frankreich) von einer Mobilmachung abgeraten hatten, die als Zeichen von Aggressivität gegen Hitlerdeutschland hätte gedeutet werden können.

Trotz all dieser Umstände liefern die Polen, deren Heer gerade eben erst dabei ist modernisiert zu werden einen harten Kampf, der die siegessicheren Deutschen überraschend hart trifft und sie sehr schnell dazu bringt, das strahlendweiße Kreuz-Insignium auf den deutschen Panzern zu entfernen, das von den polnischen Grenadieren mit neu entwickelten Panzerabwehrgeschützen aufs Korn genommen wird.

Erst am 5. Oktober 1939 kapituliert Warschau und die zwischen zwei Fronten gefangene polnische Armee (Polesie Defense Group). Damit hielten die Polen doppelt solange durch, wie unsere Strategen (mich selbst eingeschlossen) und unsere russischen Verbündeten angenommen hatten, und hatten uns dabei weit stärker zugesetzt und mehr Schaden verursacht als britische und französische Kräfte bis 1940 (!).

Wir verloren 50.000 Mann, 697 Flugzeuge und 993 Panzer und Panzerfahrzeuge.”

< Wie gesagt: Gegen 420 polnische Flieger und 180 polnische Panzer!! >

“In Polen gehen viele Zivilisten wie auch ehemalige polnische Soldaten in den Untergrund oder fliehen nach England oder Frankreich. In England wird eine polnische Exilregierung gegründet, mit Wladyslaw Sikorski als Premier.

Anders als in anderen besetzten Staaten gab es keine polnischen Kollaborateure!

Die polnische Armee – verteilt auf alle Fronten des Krieges – setzt uns weiterhin stark zu. Im Kampf um England erzielen die polnischen Flieger 12% aller deutschen Abschüsse, bei einem Verlust von gerade 33 eigenen Leuten. Bis Kriegsende flog die im Exil operierende polnische Luftwaffe 86.527 Missionen, verlor 1669 Männer und schoß 500 deutsche Flugzeuge und 190 V1-Raketen ab. Der polnischen Navy war es gelungen intakt zu fliehen (2 Kreuzer, 9 Zerstörer, 5 U-Boote); sie absolvierte 665 See-Missionen.

Wie gesagt, ich erkenne große Leistungen bei jedem Mann des Heeres an, auch wenn er mein Feind ist, vor den polnischen Kämpfern aber bin ich jederzeit bereit, meinen Hut zu ziehen, und fühle mich noch heute angesichts dieser Kampfeskraft an den alten Kampfessinn der Pruzzen gemahnt, die im frühen Mittelalter ebenso verbissen um ihre Heimat kämpften.” >

< Zu von Graels Punkt, dass es keine polnischen Kollaborateure gab, schreibt Marcel Krämer:

“Hier muß ich dich leider korrigieren, es wird einen Grund  gegeben haben warum die meisten Vernichtungslager auf polnischem Boden waren. Und zwar der, daß die Polen im allgemeinen ziemlich antisemitisch eingestellt sind. Und waren die polnischen Juden nicht auch Polen, auch die in den Ghettos in Warschau und Krakau? Wo war da der Ausspruch: “Alle freien Männer sind Brüder!”, hier haben Brüder ihre Brüder verraten. So glorreich waren sie also gar nicht. Was nicht davon ablenken soll, das dem polnischen Volk wiederholt großes Unrecht angetan wurde.”

Marcel Krämer hat in seinem Leben bestimmt viel Unsinn von sich gegeben, aber hier übertrifft er sich selbst!

Die KZs wurden für die POLEN errichtet! Herrje, wir Polen mussten ein großes “P” zur Kennzeichnung lange vor den Juden tragen!

Hitler und Stalin ließen zahllose Geistlichen, Lehrer und Intellektuellen erschießen und anderweitig vernichten, um das Volk der Polen endgültig zu zerschlagen und auf den Status eines tumben Tieres, eines willenlosen Wanderarbeiters zu Füßen der Deutschen zu degenerieren!

Euch Deutschen mag es dank der hier üblichen reinen Fixierung auf das Opfer der Juden ja entgangen sein, aber in den KZs wurden auch andere vernichtet. Der Holocaust mag für die Juden entsetzlich gewesen sein, aber wie lange noch soll es so ignoriert bleiben, dass von allen Völkern Europas die POLEN den höchsten Blutzoll im Zweiten Weltkrieg zu entrichten hatten?

Im Krieg. In Erschießungen. In KZs. In Abschiebelagern. In Sibirien. In Auschwitz. In Katyn.

Der Generalgouverneur der Nazis, Hans Frank, der in den Jahren seiner Terrorherrschaft im Königssaal in Krakau Hof hielt, prahlt 1940 mit dem Ausmaß der Vernichtung: “In Prag waren zum Beispiel rote Plakate angeschlagen, an denen zu lesen war, dass heute 7 Tschechen erschossen worden sind. Wenn ich nun für je 7 erschossene Polen 1 Plakat aushängen lassen wollte, dann würden die Wälder Polens nicht ausreichen, um das Papier dafür herzustellen.”

Wir Polen waren genauso Opfer des Wahns Nazideutschlands, und eine Gleichsetzung mit den Nazis ist eine Beleidigung, wie sie gröber kaum sein könnte.

Und den gemeinsamen Kampf gab es: in den Ghettos, 1943, 1944, und in der folgenden Zeit der russischen Besatzung, 1968.

Damit gab es hier wohl weit mehr gemeinsamen Widerstand als irgend sonst, und das, obgleich wir Polen weit weniger Grund hatten, dem Juden zu helfen – denn ja, Antisemiten wurden wir in der Vergangenheit tatsächlich. Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass ich die Frage Marcel Krämers, ob die polnischen Juden nicht auch Polen waren, mit einem klaren NEIN beantworten will – den Kampf fochten wir schließlich als Alliierte, keineswegs als Brüder oder Kameraden.

Dazu aber muss man unsere Seele und unsere Geschichte kennen, um begreifen zu können, denn unser Antisemitismus hat völlig andere Gründe als der kotlarsche Schwachsinn von Rassenreinheit und Weltverschwörung der Zionisten:

In der Zeit der Brujahherrschaft in Polen, als dieses stolze Land das prächtigste aller europäischen Königreiche war, stark und frei, ein Zentrum von Kunst und Kultur, da war Polen in einem zutiefst antisemitischen Europa der Ort, der alle durch Kreuzzüge, Pest und Verfolgungen vertriebenen Juden aufnahm!

Im Königreich Polen lebten die Juden gut und in Frieden, viele als Pächter und Mittelsmänner der Landesherren. An unseren Höfen des Tages und der Nacht gingen sie ein und aus, verbreiteten Schreibkunst und medizinische Lehre.

Wer vom Antisemitismus in Polen spricht, der darf nie vergessen, dass dieser eine Geburt der orthodoxen Kirche war – nach Polen getragen erst 1648 durch die ukrainischen Kosaken der Tzimisce, die mordend und brennend über die Juden herfallen, ihnen die Haut abziehen und an die Hunde verfüttern, später dann durch Katharina die Große, welche die Juden in die Besatzungszone Polen abschiebt, dann durch Zar Nikolaus I., der alle männlichen Juden zwischen 12 und 25 zum Militärdienst verpflichtet und diese damit zu den Feinden Polens, den Truppen der Unterdrücker macht, schließlich durch die antijüdischen Progrome des Zaren Alexanders III. und endlich durch die russischen gefälschten “Protokolle der Weisen zu Zion”.

Unter Preußen steht es nicht anders. Diese importieren mit ihrem verdammten Protestantismus auch die Lehre Luthers, eines fanatischen Judenhassers, der u.a. proklamiert: “Verbrennt ihre Synagogen und Schulen, und was nicht brennen will, begrabt mit Erde, so daß kein Stein mit Trümmer übrigbleibt.”

In den darauf folgenden Jahren, unter der orthodoxen russischen Besatzung, unter der kulturellen Demontage, in der sogar unsere Sprache verboten wird, wird unsere Religion, der Katholizismus, das letzte verbliebene Nationaleigentum gegen den Preußisch-Protestantische und die Russisch-Orthodoxe Kirche. Sie ist unsere kulturelle Identität! Darum galt uns Polen oft in früherer Zeit (und vielen noch heute) die einfache Rechnung: Katholisch = Polnisch. Nicht-Katholisch = Feind und Besatzer.

Unser Zorn gegen die Juden kommt schließlich auch daher, da Polen für die Russen “Siedlungsgebiet” ist – ein Abfalleimer, in den sie alles werfen, was sie vor der eigenen Haustür nicht haben wollen. Katharina “die Große” (HA!) deportiert hunderttausende Juden nach Polen, und da uns der Russe noch mehr hasst als den Juden, wird uns oft Land und Besitz geraubt und den Juden zum Bestellen oder zum Verwalten gegeben. Wie heimtückisch, so 2 geknechtete Völker gegeneinander auszustechen und sozialen Sprengstoff überall zu legen!

Zuletzt kommt für uns Kainiten hinzu, dass wir in der Zeit der Besatzung in Polen viele jüdische Vampire treffen, die allsamt mehr mit dem Kaliber eines Goldstein gemeinsam haben als mit dem Bild des in Dtl. wegen seiner “rassischen Minderwertigkeit” Gejagten – ein Begriff, über den wir in Polen nur lachen könnten, wenn diese rassische Minderwertigkeit uns als SLAWEN nicht genauso betroffen hätte.

(Marx Corvus vermutet an dieser Stelle, ich würde ”Jude” mit ”geistig unterentwickelt” assoziieren, und führt – völlig korrekt – aus, dass das jüdische Volk seit jeher kluge Köpfe hervorgebracht hat. Erneut bin ich darüber erstaunt, welche Dinge Marx Corvus in diesem Text liest, denn habe ich nicht gerade geschrieben, dass die polnischen Brujah – jene, deren Macht und Herrschaft weder mein Erschaffer und ich verteufeln – in der ”Goldenen Zeit Polens” Juden aus allen Ecken Europas nach Polen holten, eben gerade weil wir ihre Brillanz so schätzten?)

Ich betrachte es also als höchst gefährlich, aus jedem Antisemiten einen Nationalsozialisten zu machen – wir hassen die Juden nicht, weil sie rassisch anders sind, sondern weil sie die Handlanger unserer Unterdrücker waren – gewollt oder nicht.

Und trotzdem bleibt es dabei, dass wir Polen – anders als die Österreicher, anders als die Franzosen – uns nicht zu Mittätern der Nazis  gemacht haben – es gab keine Kollaboration! Unser Mitleid für die Juden hielt sich angesichts unserer eigenen Situation in Grenzen – true – aber es ist nicht gerade so, dass die Juden in der Zeit davor uns Polen besonders viel Mitleid entgegengebracht hätten, nicht?

Sie waren Juden. Wir waren Polen. Und sie hatten mit unserem Leid nichts zu tun, sondern genug mit ihrem eigenen. Eine Haltung, die nur der verstehen kann, der so unterdrückt wurde – hat man nichts zu teilen und nichts zu geben, reduziert sich das Interesse ganz auf den Schutz der direkten Gemeinschaft – und darin wandten sich “unsere freien Brüder” die Juden von uns ab und überließen uns unserem Schicksal – und wir taten ihnen im Dritten Reich das Gleiche an.

Unsere Besatzer haben uns entzweit und uns auch damit einen Teil unserer Stärke genommen. Kalt von langer Hand geplant, wie es nur der Zarenclan vermag.

Und wenn ich heute in mein Herz blicke, so sehe ich bei allem Verständnis und aller geistiger Erkenntnis dennoch mit Groll auf die Juden, da sich ganz Europa dank der amerikanischen Juden förmlich darin überschlägt, ihnen nach dem Willen zu sein, unterdessen die anderen Opfer der KZs, wir Polen, stumm vergessen werden.

Reparation? Kompensation? Entschädigung für Zwangsarbeit? Die Geldmittel Rußlands und Deutschlands wären nicht genug, selbst einen lachhaften Teilbetrag zu leisten, um den die Anwälte der Juden heute streiten.

Sie haben sich abgewandt – und wir lassen sie ihres Weges ziehen. Wohin dieser führt, ist mir damit völlig schnurz. Sie wählen ihren Weg selbst. >

Posen wird von Dtl. besetzt und in Reichsgau Wartheland umbenannt. Die ersten KZs entstehen auf polnischem Boden. Tausende Soldaten der polnischen Armee werden 1940 durch Sowjets hingerichtet. Wie es immer ist, spiegeln die Taten des Tages die Vorgänge in den Nächten wieder. Brujah werden gejagt und vernichtet. In Öfen verbrannt. Geköpft. Ventrue und andere Clane kommen mit SS, SA und Wehrmacht nach Polen. Gründen Protektorate. Tragen die Uniformen der Nazis. Reden wie sie. Bewegen sich wie sie. Denken wie sie.

Die Polen – und Brujah, und andere polnische Kainiten – wehren sich tapfer. 1943 – Aufstand im Warschauer Ghetto. 1944 – Warschauer Aufstand. Dazwischen ungezählte Überfälle. Erneut heißt man uns Anarchen. Behandelt uns nicht länger als Mitglieder der Camarilla, es sei denn, wir fügen uns in unsere Bestimmung, zu einem minderwertigen Clan zu gehören.

< Krämer: “Endlich die Aufstände in den Ghettos, nicht durch Revolutionswillen getrieben, sondern aus der Gewissheit, das Nichtstun dem Tod auch kein Schnippchen schlägt. Die Leute waren verzweifelt, sie wussten, dass sie sterben würden, wieso dann nicht kämpfen und den deutschen Aggressoren richtig die Nase blutig schlagen. Gebracht hat es dann doch nur sehr wenig, das Ghetto wurde ‘aufgelöst’ und die meisten Überleben wanderten direkt nach Auschwitz, Sobibor, Treblinnka, Maidanek und wie sie alle hießen, diese Orte des Schreckens!”>

< In den Aufständen kämpfen ein letztes Mal Polen und Juden Seite an Seite. Das setzt sich auch in die russische Besatzungszeit fort, in der man 1968 in altem russisch-orthodoxen Judenhass schnell dabei ist, die Aufstände in Polen mit den Zionisten  in Verbindung zu bringen. Hier ist er also, der von Krämer so zynisch vermisste Kampf “aller freien Brüder”. >

Die Alten, die wahrhaft alten Ventrue, reden so nicht. Aber die jungerschaffenen Ventrue sind voll von der Propaganda, wähnen in Hitler einen Sendboten Ventrues, in Breidenstein seinen Sohn, und in Westhofen möglicherweise seinen heiligen Geist. Gib den Ventrue etwas, was sie dazu veranlasst, eine Entschuldigung für Unterdrückung und Vernichtung zu haben, und sie plappern es begierig nach.

Wisset dies: Dass die Ventrue immer Dinge haben, die sie als ”heilig” bezeichnen. Und was immer es gerade sein mag, was ”heilig” ist, die Verteidigung dieser heiligen Sache gibt ihnen die Legitimation, jede nur vorstellbare Greueltat zu begehen. Ohne Schuld zu empfinden.

Ventrue. Ha! Man zeige mir einen Clan mit mehr Falschheit.

Boshaftigkeit und grenzenlose Grausamkeit, verbunden mit dem festen Glauben, edel zu sein.

< Ich straffe hier erneut. Da es auf den folgenden 20 Seiten (!) um die Geschichte von Nazideutschland geht, verliert sich Stolzenfels in seiner Beweisführung gegen den Unsinn, den Kotlar behauptet – allen voran das Thema der ”präventiven Verteidigung”.

Was ich indes nennen will, da es mir so auffällig geworden ist, ist eine Passage in Heinrich Jaeneckes Buch über den letzten Aufstand in Warschau, als die rote Armee plötzlich ihren Vormarsch auf die Nazis stoppte, um die Aufständischen Polen in Warschau kurz vor Ende des Krieges komplett vernichtet zu sehen, damit sie, die Russen, eine befriedete Stadt würden einnehmen können: “Für die Stadt Warschau war das Ende des Aufstandes noch nicht das Ende der Vernichtung. Der Tod der Steine kam erst noch: Als die letzten Bewohner abtransportiert waren, machten sich deutsche Pioniere mit deutscher Gründlichkeit daran, den Führerbefehl auszuführen. Warschau wird niedergelegt (dem Erdboden gleichgemacht), so wie 2090 Jahre zuvor die Stadt KARTHAGO.” >

< Unkommentiert lassen möchte ich hier die Bemerkung Corvus’: ”Warschau mit Karthago zu vergleichen, finde ich vermessen. Karthago als den Traum zu bezeichnen, aber auch. Bis jetzt ist die Geschichte der Brujah nur von Gewalt und Gegengewalt geprägt. Ich höre immer und immer wieder, daß unser Clan so große Denker hervorgebracht hat und finde doch nur Gewalttäter und Mörder. Keiner ist bis jetzt dabeigewesen, der unseren Clan versucht hat einen anderen Weg als z.B. den des Clan Ventrue begehen zu lassen. Wir sind nicht besser als die anderen Clans. Öffnet endlich die Augen und seht die Wahrheit, dann können wir vielleicht damit anfangen wirklich der Clan der Gelehrten zu sein.” >

Die rote und die weiße Rose

Unter all dem ist unser Clan nicht nur in Frankreich, England und Polen, sondern auch tief in Nazideutschland am Kämpfen. In Berlin gründen wir die Rote Rose als vorgeschobene Beobachter und Spione – ein Vorhaben, das von den Nosferati der Stadt mitgetragen wird. Später schließt sich dann auch die später berühmt gewordene Gangrel Danielle Diron an – schon damals ein Dorn in unserer Seite, deren wirren Pläne und undurchdachte Aktionen vielen unserer Brüder in der Roten Rose den Tod brachte.

