Schaumburger Anarchenpapiere

DIE

SCHAUMBURGER

PAPIERE

VON ALEXEJ, ANFUEHRER DER ANARCHEN DER SCHWARZE ROSE (1999)

PAZ A LOS HOMMES – GUERRA A LAS INSTITUTIONES

Merkt auf – ein Manifest der Freiheit. Freiheit fuer alle, die mit ihren eigenen Ohren hoeren wollen statt mit jenen, die ihnen gegeben wurden von anderen.

So beginnt das “Manifest der Anarchie”, das der Autarki Salvador Garcia 1993 verfasste und das seither die Flamme der Revolution in viele Staedte Europas trug. Dies ist umso bemerkenswerter, da in dem Manifest kaum mehr gesagt wird als: “Hey ! Die Prinzen versuchen Dich mit Luegen, Zuckerbrot und Peitsche klein zu halten, also tu Dir selbst den Gefallen und sage: SCHLUSS DAMIT!”

So banal uns Autarki diese Erkenntnis sein mag, so unerhoert ist sie fuer jene unter dem Joch der Camarilla. Der Justikar der Nosferati hat alles daran gesetzt, das “Manifest der Anarchie” zu vernichten – noch heute gilt alleine der Besitz des Manifestes als Bruch der Zweiten Tradition der Camarilla, und jeder, der es gelesen hat, ist vor seinen Prinz zu Gericht zu bringen – auf Weisung von 2 Justikaren. Solltest Du eine Kopie des Manifestes erhalten wollen, sag’ einem von uns Bescheid.

Ich bin Alexej, und mein Alter und mein Clan sind irrelevant fuer dieses Manifest. Anders als Garcia musste ich das Land, in dem mein Kampf um die Freiheit begann, nicht verlassen. Anders als er kann ich Dir nicht nur Gruesse aus der Ferne schicken, sondern Dir helfen, wenn Du Deine Ketten abschuetteln willst – und das musst Du nun, denn Du hast dieses Manifest in Haenden gehalten und bist bereits verdammt – oder gesegnet.

Denn Du bist dabei zu erfahren, was es heisst, FREI zu sein – und dieses Verbrechen kann Dir kein Prinz und kein Justikar verzeihen.

In allen Pamphleten, die von irgendeiner Gruppe Autarki in der Welt verteilt werden, steht im Zentrum die gleiche Idee:

WIR ALLE haben unser eigenes Recht, zu denken, zu tun und zu lassen, was wir wollen. WIR ALLE sind nicht verflucht durch das, was wir sind, sondern lebendiger denn je zuvor, mit dem Potential, tiefgreifende Veraenderungen fuer diese Welt zu bewirken – zum Besseren und zum Schlimmeren.

Der Grund fuer die Camarilla, uns diese Rechte abzustreiten, sind mannigfaltig, und was nicht blanke Luege ist, ist “zurechtgebogene” Wahrheit, oder reine Ignoranz:

 

DIE GEFAHR ALS VORWAND FUER ALLES

Die Camarilla im Grossen und jede Domaene im Kleinen hat als Argument dagegen, sich mit den Ideen der Juengeren und ihrem Anspruch auf Freiheit zu beschaeftigen, stets mit dem Argument der GEFAHR reagiert, denn ANGST ist das Herz dieser Sekte:

ANGST vor der Inquisition mag berechtigt sein, aber sie ist keine Ausrede fuer eine mehr oder weniger versteckte Form der Sklaverei, wie die Camarilla sie praktiziert, wie der “aeussere Feind” niemals als Ausrede verwendet werden darf, die “innere Sicherheit” mit suessen Worten der “derzeitigen Notwendigkeit” oder harschen Peitschenschlaegen des “gehorcht, oder wir alle sterben” in Sklaverei zu wandeln.

Clan Ravnos hat nie des Schutzes eines Tyrannen bedurft, um sich der Menschen zu erwehren, und alle dieses Clanes oder eines anderen unabhaengigen Clanes, die Nacht fuer Nacht vorleben, dass es auch ohne Camarilla geht, haben in der Zeit der Inquisition nur fuer diejenigen Suenden bezahlt, die durch diejenigen Clane verursacht wurden, die heute die Camarilla anfuehren oder frueher vom Sabbat, den ersten Anarchen,  ausgetilgt wurden.