< Das ist noch harmlos ausgedrückt. Als ich 1940 als Emissär der polnischen Brujah die Rote Rose besuchte, musste ich erfahren, dass Danielle 4 Brujah an sich blutgebunden hatte! Diron hasst unser Blut, und das hat sie nie abgestritten. Besonders bitter missbrauchte sie ihre Kenntnis um den ”Rosengarten”, ein verstecktes Bunkernetz in Kreuzberg: Wurde es eng mit der Rose, zogen sie und die ihr nahestehenden sich blitzartig in geheime Zugänge zurück, während unliebsamere Vertreter – oder eben polnische Emissäre der Brujah – ausgesperrt wurden, um den Jagdtrieb von Odins Hunden, Abteilung Kainitenabwehr, zu befriedigen. >

< Es ist also keine gute Kunde, die ich nach Warschau bringe. Und dort beschließen wir, etwas gegen diese Gangrel zu unternehmen. Kontakte informieren uns außerdem darüber, dass Diron für nicht weniger als 3 verschiedene Ahnen tätig ist – welch ein Betrug gegenüber denjenigen, die ihr folgen in der Annahme, sie stehe ein für Freiheitlichkeit außerhalb der Ahnen und der Camarilla! >

Trotz der Spannungen, die Danielle hervorruft, und trotzdem sie unablässig darum bemüht ist, zusammen mit ihrem Gefolge und den Kindern, die sie sich erschafft, die Rose zu zerspalten, setzt die Rote Rose ihre Arbeit fort. Wertvolle Informationen über Truppenbewegungen, Munitionstransporte und anstehende Militäroperationen finden ihren Weg zum polnischen Netzwerk, und von dort über die Verbindungen von Clan Brujah zu den Befehlsständen der Alliierten, seien es britische Ventrue, französische Toreador oder polnische und russische Brujah.

< Im Laufe des Jahres 1944 schicken wir der Roten Rose kontinuierlich Unterstützung und Verstärkung. Gegen Mitte des Jahres treffe ich mit 2 Clansbrüdern ein. Danielle sieht sich durch das Zureisen von Brujah nicht unterstützt, sondern ihren Weg an die Kontrolle der Roten Rose gefährdet. Um zu beweisen, dass ihre Theorien blanker Unsinn sind, die Brujah wollten um jeden Preis die Macht, wählt die Rote Rose frei den Nosferatu Sergej Razhd zum neuen Anführer. Erfolglos reden wir zusammen mit Razhd und der Mehrheit der Rose auf sie ein, dass der gemeinsame Feind wichtiger sei – aber ihr Hass auf unseren Clan ist stärker. Sie nimmt die ihren und diesen elenden Ravnos Alexej, den sie aus Auschwitz mitgebracht hat, und gründet ihre eigene Splittergruppe, die Schwarze Rose – eine Verhunzung und Beschmähung des Namens ”Weiße Rose”, die wir kurz zuvor als Bindeglied zu den mit uns verbündeten Menschen gegründet haben (rote Rose und weiße Rose als Symbol auch der Landesfarben Polens). Ich erinnere mich gut an jedes einzelne meiner wenigen Gespräche mit Diron, aber nichts von dem, was sie mir sagte, machte viel Sinn – und wenn ich ihr dies mitteilte und ihre verworrenen Thesen widerlegte, geriet sie in Rage, griff mich sogar an. Das war das Ende meiner Bemühungen, die Rose wieder zu vereinen. Letzthin war es ohnehin egal – wir hatten auch so geschwächt Erfolg, zerstörten das Rückgrat der Nazis und trugen so unseren Teil durch Spionage, Brigantentum und Überfälle dazu bei, dass Nazideutschland samt den Tremere und Ventrue, die es trugen, stürzte. >

< Krämer erzählt zum Jahr 1944: “Im Frühjahr treffen in Calais zwei Gruppen von Kainiten zusammen, die eine, eine kleine französische Wiederstandzelle unter der Führung meiner Erschafferin, die andere, von Andrzej wird sie hier Odins Hunde genannt, mir war sie als Tyrs Hunde bekannt, eine Gruppe Ventrue mit Nazischergen als Ghulen. Der Hinterhalt war geschickt von den Nazis gelegt worden und von Ansbach erhielt nun die Rache auf die er seit 1917 gewartet hatte. Sie griffen uns von zwei Seiten an, ihre Ghule waren mit Flammenwerfern bewaffnet und die Ventruepest hielt von drei Seiten mit schweren MGs auf uns ein. Es war die Hölle auf Erden nach dem ersten Flammenstoß verlor ich die Kontrolle. Ich kann mich dann an nichts mehr erinnern, ich weiß nur, daß der Morgen nahte als ich zu mir kam, ich war allein und hatte mich in eine Scheune geschleppt, wo ich mich nun notdürftig unter Stroh versteckte um den Tag zu überleben. Meine Erschafferin habe ich seit diesem Tag im Frühjahr 1944 nicht mehr gesehen, ob sie tot ist weiß ich nicht, ich weiß nur sie ist fort!” >

Interner Zwist führt zur endgültigen Trennung der Rose in eine rote und eine schwarze. Dies ist am 15. September 1945. Die schwarze, unter Diron und Alexej, geht in die westlichen Besatzungszonen, unterdessen die rote Rose unter Führung des Nosferatu Sergej Razhd ihre Aktivität auf die russische Besatzungszone konzentriert, wo unser Clan sie aufnimmt, unterstützt und vor allem: vollständig rehabilitiert.

Am 1. Mai 1947 treffen sich Rote und Schwarze Rose ein letztes Mal, aber der angestrebte Vermittlungsversuch scheitert.

< Vermittlungsversuch? Danielle und Alexej forderten uns auf, mit unseren Clanbrüdern zu brechen und der Schwarzen Rose dabei zu helfen, Wilhelm Waldburg, Scherge und Sohn des Gustav, zum Prinzen eines geeinten Berlins zu machen. Das stelle man sich vor! Die Brujah erkämpfen Berlin und brechen die Tyrannenherrschaft der Ventrue, und diese MARIONETTEN fordern uns allen Ernstes auf, den einen Zaren durch den anderen zu ersetzen. >

Die Nachkriegszeit

Nicht nur die Siegermächte verhandeln, auch die Kainiten. Nicht weniger als 10 Kongresse finden zwischen 1944 und 1948 statt, die größten davon in Paris, in Potsdam und in Wien. Auch 3 (!) Konklaven beschäftigen sich mit dem Zweiten Weltkrieg und seinen Folgen, diskutieren die Brüche der Konventionen der Camarilla, die offene Manipulation aller involvierten Großmächte durch die Clane. Gerne würde man Clan Brujah für die offene Unterstützung des Umsturzes in Russland und die Aktionen des Clanes gegen die Nazi-Prinzen verurteilen, aber jeder Clan hat in diesem Krieg weit genug Dreck am Stecken, so dass faktisch alle Parteien froh sind, die Sache schnell abwickeln und zu den Akten legen zu können.

Deutschland liegt brach. Überall gibt es verlassene Städte. Die Feuersbrunst der Bombardements hat die Kainiten fliehen lassen, zahllose andere liegen unter Trümmern in Starre – und zerfallen bei den Aufräumarbeiten am Licht des Tages zu Staub.

Wer heute behauptet, die Teilung Deutschlands sei von den Kainiten vorgenommen worden, verkennt die Realität jener Tage: Die Menschen machten ihre Politik, und die Kainiten folgten dem Lauf der Geschichte – sie diktierten sie nicht länger.

Wie immer im Krieg, waren auch diesmal viele Kainiten erschaffen worden. Abgeschnitten von ihren Erschaffern, viele ohne Wissen um ihre Fähigkeiten und unsere Gesellschaft. In den Ostgebieten konnte Clan Brujah für die seinen sorgen, sie in den Schoß des Clanes holen – aber im Westen wurden wir nun erst Recht zu einem Clan ”non grata” – und dort bildeten sich Banden marodierender und einander befehdender Kainiten aus allen Clanen, die sich Gefechte mit den kommandohaft organisierten, aber kopflosen Ventruebruten lieferten.

Die ganze Aufmerksamkeit aller galt Berlin, sollte sich doch am Schicksal dieser Stadt das Schicksal Deutschlands mit entscheiden. Die vor Gewalt brennenden Städte Westdeutschlands interessierten da wenig, und die Zahl der Domänen, deren Prinz durch die Wirren des Krieges, die Bombardements und die Anarchen- und Sabbatüberfälle an der Macht festhalten konnte, ließ sich an den Fingern einer Hand abzählen.

In Berlin herrscht Unklarheit. Wilhelm Waldburg versucht nun endgültig offen und unverhohlen durch seine Verbündeten, Gustav Breidenstein als Prinz abzusetzen – unterdessen Breidenstein sich weiterhin als Prinzen sieht. Die Toreador versuchen die Ahnin Antoinette auf den Thron zu bringen, unterdessen der Provisorische Rat der Brujah (mit Krauss als Ratsvorsitzendem und Durier als Beisitzer) darum kämpft, dass die Ventrue nicht ein weiteres Mal ungeschoren davonkommen.

Aus der Fraktionierung innerhalb der Stadt entwickelt sich immer mehr ein gefährliches Klima, und Gewalt flackert immer häufiger in den Straßen Berlins auf.

< Innerhalb unseres Clanes gab es zunehmend Auseinandersetzungen um den zukünftigen Kurs. Wir polnischen Brujah waren den Vorschlägen der Toreador gegenüber aufgrund der bereits zu napoleonischer Zeit erfolgreichen Zusammenarbeit sehr aufgeschlossen, auch bereit, uns mit den britischen Ventrue an einen Tisch zu setzen, unterdessen die russischen Brujah wohl aufgrund von Konflikten in Moskau und gewisser marxistischer Doktrinen von einer Kooperation mit den Toreador nichts wissen wollten. Binnen weniger Jahre veränderte sich die Zusammensetzung des Rates radikal: Waren es zunächst hauptsächlich Polen, verschob sich das Verhältnis Schritt für Schritt Richtung Russen. >

< Marx Corvus dazu: ”Und wieder die armen polnischen Brujahs. Langsam kommt bei mir der Eindruck auf, daß der Arm der Brujah in Polen ein wenig degeneriert zu sein scheint. Jammern, Jammern und nochmals Jammern. Ein Wunder, daß sie noch nicht ausgestorben sind.” Mein lieber Marx. Es ist Deine Sache, wenn Du in diesen Ausführungen Gejammere siehst. Ich sehe sie als ein Zeugnis dessen, was gewesen ist, und wer mich kennt, weiß, dass es nicht der passive Widerstand des Jammerns ist, der meinen Weg dastellt, sondern dass in diesen Armen gerade die Kraft steht, den Missstand zu beheben und mit aller Gewalt auch die Zukunft zu formen. Dass Du nach allem, was Du bislang gelesen hast, keinen anderen Kommentar aufbringst, als mich und mein Volk degeneriert zu nennen, beschämt nicht mich, sondern Dich. Denn es steht zu fragen, was DU eigentlich kannst außer jammern darüber, dass die Brujah nicht besser als die anderen Clane sind, und spotten über alles, was sie erreicht und erduldet haben. Und fürwahr: Es ist ein Wunder, dass wir nicht ausgestorben sind, denn wahrhaft genug unserer Feinde haben versucht, uns auszurotten. Ein Wunder ist es aber umgekehrt auch, warum Du noch nicht ein amüsanter Gesellschafter an einem Toreador-Hof oder ein von allen geschätzter Lakai an einem Ventrue-Hof geworden bist. Oder bist Du es schon? >

Die Erste Teilung Berlins

Doch wir nehmen den streitenden Parteien die Entscheidung ab: 1948 machen wir durch unsere Verbindungen zur Roten Armee, zum Politbüro und der KPD die russische Besatzungszone dicht und rufen die Geburt eines neuen Deutschland aus.

< ”Wir” ist gut. ”Wir” meinte in jenen Nächten die Brujah-Sowjets, niemand somst. >

Verständlicherweise sind unsere bisherige Alliierten – die britischen Ventrue und französischen Toreador – von diesem Schritt nicht sehr angetan und kündigen uns die Kooperation auf – sehr zum Leidwesen der polnischen Fraktion im Rat, die sehr gerne die gute Zusammenarbeit fortgesetzt hätte, ja, die Thronbesteigung von Antoinette befürwortet hatte.

Da beide – Briten und Franzosen – auf gar keinen Fall Gustavs Regentschaft anerkennen wollen, aber – völlig zu Recht – fürchten, dass der Provisorische Rat unter Krauss versuchen wird, ganz Berlin unter seine Kontrolle zu bekommen, alliieren sich beide Fraktionen offen mit Wilhelm Waldburg.

< Ich habe mal munkeln gehört, dass Waldburg tatsächlich diese offene Kooperation ”gekauft” hat, was ihn faktisch zum Befehlsempfänger der Briten und Franzosen machte. Vorstellbar wäre es. Ich selbst bin ab der Ausrufung der DDR nicht mehr in der Stadt. Die russische Fraktion im Rat hatte all unseren Einwänden zum Trotz die Trennung gegen die Alliierten durchgeführt, ohne der polnischen Fraktion auch nur eine Vorwarnung zukommen zu lassen. Damit hatte sich für mich wie für viele andere die Zusammenarbeit mit dem Zentralkomittee erledigt. Rückblickend betrachte ich unsere Abreise aus Ostberlin jedoch als schwerwiegenden Fehler – denn so überließen wir den Russen die Gestaltung der weiteren Politik. Sehr zu unserem Nachteil. >

Bald nachdem die Allianz hinter Waldburg geschlossen ist, erfolgt der Schlag gegen Gustav Breidenstein. Unweit der Grenze zu Ostberlin – die sich Gustav natürlich verweigert anzuerkennen – bricht ein Kampf zwischen Breidenstein und Vasallen und der Walburgischen Allianz aus. Im Laufe der Kämpfe verlagert sich das Geschehen schrittweise Richtung Museumsinsel, wo der Provisorische Rat hinzustößt.

Auf das Erscheinen der wutentbrannten Brujah bricht der Kampf ab – beide Parteien ziehen sich fluchtartig in verschiedene Richtung (West und Süd) zurück. Während der Waldburger Fraktion die Flucht nach Westen gelingt, wird Gustav – bereits sehr geschwächt – von seinen Vasallen getrennt. In einer Ruine nahe Moritzplatz wird er von den Brujah gestellt, die über ihn herfallen. Alleine der Intervention von Krauss ist es zu ”danken” (so man darin etwas Dankenswertes sehen mag), dass der in Starre ruhende Gustav nicht zerstört wird – Krauss will den Leib aufbewahren, um ihn gegen den Preis der Anerkennung Brujahdeutschlands an Gustavs Brut, seine Verbündete oder die Heveller einzutauschen.

< Dazu schreibt Christoph Durier: ”Ich erinnere mich gut an jene Nacht. Wie wir die Nachricht von den Kämpfen erhielten. Wie meine Ratsgenossen und ich vor Wut fast in völlige Raserei getrieben zum Schlachtfeld eilten. Wie Schuss um Schuss und Hieb auf Hieb folgte. Das entsetzte Gesicht der beiden Ventrue – Breidenstein und Waldburg – als sie sahen, wie sich der Zorn der Brujah eine blutige Schneise bahnte. Die Panik in Waldburgs Gesicht, als er sah, wie Vladov – seine schwere Metallkette über seinen Kopf wirbelnd – auf ihn zu rannte, bereit, seinen Schädel mit einem mächtigen Hieb zu spalten. Simone und mir gelingt es, einen Keil zwischen Breidenstein und seine Verbündeten zu treiben. Breidenstein, der sich stolz und todesmutig seinem drohenden Ende entgegenstellt. (Das einzige Mal in meiner Existenz, daß ich einen Ventrue gesehen habe, der von Mut und Ehre spricht UND danach handelt.) Missgunst und Niedertracht, meine Äxte, die sich zum Todesstoß hoben, um die Hydra namens Breidenstein endlich zu enthaupten. Krauss, der sich über Gustav stellt. Mich bittet, ihn nicht zu vernichten. ‚Endlich haben wir ein Druckmittel‘, sagt er. Und ich Narr hörte auf sein und Simones Bitten. Dies ist die einzige Tat, die ich jemals bereuen werde.”>

Jahre der Trennung

Mit Abschluss dieser Konfrontation klären sich die Fronten recht schnell: Im Westen wird Waldburg Prinz, mit einem aus Toreador, Ventrue, Tremere, Malkavianer und Nosferatu bestehenden Rat der Erstgeborenen. Im Osten etabliert sich der Provisorische Rat, eine reine Brujah-Regierung, mit Krauss, Durier, Vladov und Jaspard als prominenteste Vertreter.

< Wozu Marx Corvus fragt: ”Erkläre mir bitte mal jemand die Aktion der Brujahs im Osten. Ich werde mir dieses mal das Rumgehacke ersparen, da meine Meinung zu diesem Thema ja langsam bekannt sein sollte.” Da ich annehme, dass sich diese Frage auf den Fehler bezieht, ein Regierungsgremium nur aus Brujah gebildet zu haben, will ich die Frage so beantworten: Es gab keine anderen Clane im Osten der Stadt! Selbst wenn die Brujah andere an der Macht hätten beteiligen wollen – wovon ich, da hast Du ganz recht, nicht ausgehe und was ich als fatalen Fehler betrachte – sie hätten niemanden gehabt! Alle Clans hatten Geschäfte mit Waldburg um die Verteilung der Macht abgeschlossen. Kein Clan hatte also etwas durch die Brujah zu gewinnen – und da diese sich vor der Geschichte weigerten, ihre Ansprüche zugunsten des Waldburg aufzugeben, den wir und auch die örtlichen Anarchengruppen noch sehr sehr gut als den Chef der Breidensteinischen Häscher kannten, kam es zum Bruch. Und ob wir wollten oder nicht: Der Rat blieb alleine in Brujah-Hand, was Waldburg vortrefflich gegen uns verwendete, wenn er vor seinen zahlreichen Gästen über die Situation der Stadt referierte. >

Zwei unsichere Jahre vergehen. Jahre, die gekennzeichnet sind von wachsendem Druck der Camarilla auf die Brujah Ostdeutschlands, von nicht enden wollenden Angriffen durch die in die zerbombten Städte eindringenden Werwölfe, die nun ihre Chance sehen, alle Wampire restlos zu vernichten, und – natürlich – zunehmenden inneren Streitigkeiten im Rat.

Zunächst nur einer der gleichgestellten Räte, dann Ratsvorsteher, dann Ratsprinz und schließlich von einem ”konstituierenden Rat” unterstützter Hoher Prinz wird Christoph Durier – die Stärkung seiner Macht- und Entscheidungsbefugnisse eine direkte Folge der Wirrnisse und Werwolfangriffe, die einen parlamentarischen Entscheidungsprozess im Rat unmöglich machen.

Der Rat bleibt dabei im Bild der Brujah das eigentliche Regierungsgremium – das Instrument, mit dem die Zukunft Ostdeutschlands gestaltet werden wird. Prinz Durier im Gegensatz dazu ist lediglich Bewahrer und Verteidiger der Traditionen in Ostberlin – eine lokale Person, die dem ”Konstituierenden Rat der Deutschen Demokratischen Republik” (variierend bezeichnet auch als ”Sozialistenrat”, ”Roter Rat” und ”Prinzenrat der Domäne Ostdeutschland”) zuarbeitet und die Arbeit des Rates ermöglicht.

Als die Werwolfangriffe und die visionären Auseinandersetzungen im Rat zunehmen, tritt eine gustavloyale Delegation vor den Rat mit der Offerte, durch die vereinte Macht der etablierten und gezielt auf Werwolfabwehr trainierten Order die Domäne Ostberlin verteidigen zu können – unter der Voraussetzung, dass ihnen der Leib Gustav Breidensteins übergeben wird, damit er wiedererweckt werden kann.

Man diskutiert 3 Monate mit harten Bandagen, dann wird Krauss durch einen Werwolfangriff in seinem Ruheort vernichtet.

Man ist schockiert. Und lenkt ein. Akzeptiert das Hilfsangebot der Katarina Kornfeld. Gustav wird ausgeliefert, und durch einen Zauberritus des Frederick Werther wiedererweckt. Im Austausch dafür verpflichtet sich die Delegation zur Treue gegenüber Clan Brujah und zur Verteidigung der Stadt Ostberlin. Gustav wird außerdem gegen den Protest seiner Brut blutgebunden, um jeden Putschversuch von vorneherein im Keim zu ersticken.

< Nicht wenigen scheint, die ”gustavloyale Fraktion” habe etwas ZU sehr vom Tode Krauss’ profitiert – und Christoph Durier bekennt sogar freimütig, dass er und Simone nie, noch für keine Sekunde daran glaubten, dass Krauss’ Tod ein Zufall war, und bemerkt kryptisch: ”Wir fanden bald heraus, wer den Befehl zu seiner Tötung gegeben hat. Und dann taten wir ihr weh. Sehr weh. Manche Dinge sind eben viel schlimmer als der Tod….”>

1950, ein halbes Jahr später, setzen die Brujah Gustav Breidenstein als logischer Befehlshaber der Anti-Werwolf-Truppen, der Order, Katarina Kornfelds und Albrecht von Magdeburgs als Prinzen in Ostberlin ein. Als dem Roten Rat Ostdeutschlands untertäniger und lehenstreuer Prinz! Durier nimmt den Wechsel auf Verfügung von Moskau unter scharfem Protest hin und verlässt Ostberlin Richtung Potsdam.

< “Lang lebe die Sklaverei!”schreibt dazu Marx Corvus, was ich jetzt einfach mal stehen lasse, da ich nicht verstehe, was er mit diesem Kommentar meint oder ausdrücken möchte. >

< Noch heute sitzt den Brujah, die jene Tage erleben mussten, der Zorn gegen das russische Zentralkomittee tief, allen voran Christoph Durier, der schreibt: “Diese verdammten Narren! Viel zu sehr beschäftigt damit, sich in einem Ruhm zu sonnen, den sie nicht einmal besaßen. Ich habe sie gewarnt. Doch Moskau glaubte es besser zu wissen. Und für ihre Verblendetheit mußten so viele sterben.”>

< Dabei war die grundsätzliche dahinterstehende Absicht nichtmal schlecht: Mit dem Rat als wahrhaftigen Regierungskörper über ganz Ostdeutschland hätte der ”Prinzregent” Gustav zwar eine repräsentative Stellung gehabt, aber keine wahrhaftige Macht. Seine zahlreiche und starke Brut konnte die Werwölfe im Zaum halten und die Stadtsicherheit gewährleisten, so dass der Rat sich ganz auf die Arbeit der Gestaltung des Staates konzentrieren konnte. Aber bei Gott, wie töricht waren diese Narren, Gustav so zu unterschätzen?

Letztlich war es meiner Ansicht nach politische Eitelkeit. Einerseits reizte es die Russen, Breidenstein als Vasallen zu haben, andererseits wollte man sich des Christoph Durier entledigen, der als längster im Berliner Raum aktive Brujah zweifelsohne den besten Überblick besaß – und ausgehend von seinen Erkenntnissen und Erfahrungen dem Rat natürlich jede Menge Warnungen, Hinweise und Ratschläge zukommen ließ, die der Rat nicht hören wollte. Man hatte gerade Deutschland erobert! Was zählte da die Meinung eines Franzosen, der die letzten 100 Jahre ”nur untätig herumgesessen” hatte? >

< In Polen kommt es mittlerweile zum endgültigen Bruch mit dem sowjetischen Zentralrat. Die Brujah in Moskau wollen nicht die Freiheit für Polen, sondern versuchen im Gegenteil mit aller Härte die polnische Kultur auszurotten – ”gleichzuschalten”. Viele Kainiten verschiedener Clane – vor allem Toreador – werden ausgewiesen, engagierte polnische Brujah-Führer verschwinden spurlos. 1956 gibt es einen Aufstand in Posen – aber zu spät. In den Städten haben die russischen Brujah-Komitees längst die absolute Kontrolle. Die polnischen Brujah – auch ich – müssen aufs Land ausweichen, wo wir überraschend gute Aufnahme bei den Gangrel finden, die uns von ”alten Bündnissen” künden, die sie nun ehren wollten. Bislang habe ich mir deren kryptische Äußerungen nicht zu erklären gewusst, aber die Hevellerchronik bietet hier eine gute Deutung: Die Gangrel müssen von Triglav abstammen, der noch immer den alten Bund von Polen und Litauen ehrt. Nach 600 Jahren noch! Es folgen weitere Aufstände, aber auch diese werden brutal niedergeschlagen: 1968 in den polnischen Universitäten, 1970 zahllose in Gdansk und Gierek. >

< Marx Corvus wieder: ”Ihr habt doch auch nach den marxistischen Lehren geschrien und wundert Euch, daß ihr unterdrückt wurdet? Kommunismus funktioniert eben nur durch Unterdrückung des freien Willens. Was lamentiert ihr schon wieder?” Und erneut kann ich nur fragend vor diesem seinem Kommentar sitzen und mich wundern, wovon zum Teufel er redet, oder wo in diesem Text er einen Ruf nach den marxistischen Lehren (nachgerade von einem Polen) sehen will oder wo er in den ursprünglichen Werken wie dem ”Kapital” ein Dogma finden will, das von Unterdrückung – oder Revolution – redet. >

Zur weiteren Kontrolle der Aktivitäten des Breidenstein und um dem Vorwurf zu begegnen, die Brujah würden keinen anderen Camarillaclan an der Macht teilhaben lassen, verfügt der Rote Rat die Gründung einer Art lokalen ”Unterkammer”, die man zunächst das ”Parlament” und dann, um seine (nichtvorhandene) Wichtigkeit zu heben, ”Rat der Erstgeborenen” nennt (ab 1961).

In diesem sitzen

  • Wolodja Kruzow (Brujah Ancilla), Ratsvorsitzender, Enkel von Christoph Durier

< Und soweit ich weiß Erschaffer von Volker Metzger, der später im Vierten Reich tätig war >

  • Simone Jaspard (Brujah Ancilla), Erschafferin von Friedrich Krauss
  • Thomas De Lutrius (Toreador Neonate)
  • Sergej Razhd (Nosferatu Neonate)
  • Frederick Werther (Tremere Neonate)

< In Wahrheit wie man später erfuhr Heinrich Himmler, Kind von Maxwell Ldescu >

  • Edward Hyde (Malkavianer Ahn)

wobei Kruzow und Jaspard zugleich Mitglied im Roten Rat sind.

< Bis 1961 saßen auch Durier und sein Kind Vladov noch in ”Parlament” und Rotem Rat, aber zum Jahreswechsel ‘60/’61 wurde Vladov als Prinz in Frankfurt/Oder eingesetzt (ergo nur noch im Roten Rat präsent), unterdessen Durier seinen Sitz in beiden Räten niederlegte und an den Hof Stephans nach Potsdam ging. Zu diesen Ereignissen befragt, entgegnet Christoph Durier:

“Als ich sah, wie die Räte durch politische Manöver, geheime Bündnisse und Intrigen zu einem Sumpf der Korruption und Verderbtheit gerieten, sah ich mich außerstande, auch nur eine Sekunde weiter inmitten von ihnen zu wirken und so Teil ihrer Sache zu sein.

Ich mußte zusehen, wie De Lutrius mehr und mehr glaubte, ein bedeutender Künstler zu sein, für dessen Werke die Menschen zu sterben bereit sein müssten. Und er war nicht der einzige, der sich in Selbstbeweihräucherung erging:

Werther propagierte seine Thesen der ‘Physio- Intellektuellen Superiorität ‘ und wollte mit diesem Argument am liebsten alle Menschen töten oder versklaven, zumal ein jeder von ihnen als ein potentieller Feind zu betrachten sei.

Hyde war ein machtbesessener Irrer, der einzig von dem Wunsch beseelt war, anderen Kindern Kains Schaden zuzufügen, auf dass sein Wohl gemehrt werde.

Razhd war getrieben von Neid und Eifersucht auf alles Schöne, da er nie seine Verwandlung überwunden hatte.

Ekelerregend war es anzusehen, wie man sich darum stritt, wer wo Platz nahm, wer wen zuerst zu begrüßen habe.

Ich schwöre bei Kain, daß ich niemals wieder eines so widerwärtigen Anblick ansichtig geworden bin. Doch bis zuletzt glaubten wir Drei, also Wolodja, Simone und ich, dass wir Ihnen etwas entgegen zu setzen hätten.

Wir diskutierten mit unseren Gegnern, rangen um Zugeständnisse, schlossen Allianzen und brachen Bündnisse. Doch unsere Bemühungen waren zum Scheitern verurteilt.”>

Breidensteins Usurpation Berlins

In den folgenden Jahren ziehen immer mehr der russischen Brujah zurück in ihre Heimat, dem sehr slawischen Instinkt folgend, der Heimaterde nicht auf ewig fernbleiben zu können. Außerdem sind überall in der Sowjetunion Konflikte entbrannt, und das Zentralkomitee sieht in der Lösung dieser Krisen eine bei weitem höhere Priorität als in der weiteren Präsenz im – zu jener Zeit dank Gustav absolut friedlichen – Osten Deutschlands.

1966 werden der Rat der Erstgeborenen und der Rote Rat zu einem neuen Rat der Erstgeborenen vereint. In diesem haben bei Streitfragen die Brujah je 3 Stimmen, und die Zuständigkeiten des Clanes erstrecken sich – zumindest theoretisch – auf ganz Deutschland.

Faktisch ist der Rat nur ein Befehlsempfänger Moskaus; lediglich in lokalen Angelegenheiten besitzt er ein gewisses Maß an Eigenständigkeit.

< Und genau durch diese schrittweise Umschichtung der Autorität, durch Wandel von Namen und oft unklare Zuständigkeiten wird Gustav schrittweise ”echter” Prinz, und der Rat ein ”echter” Rat der Erstgeborenen. Dabei bleibt es noch eine Weile so, dass der Prinz dem Votum des Rates folgen muss – aber schon bald trachtet Gustav danach, diesen ”Missstand” zu beheben. >

Natürlich kann Gustav Breidenstein weder als Ventrue noch als ”Anarche” auf Dauer ertragen, Befehle von einem anderen Clan zu erhalten. Schon gar nicht von Clan Brujah. So ist es nicht verwunderlich, dass er über Marionetten – die er im Bedarfsfall ohne mit der Wimper zu zucken als ”Verräter” titulieren und opfern kann – Schritt für Schritt die Führungsspitze der Brujah ausmerzen lässt.

1968 verschwindet Simone Jaspard spurlos.

1970 Wolodja Kruzow.

Erst 1971 erfahren wir davon, dass beide vernichtet wurden. Simone diableriert von Wolf von der Nachten, Kruzow von einer Detonation in seinem Haven zerfetzt. Initiator beider Morde: Der an Gustav Breidenstein blutgebundene Nosferatu-Primogen Sergej Razhd, der wenige Nächte nach der Enthüllung seiner Untaten von Durier und Vladov in der Nähe des LeSang am Nollendorfplatz gestellt und zerstört wird.

< In den privaten Aufzeichnungen von Christoph Durier findet man dazu lediglich den lakonischen Eintrag:“Und es dauerte dreizehn Tage und Nächte, ehe er starb. Für Kruzow. Für Simone.” >

< Sergej versuchte nach allem was man mir erzählte sein Leben zu erkaufen, indem er den Hintermann der Operationen nannte: Loki, alias Albrecht von Magdeburg, Kind der Katharina Kornfeld. Der Informant, der Razhds Verrat aufdeckte, verlangte aber im Gegenzuge, dass von Magdeburg kein Haar gekrümmt werde, was dann zu dessen fortgesetzter Existenz führte. Besagter Informant soll im übrigen ebenfalls ein Nosferatu gewesen sein. Aber wie gesagt: Das ist alles Hörensagen; ich selbst war weit weg und bekam von all diesen Sachen dank der Blockade durch die Sowjet-Brujah nichts mit. Irgendwie in die Angelegenheiten verstrickt sein soll ein Nossi namens Stephan Marder, der glaube ich dieser Nächte in Lübeck wohnt. Aber was er damit zu tun haben soll und ob er zu unserem Informanten oder Gustavs Netzwerk zählte weiß ich nicht. >

Mit Sergejs Vernichtung ist zwar der Tod der beiden gerächt, dennoch zerfallen durch den Tod von Wolodja und Simone die Reste der alten Roten-Rose-Verbindungen zusehends. Danielle rekrutiert schamlos auf Anarchenseite verbliebene Kainiten für die Schwarze Rose und bezeichnet Sergej als Verräter und Nestbeschmutzer, der sich für die Macht prostituiert hat und zum “Hund Breidensteins” geworden ist. Diese Prostitution zur Macht überträgt Danielle kurzerhand von Sergej auf die gesamte Rote Rose, und da ihr niemand entgegentreten und widersprechen kann gelingt es ihr, auch einige der linientreuen Brujah auf die Seite der Schwarzen Rose zu ziehen, die in jenen Tagen in der westberliner Hausbesetzerszene ihre größten Erfolge feiert.

In Ostberlin hat Gustav durch die Zerschlagung der alten Rote-Rose-Kreise, durch Abreise der polnischen und Heimkehr der sowjetischen Brujah faktisch die Macht übernommen. Vom letzten im Ostberliner Erstgeborenenrat verbliebenen Brujah, Rutigar, heißt es schon bald, dass er an Gustav blutgebunden ist – was kaum einen Unterschied macht, stand er doch seit jeher den Positionen des Breidenstein sehr aufgeschlossen gegenüber.

Der Rest des Erstgeborenenrates in Ostberlin ist eine ebensolche Farce: Nur zwei Ahnen, Humboldt und Hyde, und ansonsten eine Bagage an Gustav blutgebundener Neonaten verschiedener Clane, die ein intaktes politisches Leben mit wenig Enthusiasmus und Überzeugungskraft vorgaukeln wollten.

< Die Achtziger sind in der Tat in Berlin beinahe ereignislos. In Polen hält das Ringen der freien Brujah und Gangrel gegen das Diktat des sowjetischen Zentralkomitees an, weswegen von 1981 bis 1983 der Ausnahmezustand in Polen gilt und es 1988 bei Gorbatschovs Besuch zu Massenstreiks – und in deren Schatten: Zu heftigen Gefechten innerhalb der Brujah – kommt.>

< Und wie viele schon vor ihm lamentiert Marx Corvus: ”Unser größtes Problem scheint es zu sein, daß zu viele unterschiedliche Ansichten über Freiheit und Gleichheit aufeinanderprallen. Wenn wir keinen Feind haben, der die Einheit des Clans heraufbeschwört, zerfleischen wir uns gegenseitig. Gibt es denn nichts, auf das wir uns einigen können?” – und wir müssen wohl sagen: Nein, offenbar nicht. Das stete Infrage-stellen aller etablierten Ordnung ist unser Wesen, und so sicher, wie uns diese unsere Gabe unsere Kräfte bündeln und entfesseln lässt, um die Tyrannei der anderen zu bekämpfen, führt sie immer auch dazu, dass Brujah gegen Brujah steht und sich der Clan selbst zerfleischt. Traurig zu sagen, und auf fast jedem Rant wieder traurig zu sehen. Aber keine Veranlassung dafür, zu resignieren und den Kampf um eine Utopie aufzugeben. >

< Die restlichen 10 Seiten seiner Ausführung widmet Vlad von Stolzenfels fast ausschließlich dem Vierten Reich und dem Aufstieg des Dieter Kotlar von einem peinlichen Spinner zu einer wichtigen Stimme im Clan Brujah, der ”mit Halbwissen, Lügen und plumper Propaganda” die Jüngeren des Clanes hinter sich gebracht hat, sowie den 1988 aktuellen politischen Entwicklungen in West-Berlin. Das von meinem Erschaffer hierzu Bemerkte ist aber nun so speziell und für die heutige Welt so unbedeutend, dass ich mir erlaubt habe, diese Texte entfallen zu lassen. Sollte der Leser Interesse an den Ausführungen von Stolzenfelses haben, mache ich diesem die entfallenen Texte gerne zugänglich.>

ZWEITES KAPITEL

Vom Fall der Mauer zum modernen Berlin

(1991-2000 n. Chr.)

von Andrzej Ivanovak

z.T. nach Texten von Arnim von Grael

Mit dem Jahr 1988 enden die Aufzeichnungen meines Erschaffers Vlad von Stolzenfels. Für die Zeit bis Anfang 1995 mag aber auch ich als Augenzeuge der Ereignisse dienen.

Wie viele andere Brujah in den Achtziger Jahren hatte auch ich Polen verlassen, um außerhalb nach Unterstützung für meine Heimat zu suchen. Von 1984 bis 1995 verblieben ich und meine Brüder Ivan, Romero und Stanislaus de Warsawa in Berlin an der Seite unseres Erschaffers Vlad von Stolzenfels, der ebenso hierher gereist war, um am Hofe Waldburgs Kontakt zu den ehemaligen Alliierten des Großen Krieges aufzunehmen und dann – nach 1991 – das Schicksal der Stadt mitzugestalten.

1995 ging ich nach Amerika, unterdessen Vlad und meine Brüder in Westberlin blieben – zum Millenniumswechsel wollten wir uns in Berlin wiedersehen. Wie ich inzwischen weiß, sind sie alle tot, und mein Erschaffer ist spurlos verschwunden.

Ich habe Nachforschungen angestellt und mich dabei mit manchem alteingesessenen Kainiten unterhalten, und neben den entsetzlichen Dingen, die ich erfuhr, schreckt mich doch am allermeisten, dass trotzdem die Schurken und deren Handlanger doch zumeist inzwischen selbst vergangen sind, bezüglich mancher Vorfälle auch weiterhin eine Mauer des Schweigens herrscht.

Wie unser ganzer Clan, so wurde auch meine eigene Familie den Feinden ein leichtes Opfer, da sie innerlich zerspalten war. Zwischen Vlad und meinen Brüdern kam es bald nach dem Mauerfall zum Bruch. Ivan, seit jeher tief in das Geflecht des organisierten Verbrechens verwickelt, suchte sich den Umsturz durch Machtsammlung innerhalb der Russenmafia nutzbar zu machen, unterdessen Stanislaus nicht nur wie früher zur Tarnung, sondern mittlerweile auch im Herzen der Schwarzen Rose unter dem Namen ”Ratspike” beigetreten und damit für uns verloren war.

Da ich ab 1995 an der amerikanischen Westküste wohne und wirke, stehen mir für die folgenden Jahre – bis 1999 – kaum gesicherten Informationen zu Verfügung.

Ich werde mich aber bemühen, anhand von Allgemeinwissen, mir mündlich zugetragenen Dingen und auch anhand einzelner Textauszüge aus der Hevellerchronik des Arnim von Grael die fehlenden Ereignisse zu ergänzen, soweit dies aufgrund der Umstände möglich ist.

Da mein Erschaffer Vlad von Stolzenfels noch bis nach 1996 hinein in Berlin wirkte und lebte, hoffe ich, sobald und sofern ich ihn wiedersehe die hier lediglich skizzierten Fragmente ergänzen und verifizieren zu können.

Der Mauerfall

1991 fällt die Mauer. Diesem historischen Ereignis vorangegangen war eine totale Nachrichtensperre von Moskau, gefolgt von einem panischen Ruf des sowjetischen Brujah-Zentralkomitees nach Hilfe. Ob freiwillig oder oft verstärkt durch die Macht der Präsenz, alte Bünde oder die Mächte des Blutes zwischen Erschaffer und Kind reisten zahllose Brujah nach Moskau, und mit ihnen viele Kainiten auch anderer Clane, sogar Ahnen.

Von keinem einzigen von ihnen hat man je wieder gehört.

Heute wissen wir, dass es das Wiedererwachen einer machtvollen Nosferatu-Methusalah, Baba Yaga, war, was die Herrschaft unseres – und jedes anderen – Clanes auf Russland praktisch auf einen Schlag beendete, und noch heute sind die genauen Ereignisse und Entwicklungen ebenso wie die aktuelle Situation in den ehemaligen Sowjetrepubliken völlig unklar – jedenfalls mir.

Wichtig indes für unseren Clan in Preußen war, dass mit dem Ende des Zentralkomitees Gustav nicht länger den Schein der Untergebenheit wahren musste, sondern wieder frei und offen nach eigenem Gutdünken als Prinz Ostberlins agieren konnte.

Dies bedeutete für den Westteil der Stadt eine weit größere Bedrohung, als man sich vorstellen möchte: Im Schutz der Mauer und jenseits der Intrigen der Westdomänen hatte Westberlin eine Magnetwirkung auf sagen wir ”ungewöhnliche” Kainiten aus allen Teilen Europas und allen Clanen gehabt. Kreuzberg gehörte faktisch der Schwarzen Rose, mit Danielle als Prinzessin des Bezirks und der Schwarzen Rose als blind ergebene Häscher. Der von meinem Erschaffer so hingebungsvoll gehasste Dieter Kotlar saß im Rat der Erstgeborenen. Ellison Humboldt – der Nosferatu-Erstgeborene – wie man nach dem Fall der Mauer erfuhr in beiden Primogenen, West und Ost.

Nächtens machten Banden marodierender Vampire die Straßen Westberlins unsicher. Neben dem als harmlos geltenden ”Zwangsjackentanzclub”, der in besagten Jacken durch die nördlichen Bezirke tobte, gab es auch den ”Jagdclub”, eine Gruppe mit wechselnder Besetzung, deren einziges Ziel die Jagd auf Kainiten mit folgender Diablerie war. Im Laufe der Jahre kam noch manche Splittergruppe und Anarchengang hinzu. Einige – wie die Generation Z, The Edge, die Nachfolgegruppe des Vierten Reiches ”Das Schwarze Netz” oder Kains Rache blieben dank schriftlicher Pamphlete und ihren (Un-)taten den Kainiten gut im Gedächtnis. Andere – wie der Midnight Circle, die Schattengeneration oder die Schrecklichen – vergingen in kurzer Zeit und fielen der Vergessenheit anheim (wenngleich es mich schon wundert, wie man den Midnight Circle so vergessen konnte…).

Westberlin war instabil. Regiert von einem Prinzen, der Diener zu vieler Herren war, um einen klaren Kurs fahren zu können, aber sehr darum bemüht, den äußeren Schein der Respektabilität zu wahren – gerade jetzt, wo die Aufmerksamkeit der Camarilla wieder voll auf die frischgeborene Bundeshauptstadt gerichtet war.

Eine Aufmerksamkeit, von der Gustav, dessen Stadthälfte der Inbegriff tyrannischer Ruhe und Stabilität war, regiert von ihm und seinem bluthörigen Primogen mit eiserner Faust, nur profitieren konnte.

Zu Recht fürchtete die Camarilla, dass nun, mit dem Fall der Mauer, Sire und Childe ihren erbitterten Streit weiterführen würden, und das in dem Feuer auch Berlin verbrennen könnte.

Hilfe erhoffte man sich darum vom Prinzen zu Potsdam, in jenen Tagen schlicht ”Stephan” genannt und deutschlandweit ein recht unbeschriebenes Blatt, dessen Rat aber wohl von Waldburg wie Breidenstein hoch geachtet wurde. Ich entsinne mich noch genau, was damals das einzige war, was über ihn bekannt war: Dass er ein sehr alter Ahn aus germanischer Zeit sei, der zu Beginn des Dritten Reiches wiedererwacht war. Dass er abgeschieden in Potsdam lebe, umgeben von seinem eigenen Hofstaat und beraten von seinem Magus, Canissim Enkiem, umgarnt von seiner Geliebten, der schönen Fatima, besänftigt durch die liebenswerte Sophia von Habsburg, fürwahr das reizendste Geschöpf, das Clan Ventrue je hervorgebracht hat, und aufgestachelt durch sein Kind Wilhelm von Stornbeck, den er in den Krieg hinein erschuf und der bis über beide Ohren in Nazi-Geschäfte verwickelt war und ebenfalls mit dem Thron Berlins liebäugelte.

Auch erzählte man sich, in Potsdam träfe sich ein Zirkel der verschiedensten Kainiten, um über die Zukunft der Nachbardomäne Berlin zu befinden. Aber hierüber mag man besser Christoph Durier befragen, der Mitglied in jenem rätselhaften ”Potsdamer Zirkel” war. Und wie einige mutmaßen: Immer noch ist.

Die Spannung steigt

Bis zum ”Schwarzen Krieg” nimmt die Bevölkerung im Westteil der Stadt ständig zu. Waldburg lockt gezielt junge Kainiten nach Westberlin, um bei einer Konfrontation mehr Volk hinter sich zu haben – und andererseits sind auch alle in den Zweiten Weltkrieg involvierten und viele neue Fraktionen daran interessiert, im Kampf um Berlin ”mitzumischen”. Schicken Emissäre. Beobachter. Sogar Archonten.

Schon in den frühen Neunzigern gehen Gerüchte um, dass sich ein Justikar sehr für Berlin zu interessieren beginnt – später wird dieses Interesse des Tremere-Justikars Karl Schreckt ganz offensichtlich.

Im Osten hingegen: Stille und Leere. Außer Gustav und seiner Brut, dem Primogen und vielleicht 5-6 weiteren Kainiten ist und bleibt die Osthälfte bis zur Vereinigung der Domänen 1996 leer – das Loch, das die abgereisten Brujah hinterlassen haben, wird nicht gefüllt.

Zu den wenigen Einwohnern Ostberlins zähle ich, aber ich halte mich wohlweißlich bedeckt. Nur keine Aufmerksamkeit erregen. Ich rede mit dem ’88 erschaffenen Stephan Rutigar, der manchmal in Ostberlin umherirrt, suche nach in Starre ruhenden Leibern von Clansbrüdern. Versuche zu ergründen, was mit den Brujah, die Gustav hätten kontrollieren sollen, passiert ist. Fahre auch durch die ostdeutschen Gebiete auf der Suche nach Überbleibseln unserer Herrschaft. Konferiere fast wöchentlich mit Damien Vladov und seinem Primogen der Schatten.

Wir Brujah sind uneins, wie wir vorgehen wollen. Uns allen ist klar, dass wir uns den dezenten Hinweis darauf, dass Gustav uns zur Lehenstreue verpflichtet ist, in die Haare schmieren können. Rutigars Präsenz auf unseren Treffen und seine Parteinahme für Waldburg, dem er jedes Wort glaubt, widert uns an – und wie Christoph Durier mich aufklären soll, ist dies mehr als ein Zufall:

“Ja, Breidenstein war nicht der einzige Ventrue, der unseren Clan mit den Fesseln des Blutes unterjochte. Auch der vorgeblich so freigeistige Waldburg war einem kleinen Blutbund hie und da nicht abgeneigt, wie er an Stephan Rutigar demonstrierte.

Dennoch – oder gerade wegen jenes Blutes ? -  träumte Rutigar von einem blutigen Sieg der Brujah über die ganze Welt unter einem mächtigen Anführer – aber vielleicht tat er dies nur, um Erika zu imponieren, die er liebte wie der arme Irre, der er war – oder zu dem man ihn machte.”

Und Marx Corvus bemerkt, durchaus nicht dumm:

”Breidenstein unterjochte die Brujahs mit seinem Blute? Unterjochten die Brujahs nicht auch Breidenstein mit ihrem Blut? Auge um Auge, Zahn um Zahn! Rache ist am süßesten wenn das Blut noch heiß ist…”

Stolzenfels und ich würden am Liebsten Antoinette auf den Thron bringen. Durier hält sich bedeckt und deutet an, dass ”gewisse wichtige Leute” niemals eine Toreador auf dem Thron dulden würden. Die Kanadierin Snakebite lässt ihrem Franzosenhass freien Lauf und echauffiert sich über alle Kainiten mit französischem Namen – und wettert gegen Kotlar, als dieser versucht sie auf seine Seite zu ziehen. Kotlars Schatten Geiger becirct viele jüngere Brujah und stärkt so die Fraktion, die die Vision Kotlars von einer neuen Ära teilen, in der alle Prinzen fallen und ein neuer Führer das Vierte Reich ausrufen wird. Linda, Ratspike und die anderen Brujah der Schwarzen Rose wollen am liebsten auf das Vierte Reich losgehen, doch Durier und Stolzenfels dulden das beim Brujah-Treffen nicht. Ivan hat seine eigenen Pläne. Romero auch.

So herrscht Ringen um Berlin.

Ich möchte die Geschichtsschreibung Herrn von Graels bemühen, zu der ich meine Anmerkungen beistellen werde.

”1992 erwacht ein machtvoller Vampir aus dem Torpor in der Nähe von Glindow, wird aber auf Geheiß Stephans, der eine Gefährdung der Masquerade oder eine Verbündung dieses Vampirs mit einem der Prinzen befürchtet, zurück in den Topor geschickt. Er ruht jetzt in den Tiefen des Kellers von Sanssouci. Alle Kainiten, die sein Erwachen erlebten, wurden mittlerweile beseitigt, Stephan darselbst liegt in Starre, so daß alleine eine Angst zurückbleibt, was passieren könnte, wenn der Schläfer dereinst erwacht.”

Das ist so nicht ganz richtig. Snakebite – eine in die Ereignisse direkt involvierte Clansschwester, habe ich noch 1999 in Boston getroffen. Und Oliver von Steinau, ihr ”Ventrue-Kumpel” und Kind des Wilhelm von Stornbeck, hat sich zwar aus Berlin zurückgezogen, hat aber weiterhin sporadischen Briefkontakt zu Snakebite (die offizielle Version in Berlin ist, er sei von Werwölfen (oder waren es Sabbatianer?) am Falkenseer Platz in Spandau zerrissen worden).

Soweit mir Snakebite erzählt hat, war dieser ”machtvolle Vampir” ein Tzimisce, dessen Sire um 1500 zum Sabbat übergelaufen war und seinen ”Geliebten” (namentlichen Vampir, Laudrance mit Namen) mitnehmen wollte – notfalls mit Gewalt. Auf dessen Weigerung hin wurde er von seinem Erschaffer, der ein sehr mächtiger Hexer gewesen sein muss, mit einem Fluch belegt, dass wo immer er hinginge er nur Leid und Unglück bringen würde und so nun sehe, was er von seiner vielgepriesenen ”Menschlichkeit” habe. Tatsächlich war es so, dass mit dem langsamen Erwachen jenes Vampirs die Gewalttaten in Berlin in die Höhe schnellten, und hierbei besonders jene Fälle grausamer Familienmorde, die immer wieder in Schüben die Geschichte aller Städte zeichnen.

”1994 eröffnet Vladimir – sich als Nosferatu-Elder und einstigen Knappen des Königs Barbarossa ausgebend und geschützt durch seine gewaltigen Obfuscate-Kräfte – allen Vampiren der Stadt seine Präsenz in Berlin…”

Es sollte erwähnt sein, dass Vladimir vorher schon am Potsdamer Hof ein und aus ging, wo auch ich ihn bei einer Einladung der Fatima 1989 traf. Ein seltsamer Mann.

”(…) Im folgenden Monat besucht der Elder der Ventrue Nep-Che-Peru-Ra mit seinem Childe Laudine Berlin (…).”

Nep-Che-Peru-Ra ist der Thronname von Ramses II. ist. Just so you know. Da ich nicht glaube, dass ein ägyptischer Pharao mal eben mit seinem Kind in Berlin vorbeigekommen ist, und die Zaren eigentlich nicht den Namen berühmter Herrscher anlegen, nehme ich an, dass dies wohl eher ein Malkavianer gewesen sein dürfte. Wer weiß – vielleicht Arkadan. Die beiden schienen einander ähnlich zu sein.

< Christoph Durier: “Tatsächlich werden Nep-Che-Peru-Ra und Laudine von einer großen Anzahl Kindred angegriffen. Jeder, der an diesem Anschlag beteiligt war, starb in den nächsten Monaten aus den seltsamsten Gründen.”>

Der Ausrottungsfeldzug gegen die Brujah

”Neben der Schließung des Arcanoas häufen sich im Juni und Juli (1994) diverse Anschläge gegen den Clan der Toreador, von Bombenanschlägen auf Ausstellungen bis hin zu Mord. Die Toreador reagieren sehr aufgebracht, und die Intervention von Paris hängt gleich Damokles’ Schwert über der Stadt”

Ich werde auf diese Überfallserie, bei der viele Toreador zu Tode kommen, später noch eingehen. Vorgreifend sei aber bereits angemerkt, dass diese Angriffe auf die Toreador dazu führten, dass viele des Clanes der Rose Berlin verließen aus nackter Angst ums Überleben und die Toreador ihre Pläne, den Thron zu übernehmen, aufzugeben gezwungen waren.

”Hierin mochten manche vielleicht eine (schwache) Entschuldigung für Wilhelm Waldburgs Verhalten sehen, aber mit der Nachsicht der Camarilla für die an Absurdität grenzende Regierung Waldburgs ist es im August vorbei: Detonationen zerstören ein Gebäude der FU und eine Villa in Dahlem vollständig. Nahezu in Panik wird nach den Schuldigen gesucht, die endlich im September auf Befehl Waldburgs gefaßt und vernichtet werden.”

Jetzt Achtung:

”Doch nach dieser Hexenjagd bleiben Zweifel, ob die Verurteilten wirklich die Urheber des Terroranschlages waren. Zu schnell, zu glatt und hinter verschlossenen Türen fanden Gericht und Exekution statt, und zu häufig schon waren es plötzlich ‘Baali’ oder ‘Sabbat-Kainiten’, die sich hinter ehrenhaften Camarilla-Kainiten verbargen. Eine Ahnung streift die Stadt, wie tief das Intrigenwerk der Prinzen reicht, wie schmutzig der Krieg um den Thron wahrhaftig geführt wird.”

Interessanter Kommentar für einen Zaren – und eine späte Bestätigung der Verdachtsmomente, die wir Brujah 1994 hatten.

Was Clan Brujah seit 1991 bis einschließlich 1995 in Berlin erdulden musste, war nichts anderes als ein AUSROTTUNGSFELDZUG, sowohl physisch als auch politisch, der abwechselnd von den Ventrue und von den Tremere gegen uns geführt wurde – mit dem Ziel, eine geeint durch diese beiden Clane regierte Domäne Berlin zu erzielen – was ihnen ja mittlerweile, 2000, auch vortrefflich gelungen ist.

Man sagt, man soll alte Geschichten ruhen lassen – ich hingegen kann es vor meiner Ehre und auch vor dem Andenken an unsere Clanbrüder nicht hinnehmen, im Laufe jener Jahre nicht weniger als ZWANZIG BRUJAH unter verschiedenen gefälschten Anklagen oder ungewöhnlichen Zusammenhängen STERBEN zu sehen – darunter auch 4 AHNEN unseres Clanes!!!

Leicht ist vorstellbar, wie die politische Landschaft in Berlin heute aussehen würde, würden diese unsere Brüder und Schwestern noch leben. Berlin wäre unser! Und mehr noch: Hannover hätte nicht von den Ventrue geraubt werden können. Bremen wäre heute nicht Goldsteins Hand.

Marx Corvus spricht zwar: ”Gedenkt der Toten. Niemand hat es verdient zu sterben, gleich wie grausam seine Taten waren. Wer gibt uns das Recht über Leben und Tod zu entscheiden?” – ich aber sage nur: Es gibt solche, die verdienen nichts anderes als den Tod. Bestimmte Dinge lassen sich nicht mit Handzetteln und passivem Widerstand ändern – tatsächlich gibt es für unsere Art, die Wampire, nicht viel, was wir ohne Gewalt verändern könnten.

Die Abkehr von physischer Gewalt ist sicher modern. Aber nicht vergessen sollten wir, dass die geistige Versklavung durch die Disziplinen der Patrizier, Hexer und Schlangen eben jene Kräfte sind, mit denen sich gewaltlos Gewalt ausüben lässt. Und indem wir auf unsere Kräfte verzichten, indem wir der Narretei anheimfallen, unsere Schlachten nur noch auf einem Feld zu führen, auf dem andere uns überlegen sind, öffnen wir uns unserem eigenen Untergang.

Seid gewarnt, und achtet es gut, denn dies ist die List der Patrizier: Die alten Gedankenmodelle des aufrechten Kampfes, der Geradlinigkeit, der Ehre, sie sind von der modernen Gesellschaft, die sie geschaffen haben, verdorben und beseitigt worden. Unter dem Deckmantel des hohen moralischen Anspruchs des ”Friedens”.

Aber was hat die Verpönung der Ritterlichkeit denn gebracht? Was hat es gebracht, die Gewalt zu tabuisieren, statt sie – wie den Tod – als Teil allen Seins wahrzunehmen, sich mit ihr zu beschäftigen und Regeln für sie aufzustellen?

Doch nur die Moral, dass es legitim ist, zu lügen. Zu betrügen. Doch nur, dass sich ein jeder selbst der nächste ist und es keinen Gott und keine andere höhere Instanz gibt, nach der man sich zu richten hat. Doch nur, dass es keine Ehre braucht, solange der Krieg nur aus dem Drücken von ein paar Knöpfen besteht.

Und mit der Schaffung dieses Denkens, dieser Werte haben sie ihre Disziplinern der geistigen Versklavung gesellschaftsfähig gemacht – alle Politik ist korrupt, und die Menschen lernen es früh, dies zu akzeptieren – unterdessen sie alle Disziplinen des Kampfes – und alle Clane, die jene Macht zum Angriff  besitzen – zu Barbaren degradiert und verpönt haben.

Und dies ist ihr Sieg: Dass es heute sogar Brujah gibt, die ihre Lügen wiederkäuen und die schwärende Korruptheit der gewaltfreien Elysien dem offenen Wort und dem gerechten Zorne vorziehen, die sich von den schon zu sterblichen Zeiten durch Eltern und Schule genährten Mechanismen unterwerfen und die Tyrannen als Kulturträger feiern, unterdessen sie die Aufrichtigkeit ihrer Clansbrüder verteufeln.

Aber zurück zu der Ausrottung der Brujah in Berlin, und von Anfang an:

Noch bis ins Frühjahr 1994 hinein haben wir Brujah den festen Plan, Christoph Durier auf den geeinten Berliner Thron zu bringen. Durier – der nur sehr selten an Rants persönlich teilnimmt, sondern meist einen Sprecher schickt oder uns Briefe zusendet – ist aber durch seine Erfahrungen skeptisch was den Erfolg dieser Unternehmung angeht. Stattdessen rät er an, gemeinsam mit den Brujah-Anarchen der Stadt lediglich zu verhindern, dass der Thron des geeinten Berlin an einen Ventrue oder Tremere fällt – was dann indirekt den Thronkandidaten der Toreador, Lessing, zum Prinzen der Stadt machen würde.

Unserem Streben entgegen stehen neben den Ventrue und den Tremere vor allem die Nosferati – genauer: Die Nosferati um Ellison Humboldt und Vladimir – die so ganz entgegen der Art des Clanes keinesfalls neutral bleiben wollen, sondern die in den Jahren der Mauer gesammelten Gefallen auf beiden Seiten dazu verwenden möchten, eine Prinzen-Puppe auf den Thron zu setzen, die den Nosferati völlig hörig sein soll.

Mitte 1994 reist Lessing überraschend ab. Ob dies in Zusammenhang mit den Übergriffen auf die Treffen der Toreador zusammenhängt (die man natürlich uns anlastet) bleibt offen, aber mit seiner Abreise bekunden die Toreador gleichsam, dass sie von dem Vorhaben Abstand genommen haben, einen Toreador-Prinzen an die Macht bringen zu wollen.

Unsere Strategie gerät ins Wanken. Für einige wenige Monate klammern wir uns erneut und wider besseren Wissens an die Hoffnung, Breidenstein könne doch noch an den Clan blutgebunden sein und wir könnten von seiner Herrschaft profitieren (tatsächlich ist es immer wieder er, der uns in jenen Jahren in Schutz nimmt). Pläne, von denen der Westprimogenus Kotlar und die Danielle Diron hörigen Brujah der Schwarzen Rose nichts wissen wollen.

Zu jener Zeit tut sich ein Ahn unseres Clanes namens Rafferty, Kind des Guy Devereux, als leitende Stimme unter den Brujah hervor. Gemeinsam mit seinem Kind und seiner Geliebten Nathalie Goldmann vermag er die verschiedenen Fraktionen der Brujah zumindest soweit zu einen, dass diese dem Angriff der anderen Clans nicht völlig hilflos entgegenstehen.

Die Spannung in der Stadt nimmt zu – und gipfelt vorläufig in zwei Detonationen im Umfeld der Freien Universität in Dahlem und dem Überfall auf die Villa eines Toreador namens Chance. Obgleich beide Vorfälle sehr schnell uns in die Schuhe geschoben werden, sind die Aggressoren gerade im Fall des Villa-Überfalls doch deutlich die Ventrue, die bei jenem Übergriff versuchen, ihr abtrünniges Mitglied Lucretia (Anarche der Schwarzen Rose) zu vernichten. Diese kann jedoch fliehen.

Die Offenheit dieser Gewalt schockiert die Ahnen – einige sicherlich aufrichtig, andere nur zum Schein. Es wird sehr schnell klar, dass die Ahnen einen weiteren Ausbruch dieser Art nicht dulden werden. Unser Ahn Rafferty bemüht sich, den gerechten Zorn der Brujah Westberlins zu beschwichtigen. Und wieder hört man auf ihn.

Wohl erkennen unsere Feinde jetzt, welche Gefahr für ihre Pläne von Rafferty ausgeht. Dann verschwindet Raffertys Geliebte Nathalie spurlos. Rafferty verliert – wie von unseren Gegnern gehofft – alle Selbstbeherrschung. Schreit nach Rache und Gewalt. Und bekommt die Information zugespielt, dass Nathalie von dem Ventrue Void entführt  wurde.

Zu Void muss man wissen, dass dieser zwar später als Lasombra des Sabbat enttarnt wird, dass er aber 1994 als Ventrue auftrat und nach den Erkenntnissen von Durier und Rafferty sich bei Wilhelm Waldburg auch als Lasombra (wenn auch der Camarilla) vorgestellt hatte.

Diese Konstellation im Kopf, ist es nicht damit getan, Voids Taten, die immer gegen Clan Brujah gerichtet waren, als Vorstöße des Sabbat abzutun. Vielmehr scheint sich mir hier die Situation darzustellen, dass Void in den Diensten von Waldburg stand – der ihn zwar für einen Lasombra antitribu gehalten haben mag, der sich aber das Stillschweigen über Voids wahre Clanzugehörigkeit mit Sicherheit durch ”Gefallen” hat bezahlen lassen – und zu diesen zählt meiner Meinung nach auch die Entführung Nathalies.

Die Brujah reagieren genauso kopflos und offen, wie die Ventrue es sich ausgerechnet haben, und laufen damit voll in die Falle: Die Brujah stürmen zusammen mit Ghulen und Verbündeten den Haven des Void und legen ihn in Schutt und Asche. Weder Void noch Nathalie werden gefunden – Void hatte voll mit dieser Reaktion der Brujah gerechnet.

Void bringt die Sache vor die Ahnen und beschuldigt den Sabbat (!) für die Übergriffe auf seinen Haven und auch die anderen Gewalttaten verantwortlich zu sein. Er, ein Priester des Sabbat, bringt die Theorie auf, dass der Sabbat der wahrhaft Schuldige an den Ereignissen der letzten Zeit ist – und liefert damit allen Parteien die ganz bequeme Lösung, Schuldige – oder Verdächtige – oder Unliebsame, denen man die Sache anhexen möchte – einfach als Sabbatianer zu ”enttarnen”.

Die Reaktion kommt schnell und hart. Die Gruppierung des ”Midnight Circle” wird kurzerhand zur Splittergruppe des Sabbat und zum Urheber der Vorfälle deklariert. Deren Anführer – Sergej Atan, Brujah – wird nicht nur als Sabbat-Anführer abgestempelt, sondern von den Tremere durch einen post mortem durchgeführten Bluttest darüber hinaus auch noch zum Baali deklariert. Einmal so ”enttarnt”, wird ”Smiling Satan”, wie er uns auch bekannt war, ein Rattenschwanz unaufgeklärter Morde aus den vergangenen 2 Jahren angehängt, die damit zum Wohlgefallen aller aufgeklärt werden – inklusive aller Toreador-Morde!

Unser Clanbruder Romero, mein Bruder, Kind von Vlad von Stolzenfels, wird als Brujah antitribu ”enttarnt”, gepfählt und zurück nach Mailand überstellt – in den Wirkungsbereich eines Ventrue-Prinzen, der ihn hasst und der seit Jahren begierig darauf ist, Rache zu nehmen.

Mein zweiter Bruder, Ivan Dmitri Fjedorov, wird ebenfalls blutgejagt und stirbt kurz nachdem ich Berlin Richtung USA verlasse im Frühjahr 1995. Von seinem Tod erfahre ich erst bei meiner Rückkehr 1999.

Seine Freunde Ishiro Yamamoto und Rat – beide Brujah – werden zusammen mit ihm gejagt, ihnen wird aber Begnadigung in Aussicht gestellt für den Fall, dass sie sich darauf berufen, von ihrem infernalischen Anführer und Brujah-Ahnen Ivan verführt worden zu sein, in der Annahme, damit dem Willen der Ahnen zu gehorchen.

Natürlich nehmen beide diese geheuchelte Begnadigung an und tragen damit ihren Teil zur Dämonisierung und Verunglimpfung der Brujah – und hier besonders der Familie von Stolzenfels – bei. Wen wundert es – beide stehen der Schwarzen Rose nahe; Rat wird später sogar in absentia von Diron und Alexej Anführer der Rose werden.

Ein besonders paradoxes Detail jener Massenverurteilung: Auch der Toreador Chance wird als Sabbatianer ”enttarnt”, stirbt aber ”bei der Festnahme”. Demzufolge hätte also der Sabbat sich selbst angegriffen, als er die Villa von Chance attackierte.

Das Stigma indes ist uns nun als Clan aufgedrückt: Wir Brujah sind Sabbatianer und Baali, die lediglich noch nicht enttarnt wurden. Wieviele, munkelt man, gehören noch zum Midnight Circle, von denen man noch nichts weiß?

Politisch sind wir so gut wie tot – lediglich Durier kann seinen Ruf erhalten, indem er die Blutjagd auf den Midnight Circle und die anderen ”Erkenntnissen” der Ahnen unterstützt. In der Folgezeit zieht sich Durier noch weiter zurück, wird für Monate von niemandem mehr gesehen.

Besonders fatal für uns: Mit der Schuldsprechung von 5 Brujah sind wir, Clan Brujah, offiziell diejenigen, die Schuld sind am Tod der Toreador, die in den vergangenen Monaten in Berlin ihr Leben ließen: Christian Rose, Jenny Martens, Genoveva von Waldeck, Akim Chalet, Rukh Al Chatreng Ibn Yomar und Michael M. Maiden.

Damit ist unsere Verbindung zu den Toreador zerstört. Selbst die Ahnen, die durch das Netz der Lüge blicken, können uns nur bedauernd mitteilen, dass nach diesen Ereignissen eine wie auch immer geartete Assoziierung mit Clan Brujah gesellschaftlich und politisch nicht zu verantworten ist.

Unsere letzte Hoffnung: Dass der noch immer respektierte Rafferty seinen Schmerz über das Verschwinden Nathalies verwinden wird und die Brujah auf dem gesellschaftlichen Parkett verteidigt, gemeinsam mit Vlad von Stolzenfels, der sich angesichts dieses Fiaskos nun offener in der Politik betätigen will.

Am 17. September 1994 löst sich auch diese glimmende Hoffnung in nichts auf. Vlad von Stolzenfels lädt in seinen Haven ein, um die respektable Seite der Brujah zu präsentieren. Ebenfalls anwesend: Rafferty.

Dann kommt Void hinzu, und in seiner Begleitung ist eine völlig veränderte Nathalie. Rafferty durchschaut sofort, dass Nathalie nicht mehr sie selbst ist – ob durch ein Double ersetzt, dominiert oder blutgebunden – es spielt keine Rolle. Er will ihr aus dem Weg gehen, ringt um Beherrschung – sie aber setzt ihm nach – und lockt ihn auf den Balkon der Villa.

Dort kommt es zur Konfrontation – und aus irgend einem Grund verliert Rafferty die Kontrolle, reißt unter Tränen Nathalie den Kopf von den Schultern und stürzt in den Empfangsraum, wo er sofort und ohne Vorwarnung von Void und anderen Gästen mit Automatikfeuer eingedeckt wird, ehe er in Starre zusammenbricht.

Vlad von Stolzenfels bleibt aufgrund der sich bietenden Situation – wieder griff ein Brujah einen ”Ventrue” an – nur eine Wahl und richtet Rafferty auf seinem Grund und Boden, indem er ihm den Kopf abtrennt. Zur Freude der vor Selbstzufriedenheit triefenden Ventrue, allen voran Void.

Sekunden später explodiert der Balkon, vernichtet alle Reste von Nathalies Leiche. Offiziell heißt es, es sei eine Granatenexplosion gewesen, aber wer wirft Granaten auf einen leeren Balkon? Meiner Ansicht nach war der Balkon mit Sprengstoff präpariert gewesen, und Nathalie hätte Rafferty so lange draußen festhalten sollen, bis die Explosion beide vernichtet.

Der Misserfolg dieses Planes spielt aber keine Rolle – wieder haben unsere Feinde bekommen was sie wollten, und wieder musste einer unserer Ahnen um die Rettung seines Ansehens und des Ansehens des Clanes willen gegen sein Blut handeln.

Und dies erzürnt und entzweit unseren Clan weiter, bis er aufhört zu existieren. Alleine und isoliert verschwinden viele von uns spurlos, darunter Rat, Scharong, Ganjar, Dante.

Clan Brujah ist tot. Und mit ihm jede Hoffnung auf den Thron.

Die Ventrue und Tremere haben gesiegt.

Vlad schickt mich fort, in die USA, um dort, unter den emigrierten Brujah solche zu suchen, die willens sind, nach Berlin zu kommen und den Clan neu zu beleben. 14 Tage nach dem Silvesterfest reise ich ab. Treffe mich am Flughafen Tegel im Geheimen mit meinem blutgejagten Bruder Ivan. Wir versprechen uns, es ihnen zu zeigen. Uns zum Millenniumswechsel in Berlin wiederzusehen.

Keinen Monat später ist er tot.

Das Triumvirat

Der Jahreswechsel 1994/1995 hält zwei gute Nachrichten für uns bereit: Zum einen kommen wenigstens einige wenige neue Brujah in die Stadt – darunter Vergil – zum anderen wird Void als Sabbatianer enttarnt und von der Schwarzen Rose zerstört.

Ich zitiere wieder aus der Hevellerchronik:

”Das neue Jahr 1995 bringt eine wahre Flut von Ansprachen der Elder. Wilde Gerüchte machen die Runde, daß noch in diesem Jahr eine Conclave über Wohl und Weh der Stadt entscheiden soll. Die Ventrue ihrerseits versuchen nunmehr um jeden Preis, Ruhe in die Stadt zu bringen. Andere Fraktionen versuchen dies zu sabotieren, allen voran die vermehrt aus westlichen Gebieten – auch den USA – angereisten Brujah, die bestrebt sind, alte Pfründe innerhalb der Stadt wieder unter ihre Kontrolle zu bekommen. Als Reaktion auf Terror der Brujah erlassen die Ventrue einen Stapel von “Blutgesetzen”, welche die Verfügbarkeit von Blut durch Einschränkung der Jagdrechte stark vermindern.”

Woher von Grael diese Informationen hat, weiß ich nicht. Unser Clan jedenfalls befindet sich im Frühjahr 1995 in keinerlei Position, etwas zu bewegen oder ”mit Terror” (natürlich) irgendwelche ”Pfründe” zu erobern.

Um Vergil bildet sich eine Gruppe von Brujah, die bestrebt sind, den Clan wieder aufleben zu lassen. Mein Erschaffer steht isoliert da, da unser Clan ihm die Hinrichtung von Rafferty anlastet und seinen Worten, dass ihm keine andere Wahl blieb, keinen Glauben schenkt. Die mir wohlbekannte Schwermut legt sich über Vlad von Stolzenfels, und sein Geist füllt sich mit düsteren Gedanken und einer zynischen Weise, die ihm schon immer ein schlechter Ratgeber war. Ich erhalte sporadisch Briefe von ihm – mit keinem Wort erwähnt er Ivans Tod – und lese es aus seinen Zeilen. Der alte Czekan kommt ihm wieder durch.

Im Frühjahr 1995 lädt einer der neu zugereisten Brujah – Gonzales – in seinen Haven ein. Das leider sehr passende Motto: ”Endzeit”. Von diesem Motto angezogen fühlten sich offenbar nicht nur diverse Kainiten, darunter vor allem Brujah, sondern auch ein Werwolf und ein Kainit namens Barracuda, der wohl den Tremere zuzurechnen ist. Natürlich kommt es zum Kampf mit dem Werwolf – ein ungewöhnlich mächtiges Exemplar, das erst gute 2 Jahre später von Christoph Durier persönlich bezwungen werden muss – was Gonzales neben der Einrichtung auch einen Arm kostet.

Prinz Wilhelm Waldburg entsendet Ghule zur Aufklärung des Herganges, die dann, als sie wegen der Vorfälle jenen Barracuda inhaftieren wollen, von diesem vernichtet werden. Im daraus entstehenden Kampf enthauptet Gonzales Barracuda, und dies wiederum scheint der Auslöser für einen Zauber zu sein, der auf Barracudas Leib liegt und in dessen entsetzlicher Folge umstehende Kainiten und Menschen noch Häuser weiter altern – ein ungeheurer Bruch der Masquerade, der noch für Monate die Kainiten beschäftigt und in den Folgemonaten zu mehreren Übergriffen durch Vampirjäger führt.

Der ob des Vorfalls anreisende Waldburg verurteilt im Schnellverfahren gleich eine ganze Gruppe von Brujah, denen er kollektiv die Schuld an den gesamten Vorgängen anlastet. Anknüpfend an die Vorfälle des letzten Herbstes sucht der Prinz Westberlins den Clan endgültig zum Schuldigen abzustempeln und ihn ein für allemal aus der Stadt zu treiben.

Vergil, Gonzales, Ratspike und die anderen sehen sich mit dem Rücken zur Wand: Und greifen an. Fordern den Prinzen auf, sich für diese Verleumdungen zu entschuldigen, gar das Blut der Brujah zu trinken, andernfalls sie Berlin in Schutt und Asche legen wollen.

Was Wasser auf die Mühlen unserer Feinde und der mittlerweile in Berlin operierenden Archonten des Karl Schreckt ist.

Im Mai erreicht mich ein Umschlag von meinem Erschaffer, der neben dunklen Worten und der Beschreibung des Geschehenen ein Bündel offener Briefe, Abschriften von Ansprachen, einige Tonbänder und dergleichen mehr enthält.

Hier ein Zitat aus Gonzales’ Rundschreiben ”Kindred, Brujah und Floristen”:

”Ich habe mich bis gestern <dem Tag der Fete> ohne weiteres der Camarilla verschrieben und folgte ihr, ohne zu fragen ‘ob’ und ‘warum’. Doch wenn ich mir Repräsentanten wie Prinz Wilhelm ansehen muss, dann bekomme ich doch arge Zweifel an unseren ‘führenden Köpfen’. Ich erlaube mir zu sagen, dass das Standgericht, welches in meinem Haven gehalten wurde, an Lächerlichkeit kaum noch zu überbieten ist. (…) An dieser Stelle kann ich mich nur dem Brief von Vortex <Anarche der Schwarzen Rose> anschließen: Irgendetwas läuft falsch bei uns. Entwaffnet uns ruhig, euch kann man eure Waffen ja eh nicht abnehmen – es sei denn, man schneidet die gespaltene Zunge aus dem Untier. Und, mein Prinz, always remember: ‘Respect is to be respected’.”

Erneut stellt sich mein Erschaffer Vlad von Stolzenfels nicht hinter seinen Clan, sondern distanziert sich von ihm:

”Ich möchte hiermit kundtun, dass ich die von meinem Clanbrüdern beabsichtigten Proteste und Forderungen in keinster Weise billige. Als Ahn des Clanes der Brujah verbiete ich hiermit allen loyalen Brujah der Camarilla, die Ordnung der Stadt durch unziemliche Proteste, Ultimaten, Initiierung von Aufruhr und Straßenschlachten oder in sonstiger Form zu gefährden. (…) Wir begingen Fehler, für die wir geradestehen müssen. Die Verurteilungen von Gonzales, Vergil und Ratspike waren gerechtfertigt.”

Keine drei Tage später entlarven die Ventrue Vergil als Urheber einer ganzen Serie von Einbrüchen und Juwelenraube, die – so die Ventrue – den Zweck hatten, die Finanzreserven der Ventrue anzugreifen.

Vergil wird blutgejagt.

Über dies hochmerkwürdige Standgericht – selbst für einen Waldburg ein merkwürdiger Zug – schreibt mir unser Ahn Christoph Durier:

“Lancer, der neben Homicide wahrscheinlich technikverrückteste Brujah, den ich je gesehen habe, erbrachte mittels verschiedener Methoden den  Beweis, dass die Bilder, die Vergil bei den Einbrüchen zeigen, offensichtliche Fälschungen waren.

Aber Waldburg hatte mehr Angst vor seinen dunklen Herren, denen er mit hündischer Ergebenheit dienen musste, als davor, sich vor den Augen aller Kinder Kains als Lügner zu entlarven.

Ich habe ihn mit diesen Beweisen konfrontiert und man stelle sich bitte vor: Wilhelm Waldburg, der sich stets als ehemaliger Streiter wider Breidenstein, als Verteidiger des Friedens und der Gerechtigkeit zu verkaufen trachtete,  dieser angebliche gütige und friedsame Herrscher schrie mir entgegen :

“ICH ALLEIN BESTIMME, WER IN MEINER DOMÄNE SCHULD AUF SICH GELADEN HAT! UND ICH VERNICHTE IN MEINER STADT WEN IMMER ICH WILL!.”"

Laut Durier stieß Waldburg im späteren Verlauf jenes Gespräches noch weit üblere Beleidigungen gegen Clan Brujah aus, so trunken war er von seiner Machtfülle und Herrlichkeit:

“Ich (Durier) möchte unterstreichen, dass dieser Dialog nicht unerheblich dazu beigetragen geführt hat, dass Clan Brujah hinfort die Herrschaft Waldburg über Berlin bis aufs Blut bekämpfte.”

Was an Brujah bleibt, schlägt sich auf Seiten der Anarchen – und erfüllen so die Lügen der Ventrue mit Wahrheit. Der Zorn ist groß, das zeigen auch einige ”Weisen”, die aus jenen Tagen überliefert sind:

Lehrsatz:

”Nach dem Trinken sollst Du lecken,
oder Dich ganz schnell verstecken.
Sagst Du zu diesem Lehrsatz ‘nein’
ist’s auch egal – merkt eh’ kein Schwein.”

Trinkspruch:

”Dieser Trunk hier sei geweiht
der hohen Ventrue Herrlichkeit,
die mit ihren Blutgesetzen
uns durch Berlins Straßen hetzen,
die mit ihren fiesen Blicken
dominieren, unterdrücken,
über die in ihrer Pracht
die ganze Welt von Herzen lacht,
die bekanntlich wie ein Rind
träge und verblödet sind,
die uns gar auf allen Wegen
zum eignen Schutz in Ketten legen,
zu denen alle Heuchler rennen,
sie mögen alle bald verbrennen.”

Lied (nach der Melodie von ”Heal the World”)

”Kill the Prince, make this a better place
for you and for me and the entire Kindred race”

Lied (nach ”These boots are made for walking”)

”These laws are made for breaking and that’s just what we’ll do
we brake these laws and then we brake the bones of the Ventrue”

Über Umwege, und teilweise erst um Jahre später, erfahre ich von der Vernichtung des Vierten Reiches, vom Tode Kotlars und Geigers. Ein weiterer Schlag gegen uns, und mir eine Bestätigung, dass es gut war, zu verschwinden – Berlin ist verloren, der Sieg der Ventrue nicht mehr aufzuhalten. Vielleicht könnte man in einigen Jahren einen neuen Anfang wagen – mit Unterstützung aus den Kolonien, oder auch aus anderen deutschen und europäischen Städten.

Krämer bemerkt zu Kotlars Tod: ”Die Vernichtung Kotlars scheint mir zwiespältig, nach meinem Kenntnisstand waren es immer die enormen politischen Differenzen zwischen Kotlar und den restlichen Brujah, die jedes geeinte Handeln unmöglich gemacht haben. Hörte seine Provokation ging so weit, daß er auf einem Rant mit einer Swastika am Arm erschien. Ich denke es ist besser dass er tot ist.”

Ich bemühe erneut die Hevellerchronik, die ich wo nötig kommentiere.

”Langsam beginnt Berlin sich zu wandeln. Unter der Herrschaft des Triumvirates <dem Bund von Prinz Stephan, Prinz Waldburg und Prinz Breidenstein> werden die Truppen der ‘Order’, einer Art Polizei aus Ghulen und Kainiten unter Führung von Albrecht von Magdeburg in Anzahl und Kompetenzen bestärkt. (…) Bei jedem Zusammentreffen stehen die Ghule der Order mit Scharfschützengewehren bereit, Masqueradebrüche um jeden Preis zu verhindern. Gekleidet in schwarze Uniformen, erinnern die Order-Ghule viele Kainiten an die Zeiten der SS – besonders, natürlich, die Anarchen der Rose, die sich gewalttätige Scharmützel mit den Ordnungshütern liefert, dabei aber nur selten Erfolge erzielen können.”

Hier übersieht laut Durier die Hevellerchronik einen wichtigen Punkt – und meines Erachtens ist dies erneut kein Zufall: “Nicht nur in den jüngeren Kainiten werden beim Anblick der Order-Ghule unangenehme Erinnerungen geweckt. Auch einigen Älteren kommt sehr bekannt vor, was dort geschieht. Mein Kind Frank Dragon und ich z.B. bemühen uns nach allen Kräften – sowohl politisch wie auch militärisch – gegen die Order vorzugehen.”

In diese Zeit müsste auch die Ankunft von Samantha X und ihrer Brut fallen. Ich lerne sie in L.A. kennen und kann sie für eine Umsiedelung nach Berlin gewinnen. Indem ich dies Vlad mitteile, erfahre ich nebenbei von ihm, dass nun auch Volker Metzger, einer der wenigen Brujah mit einem offiziellen Amt in der Stadt (Bezirksregent von Marzahn, unter Gustav), und auch Ratspike zerstört wurden.

”Im August zeigt sich die neue Führung Berlins. Bei einem Treffen im Schiller-Park, bei dem camarillaoppositionelle Kräfte Unruhe verbreiten, schlägt die geballte Macht der Order zu: Mit MGs bewaffnet stürmen Order-Ghule das Areal, das den ganzen Abend schon mit Infrarot-Kameras beobachtet worden war. Kainiten ohne bekannte Aufenthaltsgenehmigung werden ohne Diskussion gepfählt und zum Prinzen Waldburg, in dessen Domäne der Park liegt, geschafft, der in dieser einen Nacht ohne Verhandlungen 4 Blutjagden ausruft.”

Ihr dürft raten, auf Vertreter welchen Clanes.

”Nachdem ein Helikopter, der den Ventrue Gabriel Mies, Leiter der Order-West, sowie den Giovanni Nino an Bord hatte, im Dezember im Grunewaldsee zerschellt, rufen die Werwölfe zum Krieg. In dieser kritischen Phase, da das Kriegsheulen der Werwölfe über der Stadt hängt, tut Waldburg etwas, was ihm später (…) als schwerer Fehler vorgeworfen wird:”

Ach ja? Von wem denn bitte?

”Bei einer Anhörung betreffs der kritischen Lage reizt er durch Widerworte, durch Andeutungen und zuletzt durch den Ausspruch einer Einladung gegenüber dem Gangrel Dancer, auf den kurz zuvor seitens Gustav die Blutjagd ausgerufen wurde, seinen Sire so lange, bis dieser aus Protest den Saal verläßt. Woleslav-Stephan, der bis zuletzt den Fortbestand des Triumvirates erhalten will, verurteilt das Verhalten Waldburgs schwer. Auch er verläßt die Versammlung. Nur Wilhelm alleine mochte die Gründe für diesen Akt am Beginn eines Krieges verstehen. Er rief umgehend ein Übergangs-Primogen aus, noch ehe das Ende des Triumvirates offiziell bestätigt worden war – eine weitere Tat, die Stephans und Gustavs Groll erregte.

Ausgelöst durch die Entzweiung des Triumvirates sieht nun auch der Sabbat die Stunde seines Angriffs gekommen. Sabbatrudel rennen durch die Straßen und verbreiten Chaos und Zerstörung. Entsetzliche Riten werden abgehalten, angesehene Camarilla-Kainiten langsam zu Tode gefoltert. Nichole <Ventrue-Neonate>, Vertraute Waldburgs, wird an ihren Sessel genagelt aufgefunden, Vroenik <Toreador-Ahn> angebunden an Autos gevierteilt, nachdem er dem Tod seiner engsten Vertrauten und Künstlerfreunde beiwohnen mußte. (…)

Im Zentrum Berlins, am Gendarmenmarkt, wütet ein entsetzlicher Kampf verschiedener Fraktionen. Giovanni gegen Ost-Order, West-Order gegen Ost-Order, Schwarze Rose gegen Ost-Order, Schwarze Rose gegen Giovanni – und eine weitere Fraktion gegen die Giovanni, deren Zugehörigkeit nie geklärt werden konnte.”

Ich bitte das genau zu vermerken und sich gut einzuprägen, was im Schwarzen Krieg geschehen ist, was der Hintergrund all dieses Schlachtens und Sterbens ist:

Anfang der Neunziger fällt die Mauer. Es gibt auf den Berliner Thron 4 Anwärter:

  • Wilhelm Waldburg, Ventrue
  • Gustav Breidenstein, Ventrue
  • Lessing, Toreador
  • Durier, Brujah

Die Ventrue machen es zu ihrer höchsten Priorität, dass Berlin auf keinen Fall an einen anderen Clan fällt – soviel also zu jener Feindschaft zwischen Waldburg und seinem Erschaffer (HA!).

Zuerst trifft es die Toreador, die binnen des Jahres 1994 7 Mitglieder verlieren und ihre Pläne um Erwerb des Thrones sagen wir ”aus gesundheitlichen Gründen” aufgeben – Lessing reist ab.

Dann trifft es uns, mit doppelter Härte, und immer schwerer, je mehr wir uns festkrallen und uns nicht vertreiben lassen wollen.

Nachdem es den Ventrue gelungen ist, uns zu einer Bande marodierender unbedeutender Anarchen zu degradieren, nachdem sie nun also sicher sind, das gemeinsame Ziel erreicht zu haben, fallen sie wie Hyänen übereinander her.

Jetzt gilt es, welcher Ventrue Prinz des geeinten Berlin wird. Der Auftritt der Schwarzen Rose als willige Lakaien Wilhelms spielt da keine Rolle: Der Schwarze Krieg war ein Vernichtungskrieg unter den Ventrue-Familien (Ost-Order gegen West-Order…), ein Krieg, bei denen es den Ventrue scheißegal war, was mit dem Rest der Domäne geschieht, die entgegen all ihren Reden vom heroischen Kampf gegen den Sabbat nun, da es um ihren Machtgewinn ging, die Domäne und all ihre Bewohner – verbriefte BÜRGER – praktisch schutzlos dem Sabbat auslieferten, ihm zum Fraß vorwarfen.

Das ist die Wahrheit, und nichts anderes.

< Christoph Durier: “Allerdings. Und der Sabbat regierte die Straßen Berlins in dieser Zeit. Ich selbst verlor mein Kind Isa Beck, als wir gegen gleich drei Rudel des Sabbat stritten.” >

Bedenkt das wohl, wenn ihr das nächste Mal einen Ventrue, und besonders einen Breidensteiner von Recht und Ehre und Schild der Camarilla reden hört, und stellt ihn bloß als das, was er ist:

Ein blutgeiler Tyrann, der jeden, der ihm folgt, ohne einen weiteren Gedanken opfert, wenn es ihm einen Vorteil bringt.

”Am Ende der Nacht sind zahllose Personen tot. Verstorben auch Gustav Breidenstein, der von seinem Childe Kornfeld durch einen geheimen Tunnel in vermeintliche Sicherheit geführt wird. Nach ihrem Plan soll Kleist im Tunnel mit einem Pflock warten, um Gustav vor sich selbst zu schützen – doch Peter Kleist hintergeht seine Schwester und fetzt mit den geraubten Kräften eines Gangrel, den er diableriert hatte, dem einstigen Prinzen Deutschlands den Kopf von den Schultern.”

Das ist ja wohl die platteste Lüge, die ich je gehört habe. Natürlich hat Kornfeld den Mord mit geplant.

”Nach Kriegsende, nachdem sich die Ahnen aus ihren Schlupfwinkeln herauswagen, feiert Wilhelm Waldburg ‘seinen’ Sieg über Gustav Breidenstein. Das Triumvirat – auf Ostseite vertreten durch Katarina Kornfeld – tritt erneut zusammen, um seine Auflösung zu beschließen. Eine Wahl soll über das Wohl der Stadt erscheinen, eine ‘kleine’ Conclave statt einer von Justicar Karl Schrekt ausgerufenen großen, die nach diesem Krieg nicht mehr zu verhindern gewesen wäre. Die Wahl kann Wilhelm Waldburg klar mit 5 Clanstimmen gegen eine für Christoph Durier und null für das Paar Kleist-Kornfeld entscheiden. Die Nosferati, die sich während des Krieges im Streit um die Clanhaltung betreffs Baba Yaga beinahe gegenseitig ausgelöscht haben (Insider sprechen von mehr als 30 toten Nosaferati, darunter Humboldt), enthielten sich.”

Auch das vergesse man nicht: Tremere, Toreador, Gangrel, Malkavianer – sie ALLE wählten Wilhelm Waldburg, wieder einen Ventrue. Wir standen ganz alleine hinter Durier, durch den Ausgang der Wahl erneut im grellen Licht der Öffentlichkeit gedemütigt.

Als Augenzeuge weist Krämer auf die grundsätzlich damals andere Situation hin, die sich mit dem heutigen Berlin kaum vergleichen lässt: “Es galt der Leitsatz ‚Wählen wir das kleinere Übel!‘ Und das kleinere Übel war in diesem Falle Waldburg, Durier hätte doch alles verändert, hätte bestehende Strukturen sinnlos werden lassen. Das wollte kein anderer Clan riskieren.”

Durier war ebensowenig wie die meisten vom Ausgang der Wahl überrascht. Die Überraschung setzte erst hinterher ein, als Durier kopfschüttelnd erkannte, wie schnell diejenigen, die Waldburg auf den Thron gewählt hatten, über seine Herrschaft murrten – Dabei hatten sie doch selbst Schuld!

1996

”Die ersten 7 Monate des Jahres 1996 sind in Berlin eine Zeit der Regeneration. Schockiert ob der Ausmaße des Krieges versammeln sich die Kainiten in kleinen Gruppen und versuchen zu ergründen, wie es zu dieser Eskalation hatte kommen können. Verschiedene Ahnen wenden sich mahnend an die jüngeren Kainiten und warnen eindringlich vor der ständigen Gefahr durch externe Kräfte und verborgene Feinde, vor der nur die Einheit und das Engagement der Camarilla und eines jeden Mitgliedes Schutz bieten kann.”

Welch Hohn! Es waren doch die Ahnen der Camarilla, die den Schwarzen Krieg über Berlin brachten! Welch Falschheit in ihren verderbten Herzen!

”So hoch die Erwartungen an das neue System auch sind, so enttäuschend stellt sich die “neue Ära” unter Waldburg tatsächlich dar. In der Ära nach dem Schwarzen Krieg zerfällt das politische Geschehen der Stadt zusehends, bis allmählich ein Stadium totaler Handlungsunfähigkeit eintritt. Es darf als Segen erachtet werden, daß der Sabbat diese Schwäche in Berlin nicht auszunutzen wußte, da er anderenorts in Europa zu stark beschäftigt war.”

Bzw. da ihn niemand mehr für das Einschreiten in Berlin bezahlte.

Tatsächlich ist die Folgezeit des Schwarzen Krieges eine Zeit, in der die Ventrue ”aufräumen”. Was noch zu Gustav gehört, wird vertrieben, verschwindet oder wird getötet. Im Falle normaler Kainiten durch Blutjagd unter fingierten Anklagen, im Falle von Ventrue – wie Theodor Vermoldt – durch ”Duell”.

1997

Bemerkung: Zum 1. Januar 1997 ruft sich nach 40 Jahren wechselnder Herrschaften und Anarchenkriege Christian Hohensyburg zum Prinzen von Dortmund aus.

”Im März 1997 wird das Regierungssystem in Berlin reformiert. Waldburg und von Magdeburg bilden ein Diumvirat, dessen Regierungsgewalt fest auf dem vom Bürgerrat gewählten Primogen fußt. Unterstützt wird die neue Regierung von einer verminderten Anzahl handverlesener Bezirksregenten der neuen und größeren berliner Bezirke. Schon in dieser Ära ist der Stern Wilhelms deutlich am sinken – ob nun getroffen durch den Tod seiner Frau <Antoinette, Toreador-Ahn (kein Kommentar) >, wie es offiziell heißt, oder weil er spätestens beim Toreadorball in Zeilitzheim erkennen muß, daß er niemals an die Größe seines Sires heranreichen wird und die westdeutschen Prinzen sich nicht für ihn interessieren, wird niemals endgültig geklärt werden.

Die Harpyien wittern die Schwäche des Prinzen, und unverhohlene Forderungen werden laut: Die Toreador fordern den Distrikt Neu-Dorotheenstadt ein (zu dem auch Teile des Regierungsviertels gehören) und fordern einen Beweis dafür, daß die vielgepriesene Freundschaft des Prinzen zu den Toreador tatsächlich aus mehr besteht denn seiner Ehe zu Antoinette – und der Prinz gibt nach.

Die Gunst der Stunde witternd, tragen zum 1. Mai 1997 viele Fraktionen ihre Konflikte offen in der Stadt aus, und schon ist von einem neuen “Schwarzen Krieg” die Rede. Als Konsequenz der Streitigkeiten wird ein Einreiseverbot für Brujah <!!!!!!!!!!!> verhängt, und da auch die Gangrel öfter und öfter mit dem Prinzen Berlins aneinandergeraten, kündigt sich eine Clan-Allianz zwischen Brujah und Gangrel an.”

1997 muss es sein, da auch Vlad von Stolzenfels Berlin endgültig verlassen hat. Seine Briefe an mich bleiben schon seit einiger Zeit aus, aber laut Durier war Vlad auf jeden Fall noch bis Februar ’97 in der Stadt.

Auch ohne direkte Erkenntnisse und Quellen zu haben, wird durch das Vorspiel zu den laufenden Entwicklungen doch sehr deutlich, was Anfang 1997 in Berlin geschieht: Nachdem die Clane Wilhelm die Zeit gegeben haben, seine Sachen zu ordnen, fühlt man sich nun wieder stark, an Kriegsschulden zu erinnern. Wie schon nach dem Zweiten Weltkrieg wird auch bei seiner Wahl zum Prinzen Wilhelm viele Schulden gemacht haben – zu viele.

Im Ringen seiner Gläubiger um einen Vorteil in Berlin muss seine Regierung scheitern, und da er alle Ventrue seiner Familie verjagt oder vernichtet hat gibt es keinen Ventrue mehr, der hinter ihm steht – was ihn zur Allianz mit Magdeburg veranlasst.

”Wie schon so oft in der Vergangenheit begegnet Waldburg dem wachsenden Widerstand gegen seine Person mit einem Versuch, von sich auf andere abzulenken.”

Nicht unbedingt nur typisch für Wilhelm, hm, VENTRUE?

”Indes, Waldburg erkennt, daß seine Zeit abgelaufen ist. Bei einem Treffen im Schloß Charlottenburg ist von dem einstigen “Führer Westdeutschlands und Schmied der Stadt Berlin”, wie er sich hat gerne nennen lassen….”

Ich habe mit vielen gesprochen, und alle erklärten mir völlig übereinstimmend, von dieser Formulierung zum ersten Mal in der Hevellerchronik gehört zu haben. Wilhelm hat sich nie irgendetwas nennen lassen.

”…nicht mehr übrig als ein wimmernder, in Pathos schwelgender Mann, der mit seinem langjährigen Freund Alexej (zu dessen Freundschaft er sich nunmehr offen bekennt, obgleich dieses Geständnis gegenüber einem Ravnos und Anführer einer der einflußreichsten Autarkigruppen Europas sein politisches Aus bedeutet) in Erinnerungen ergeht. Zur Krönung des Affronts gegen die Camarilla gestattet er Alexej, das “Berliner Manifest der Anarchie” zu verteilen, und deutet an, daß er sich den Autarki anschließen möchte. Bei diesem Treffen ist nach langer Abwesenheit auch erstmals wieder der Vatermörder und Clanlose Peter Kleist anwesend, offensichtlich von Waldburg eingeladen.”

Erklären kann ich mir diesen Sinneswandel nur so, dass Waldburg eingesehen hat, dass er kein Prinz, sondern nur ein Sklave vieler Prinzen ist. Sein Entschluss sieht mir nach einer Tat der Verzweifelung, des Trotzes und der Unüberlegtheit aus, wer weiß, vielleicht gefördert durch Einflüsterungen der Malkavianer?

Auf jeden Fall macht mich doch sehr misstrauisch, dass so zufällig an jenem Abend nach langer Abwesenheit der Gustavtöter Kleist anwesend ist. Der dann ja auch Prinz wird.

Auch Krämer kehrt an jenem bedeutungsschweren Abend nach Berlin zurück:

”Wilhelm Waldburg begrüßte mich leicht beschwipst und sehr amüsiert an seinem Tisch und in der Domäne. Die Leute die dort bei ihm saßen wurden mir erst im Laufe des Abends und durch die Verteilung des Manifestos bekannt. Waldburg verläßt in dieser Nacht die Domäne und nimmt bald ein jähes Ende. Ich verbleibe hier, ein Brujah, der sich viel zu lange aus der Politik herausgehalten hat. Doch Berlin wird mich einiges lehren.”

Und Durier – ebenfalls an jenem Abend zugegen – kommentiert:

“Nicht nur der Vatermörder tauchte an diesem Abend wieder auf – auch Nino Giovanni. Eben dieser Nino Giovanni, der mit Wilhelm einige dunkle Geschäfte betrieben hat. Woher ich das weiß? Ich war auch zugegen, als Wilhelm einige Wochen zuvor Gericht hielt und Nino versuchte – während er verhört wurde! – einige private Worte mit Wilhelm zu wechseln, was dieser ihm verweigerte. (Was das einzige Mal war, daß ich gesehen habe, daß Wilhelm in der Lage war sich wenigstens einem seiner Herren zu widersetzen).”

Eben jener Nino Giovanni ist es im übrigen, der an Bord des Helikopters neben dem Ventrue (!) Gabriel Mies saß, der in den Grunewaldsee stürzte und so den Schwarzen Krieg auslöste. Derselbe Mortifero Nino Angelo Giovanni, dem man eine deutliche Verbindung zum Tod des Tremere-Justikars Karl Schreckt nachsagt, der trotzdem weiterlebt, um dann – für Kleist – den Prinzen zu Potsdam Albrecht von Magdeburg zu töten.

Ich habe zwar gehört, dass Nino bei jener Gelegenheit ebenfalls stirbt, habe da aber so meine Zweifel… Assassine sterben nicht so einfach – nicht, wenn sie aus dem Clan des Todes stammen…

Das Kleist-Reich

”Keine 14 Tage später verschwindet Waldburg zusammen mit dem von ihm blutgejagten Autarki Luther in Richtung Paris, unterdessen in Berlin hinter verschlossenen Türen und in aller Hast Peter Kleist als neuer Prinz (formell korrekt: Statthalter) eingeführt wird. In einem offenen Brief im Mai 1998 wird Albrecht von Magdeburg später zugeben, daß “der Clanentscheid” des Clanes Ventrue, dem Entehrten Kleist wieder die Clanrechte zu geben, tatsächlich nur von Sigmund Striebeck und seiner Person getroffen wurde, und dies alleine vor dem Hintergrund, die Regentschaft Berlins für den Clan Ventrue zu erhalten.”

SIE GEBEN ES JA SELBST ZU!

Sie gestehen offen, so sehr am Machterhalt ihres Clanes festzuhalten, dass sie dafür sogar einen Mörder an einem ihrer Ahnen, einen ausgestoßenen CAITIFF zurück in den Clan holen!

Statt endlich einzugestehen, dass sie des Regierens nicht fähig sind, dass sich gleich einem Fluch, der ihnen von ihrem ermordeten Vorfahren ins Blut gelegt wurde, jedes Regierungsamt in Asche verwandelt, statt endlich Berlin von ihrem verderbten Einfluss zu ERLÖSEN, halten sie weiter fest.

Und erneut wird sich die Geschichte wiederholen: Prinz gegen Prinz, Ventrue gegen Ventrue, und es werden wieder alle anderen sein, die leiden durch ihre närrischen Blutfehden, und es werden wieder BRUJAH und ANARCHEN sein, denen sie die Schuld für ihre Untaten zuschanzen werden!

”Die neue Regierung Kleist beeilt sich mittels mehrerer harter Manöver, jede Regung von Protest oder Opportunistentum seitens der anderen Würdenträger der Stadt im Keim zu ersticken und Waldburg in ganz Europa die Verbindungen zu entziehen: Waldburg wird – welch Ironie des Schicksals – von Peter Kleist, seinem einstigen Leibgardisten, aus dem Clan ausgestoßen und es wird sofort eine Blutjagd eröffnet, während sein Primogen und seine Bezirksregenten binnen einer Woche ihres Postens enthoben werden – und viele verlassen die Stadt.”

Verdammt, die Geschichte zu wiederholen. Wieder ein Ventrue durch einen anderen ersetzt. Verbindungen zerschlagen. Kainiten des Verrates beschuldigt.

Und weiter lassen sie sich führen zur Schlachtbank, mit huldvoll seligem Lächeln im Gesicht.

Denn es ist der Herrscherclan, der sie führt.

Auch uns.

Der Setitenkrieg

Ich werde den in der Hevellerchronik verbreiteten Schwachsinn vom Kampf zweier uralter Setiten-Ahnen in Berlin hier nicht wiedergeben, sondern sage stattdessen, dass ich all dies für eine erbärmliche Lügengeschichte halte, die sehr konvenient dazu dient, von der Unehrenhaftigkeit der Ventrue abzulenken und in bester Tradition die schlimmsten Untaten einer anderen Fraktion in die Schuhe zu schieben. Zweitens soll sie dazu dienen, den Kainiten Angst vor der Großen Weiten Welt da draußen zu machen und sie für die Camarilla bei der Stange zu halten. Drittens ist diese Lügengeschichte den Tremere ein vortrefflicher Anlass, ihre Funktion aufzuwerten, indem sie zeigen, wie böse Magie in den falschen Händen wirken kann, und wie froh wir sein müssen, dass die Tremere-Hexer in der Camarilla sind. Gawno!

1998 – Das neue Berlin entsteht

”Die politische Struktur der Camarilla liegt im Jänner 1998 in Trümmern in Berlin. Über Jahrhunderte gewachsene Clanstrukturen zerstört, wo Ahnen dem Setitenkrieg oder den Fängen der Autarki zum Opfer gefallen sind.”

Merkt ihr? Setiten, Anarchen – Crack, Haschisch – alles dasselbe: Brujah. Hauptsache etwas, was von der WAHRHEIT ablenkt und von den schmutzigen Intrigen der Zaren!

”Magdeburg trifft sich mit den anderen Ahnen – und wo es keine gibt, ersucht er die Clane, sich einen zu bestimmen, der für den Clan sprechen kann, und gemeinsam mit ihnen bespricht er die Berliner Verfassung auf der Basis der im Frühjahr 1997 bekanntgegebenen Berliner Verkündigung. Es soll ein von allen Clanen gemeinsam unterzeichnete Papier werden, auf dem ein allgemeingültiges Rechtsystem aufgebaut werden kann – und auf dem eine geeinte Camarilla gedeihen kann, die nicht nur für einige wenige, sondern alle ihre Anhänger spricht. Aber wie schon in der Ära Waldburg wird Magdeburg von der Interessenlosigkeit breiter Bevölkerungskreise überrascht.”

Um das Folgende etwas abzukürzen: Magdeburg buhlt um die Gunst der Clane mit dem Verfassungspapier, da er weiß, dass die verschiedenen Fraktionen gegeneinander ausgespielt werden müssen, ehe ein Ventrue als Retter den Thron wieder an sich bringen kann.

Kleist will nicht abdanken und gründet ein Schattenprimogen, in dem auch Marcel Krämer Mitglied ist:

”Das Schattenprimogen (ist) eine Gruppe von Ancilla, die Kleist blind ergeben sein sollen. Schon jetzt rechnet Kleist mit einem weiteren Konflikt mit Loki < Albrecht von Magdeburg >. Im Primogen saßen: Cassandra Valar, Toreador, anfangs alleine, später mit Noah als Begleiter, Claudia de Montclair, Tremere, Thilo Libbert, Nosferatu, William Adams, Gangrel Ahn, und ich.

In dieser Zeit nahm ich Kontakt zu Loki auf, bewusst die Situation ausnutzend, das die Ventrue uneinig waren. Ich versorgte Loki mit dem Wissen, welches Kleist vor ihm geheimhalten wollte. Aus dieser Situation heraus erarbeitete ich schon früh einen Notfallplan für das Primogen, welcher die Regierung der Domäne sichern sollte. Diese Papier stellte ich später einem völlig überforderten Primogen vor. Kern der Sache war, daß das Primogen als Rat die Stadt regieren sollten, zu diesem Zweck wurde die Stadt in 7 Regierungsbezirke aufgeteilt, für den je ein Clan die Kontrolle übernahm. Die Idee scheiterte am Testament des Lokis, welches mich glauben ließ, das ein einziges Mal ein Ventrue gerecht gehandelt hätte. Er gab Berlin in die Hände des Clans der am meisten für diese Stadt geblutet hatte. Clan Brujah hatte endlich gesiegt. Doch Uneinigkeit und Selbstüberschätzung machten alles kaputt.”

Als Folge des Zwistes zwischen den Prinzen sterben schließlich beide, Magdeburg und Kleist. Magdeburg erklärt testamentarisch Eriana zur Prinzessin von Potsdam und Marcel Krämer, Brujah, zum Prinzen über Berlin – pro tem, natürlich, bis die Verfassung etabliert ist.

Dies tut er nicht etwa, weil wir so stark sind, sondern im Gegenteil weil Clan Brujah weiterhin der Schwächste aller Clane ist, chancenlos, den Thron gewaltsam an sich zu bringen, und auf das Wohlwollen aller angewiesen. Im Prinzip ist diese Vererbung des Thrones ergo keine Belobigung, sondern ein übler Scherz, ein Spucken in unser Gesicht noch im Tode, was auch Krämer bald erkennen muss:

”Um die Situation von damals nachvollziehen zu können muß man einige Dinge erklären. Berlin war damals noch nicht angeschlossen an die norddeutschen Domänen. Tatsächlich behielt Berlin seinen Inselstatus bis fast 10 Jahre nach dem Ende der DDR bei.

Als ich Prinz dieser Domäne wurde, gab es nicht viele Brujah in Berlin, da waren Karl Friedrichs, Hans Krieger, Thomas McGregor und Katharina Stein-Hommelfhoff, später im Jahr kamen dann Marc und Andrzej dazu.

Doch das ist nicht die ganze Wahrheit, bis kurz vor meiner Ernennung waren wir zahlenmäßig der größte Clan in Berlin.

Doch Uneinigkeiten und Streitereien über Kleinigkeiten brachten uns zu Fall. Viele gingen und ich habe sie seit dem nicht mehr gesehen. Doch als ich Prinz wurde waren wir zu fünft. Ich war in einem Freudentaumel, erst wenige Monate zuvor hatte mich Magdeburg zum Ahnen erhoben und nun sollte ich für den Clan Brujah die Domäne beherrschen. Es war wundervoll.

Doch dieser Freudentaumel hielt nicht lange an, schon bald streckten die gierigen Patrizierclans ihre Finger nach der Macht. Ich hatte mir geschworen den Ventrue und Tremere keinen handbreit zu lassen. Ihre Zeit war vorbei.

Die Toreador, allen voran Noah und Gabrielle Monique de Saint Etienne unterstützen mich in dieser Hinsicht. Doch nicht hohe Ziele trieben sie, sondern Habgier, immer mehr Gefälligkeiten wollten sie sich sichern. Gibt man ihnen den kleinen Finger, dann nehmen sie die ganze Hand.  Der Bruch kam, als ich Gabrielle die Erschaffung eines Kindes verweigerte. Von diesem Moment an, setzten die Toreador alles daran mich politisch zu diffamieren.

Heute kann ich es ganz klar erkennen, ich war überfordert. Alleine zu regieren war zu viel für mich, sicher waren Karl und Hans für mich da, doch ihre ewigen Streiterein über die Vergangeheit machten sie nicht gerade zu den zuverlässigsten Partnern.

Ich hatte keinerlei Unterstützung aus Dortmund oder anderen Brujahdomänen, ich war auf mich gestellt und der Druck zerbrach mich. Ich wollte aus dieser Situation heraus, ich merkte wie es mich innerlich zerfraß, wie ich mich entfremdete, mir gegenüber und meinem Umfeld  gegenüber.

Ende 1998 machte ich dieser Farce ein Ende,  ich fingierte, mit Hilfe einiger Freunde, meinen Tod und übergab die Amtsgeschäfte an Krieger und Friedrichs. Doch selbst zu diesem Zeitpunkt als ich die Segel schon gestrichen hatte, zogen mich die politischen Verwirrungen zurück auf den Thron.

Das Ende kam, als die Ventrue-Ahnin und Prinzessin zu Potsdam Eriana de Buckowiz die Tradition der Domäne missachtend in meinen Haven einfiel, im Schlepptau 3 Ahnen und mehrere andere, bis auf die Zähne bewaffnete Ventrue. Sie forderte den Thron für sich, hätte ich mir in diesem Moment meiner Clanbrüder Friedrichs und Krieger sicher sein können, dann hätte ich sie der Domäne verwiesen.

Doch wir waren wie so oft uneins und so beugte ich das Knie, in der Hoffnung, das Verlorene jemals wiedergewinnen zu können.”

Marcel Krämer regiert vom Frühsommer 1998 bis zum Frühjahr 1999 als Interimsprinz über Berlin. Dann wird die Verfassung ausgerufen und der Toreador Ahn Noah zum Hohen Prinzen gewählt.

Wenig später kehre ich aus den USA zurück. Sehe Berlin unter der Verfassung. Erfahre vom Tode aller Brujah, die ich hier einst kannte. Sehe das Scheitern der Verfassung, den Seperationskrieg. Und dann die Herrschaft des Tremere im Westen und des Toreador im Osten.

Sehe, wie Noah eidbrüchig gegen seine Alliierten bei den Brujah wird und auf Marcel Krämer die Blutjagd eröffnet. Sehe Krämer in den Westen flüchten und sehe ihn den Clan erneut einen, ein Haus begründen, dass unter ihm zum Hohen Haus wird.

Und spüre im Wind, wie die Ventrue des Breidensteingeschlechtes ihre Kräfte in der Stadt sammeln, um sie erneut unter ihre Kontrolle zu bringen – in beiden Hälften.

Am 25. November 2000 stirbt Marcel Krämer.

Die Geschichte darf sich nicht wiederholen. Nicht noch einmal. Und nicht wieder auf unsere Kosten.

Unter allen Ventrue, verderbt und korrupt wie sie sind, ist das Geschlecht Breidenstein das Verderbteste. Wenn hier wieder ein Breidenstein herrscht, werden wieder Brujah brennen. Wird es wieder Einreiseverbote und Ghule in schwarzen Uniformen geben.

An uns wird es liegen, dies zu verhindern. Und den Tod unserer Brüder zu vergelten.

Dixi et salvavi animam meam

Andrzej.

Nachwort von Christoph Durier

Als sollten sich meine bitteren Worte zu Beginn dieses Werkes gleich einem Fluch bewahrheiten, verlor ich in diesen Tagen ein Kind meiner Linie: Marcel Krämer.

Ein feiger Sprengstoffanschlag löschte seine Existenz aus. Er wurde vernichtet, weil er der treueste Verteidiger der Domäne Preußisch Berlin und ein mächtiger Streiter wider die Unterdrückung war.

Er wurde vernichtet, weil er bei allem, was er getan haben mag, unseren Clan zu einen imstande war, und so anderen Fraktionen im Weg war.

Er wurde vernichtet, weil er den Mut hatte, sich seinen Gegnern zu stellen.

Auch wenn ich, gleich vielen anderen, kein Freund von Marcel war, so lag er mir schon deshalb am Herzen, da er ein Blutsbruder, ein Brujah, war.

Ich bin es leid, meine Kinder sterben zu sehen.

Ich hoffe, damit nicht allein zu stehen.

C.D.
Berlin, Dezember 2000

Nachwort von Marx Corvus

Wie man an meinen Kommentaren vielleicht bemerkt hat, bin ich nicht der stolzeste Vertreter unseres Clans, geschweige denn ein Patriot.

Vieles von dem was auf diesen Seiten niedergeschrieben wurde halte ich für unsägliche Propaganda. Wir rühmen uns hier Taten, die wir im Namen des Clans begangen haben und schmähen die gleichen Taten der anderen Clans im selben Atemzug.

Ich selber habe keine rühmliche Vergangenheit. Ich selber habe mehr Blut an den Händen als ich in einem Unleben herunterwaschen könnte. Auch geht mit mir beizeiten unser heißes Blut durch und ich begehe von neuen Taten, auf die ich nicht stolz sein kann.

Doch ich bereue wenigstens.

In diesem Schriftstück aber finde ich keine Reue, keine Entschuldigung bei all den unschuldigen Toten die unsere Feldzüge hinterlassen haben.

Doch ich werde dieses nun nachholen. Auch wenn das Geschehene nicht mehr gutzumachen ist und mein Gewissen dadurch nicht beruhigt ist, werde ich es dennoch tun:

Ich entschuldige mich hiermit für den Clan Brujah für all die Greuel die der Kainitenschaft und der Menschheit in unserem Namen angetan worden sind und besonders entschuldige ich mich bei denen, die unter meinen Taten zu leiden hatten.

Marx Corvus, Neonate des Clans Brujah
Hoya, 5. Februar 2001

Abschiedswort an Marcel Krämer

von Andrzej Ivanovak

Ich würde gerne etwas über Marcel Krämer sagen, was ich an ihm gemocht habe.

Aber das kann ich nicht, denn die Heuchelei liegt mir nicht.

Ich würde gerne sagen, dass er ein streitbarer Kainit war, der aber in seinem Wesen immer aufrecht und ehrlich war. Aber das wäre eine Lüge.

Ich würde gerne sagen, dass er unseren Clan inspirierte. Ihn einte. Ihn stärkte. Aber auch das wäre gelogen.

Ich erinnere mich an Marcel Krämer als einen rücksichtslosen Egoisten, der über jede Leiche zu gehen bereit war, wenn es ihm förderlich schien.

Ich erinnere mich an ihn als einen, der seine Reden von der Einheit des Clanes Brujah immer dann schwang, wenn er gerade schwach dastand und ihm seine Feinde zusetzten, und sich ansonsten mit einem Kreis wechselnder Vertrauter umgab, mit denen er seinen Privatclan aufzog.

Ich habe Marcel Krämer nie gemocht. Und manches Mal gehasst.

Das einzige Mal, dass ich und er ein Gefühl der Gemeinsamkeit entwickelten, war im Frühherbst 1999, unmittelbar vor Ausbruch des Separationskrieges, in jenem Musik Cafe 55 im Wedding, als plötzlich Noah samt seinem ganzen Gefolge einritt und uns beide der Sabbatschaft anklagte.

Marcel Krämer sah darin völlig zu Recht ein rein politisches Manöver – alleine schon, dass vom kleinsten Toreador-Wichtel bis zur Elite der anderen Clane wahrhaft alles versammelt war, als er, Noah, den Ex-Prinzen Krämer so vorführte, war ein deutliches Zeichen für die wahrhaftige Motivation.

Umso erstaunter war ich, als ich hörte, dass Marcel Krämer auf Seiten Noahs in den Krieg ritt.

Dies hat Marcel Krämer stets ausgezeichnet: Eine Situation richtig einzuschätzen, um dann mit aller Konsequenz das Falsche zu tun.

Wie damals, als er die Verfassung unterstützte. Wie damals, als er – ebenfalls mit einer Explosion – seinen Tod fingierte. Wie damals, als er – am Hofe Hohensyburgs – so offensichtlich in die Falle seiner Feinde tappte.

Marcel, ich habe in Deinen Handlungen niemals etwas erkennen können.

Sie waren nicht destruktiv genug, um wirklich etwas zu vernichten und so Platz für Neues zu schaffen, und nicht konstruktiv genug, um etwas aufzubauen oder wenigstens zu verändern.

Sie waren nicht geradlinig genug, um zur Utopie zu reifen, und nicht chaotisch genug, um Deine Feinde zu verwirren.

Berechenbarkeit – so unsinnig dies klingen mag – machte jeden Deiner Schritte aus. Und so wurdest Du zu Fall gebracht.

Und dies ist es, was uns dieser Dein Tod – so es denn einer war, und Gnade Dir Troile, wenn auch dies wieder nur ein Witz von Dir ist – lehren muss:

Wie sehr sich jeder von uns im Netz der Lügen und den Manipulationen der anderen verlieren kann.

Ich habe nicht vergessen, wie ich Dich zum ersten Mal sah, viel weniger aber, wie Du mir beschrieben wurdest, als Du in Berlin ankamst.

Unter der Aussicht auf Macht bist Du manchen schmutzigen Deal eingegangen, bis Du erkennen musstest, dass die Vertragsbedingungen immer nur für die eine Seite gelten.

Du hast in einem Spiel mitgemischt, aus dem Du hättest schon 1998 aussteigen sollen.

Aufrecht und ehrlich warst Du nur in Deinem Zorn. Nur im Kampf. Und dort wäre auch immer Dein Platz gewesen.

Du hingegen bist eingegangen auf das Ränkespiel der Elysien, sicherlich in gutem Glauben oder im Selbstbetrug, es nur für den Clan zu tun, aber all Deine hehren Pläne sind ins Gegenteil verkehrt worden.

Du hast durch Deine Unterstützung der Verfassung dafür gesorgt, dass das Thema demokratisch geführter Domänen vom Tisch ist. Du bist durch Deine Herrschaft als Prinz jedem ein geeignetes Beispiel, warum Brujah unfähig sind zu herrschen.

Du hast durch Deinen fingierten Tod den Argumenten unserer Feinde Vorschub geleistet, dass Clan Brujah zu unernst und wankelmütig ist, um ernsthaft zu herrschen, und an Deiner Blutjagd gedieh noch die Stärke und Herrlichkeit Noahs.

Du bist benutzt worden.

Von Loki. Von Arkadan. Von Eriana. Von Gabrielle. Von Noah. Von Hiob. Von Rabenstein.

Von den Ventrue.  Den Toreador. Den Malkavianern. Den Tremere.

Eine ungleiche Partie, die Du niemals gewinnen konntest. Und als Du es erkanntest, Dich zu widersinnigen Schritten trieb, zu verzweifelten Versuchen, dem Netz zu entkommen.

Es fällt mir schwer, meinen Urteilen über Marcel Krämer nun widersprechen zu müssen, aber ich erachte es als nicht unmöglich, sondern sogar recht wahrscheinlich, dass er im Herzen ein aufrechter Kainit und ehrbarer Clanbruder war.

Der am Spiel der anderen scheiterte.

Vielleicht.

Vielleicht hat er, indem er vieles auf sich zog, vom Rest des Clanes mehr Schaden abgehalten, als wir je wissen können.

Wir können Deinen Tod nur hinnehmen.  Aus ihm lernen. Für die Zukunft.

Und uns vor denen hüten, in deren Netz Du geraten bist.

Und ihnen zurückgeben, was sie Dir – und uns – angetan haben.

Antun.

Und morgen antun werden.

Leb wohl.

Andrzej

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