Sind also eben nicht gerade jene Ahnen der Camarilla, die auch die Welt der Sterblichen in einem eisigen Klammergriff halten und Nacht um Nacht die Fundamente ihrer verstaubten, monarchistischen Macht festigen, genau diejenigen, die die Menschen erst gegen die Kindred – ihre Unterdruecker – in den Krieg ziehen lassen? Ist nicht die Camarilla ebenso wie ihr ANGEBLICHES Gegenstueck der Sabbat der wahre GRUND fuer die Existenz der Inquisition ?

Natuerlich – denn die Camarilla BRAUCHT die Inquisition, denn durch sie alleine legitimiert sich dieses ganze System. Wo immer Macht und Grausamkeit der Tyrannen anzutreffen ist, erheben sich mutige Seelen im Kampf gegen sie – seien es Menschen oder Kindred. Und Du, der Du weisst – oder wissen solltest – welchen Einfluss die Ahnen auf den Lauf der Geschichte hatten und haben, wieviel Menschenblut fuer sie vergossen wurde – DU glaubst noch, als Mitglied der CAMARILLA “neutral” sein zu koennen – als Zahnrad in jener Maschinerie geistloser Kontrolle ?

Ich verstehe nicht, wie Du Deine Existenz zu Fuessen der Prinzen ertraegst. Du bist doch – anders als ich – ein Kind der Demokratie. Du hast Deine Fuehrer immer selbst waehlen koennen. Du hast unter Gesetzen gelebt, die fuer alle gleich waren, und hast Du sie gebrochen, hattest Du Recht, gehoert und verteidigt zu werden.

Sicher, Du hast auch gezweifelt: Wie kann da Recht sein, wenn die Reichen immer reicher und die Armen immer aermer werden? Was macht es fuer einen Unterschied, wen man waehlt, wenn das Ergebnis das Gleiche ist? Ist nicht jeder Politiker nur am Erhalt der eigenen Macht gelegen? Ist Demokratie nicht letztlich heute nur noch eine leere Huelle, in alles herrscht ausser Gerechtigkeit? Ist also unsere heutige Demokratie und die Luege der Gleichheit vor dem Gesetz nicht ein guter Grund, den Ahnen zu glauben, dass die Monarchie das bessere System darstellt, weil die Demokratie ja offenkundig nicht funktioniert?

WACHE AUF UND ERKENNE DIE LUEGE! Du weisst doch nun, da Du Kainit bist, von den Kainiten und ihren Machenschaften. Du WEISST, dass all jene Faeulnis, das Unrecht und die Korruption in der Demokratie wieder auf die Untaten der Ahnen zurueckzufuehren sind. Dass die Demokratie dem Machterhalt der Ahnen geopfert wurde, dass alles, was schlecht Dir schien als Jugendlicher, seine Ursache im Wirken der Camarilla hat.

Die Ahnen koennen die Fuehrer der Demokreatie beugen und brechen, bestechen und knechten, aber das Fundament der Demokratie koennen sie nicht zerstoeren, nur verspotten und zu einem leeren Wort machen: Die Gleichheit der Rechte aller Menschen. Warum laesst Du Dir diese Deine Rechte jetzt wegnehmen – nur weil die Alten sich nicht aendern wollen? Nur weil sie so arm und geistlos und in ihrer Zeit gefangen sind, dass sie keine neuen Dinge sehen, keine neuen Ideen denken koennen?

Wir koennen neue Dinge denken, und wir koennen die Alten lehren, wieder jung zu sein – so wie ich es wieder lernte. Jene aber, die diese Wahrheit, dass dies nicht ihre Welt alleine ist, sehen wollen, muessen wir vernichten. Und ohne Reue koennen wir es tun, denn blicken wir in ihre Augen, die kaum mehr den Willen aufbringen koennen, sich am Abend zu oeffnen, so erkennen wir, dass sie wahrhaftig verflucht sind – verflucht und bereits tot.

MEINE GESCHICHTE

Ich will Dir meine eigene Geschichte erzaehlen, ebenso wie Garcia die seine erzaehlt hat, um Dir zu erklaeren, warum ich dies schreibe, warum auch ich dem suessen Traum des Waldburg anheim fiel und warum ich den Kampf gegen die Camarilla UND den Sabbat wieder aufnahm, obgleich mir schon ein Sitz im Rat der Erstgeborenen zu Berlin offenstand.

Ich will beginnen mit einem Resumee der Anarchie in Berlin, lange bevor ich aus meinem Schlaf erwachte und mein Leben, meine Jugend wiedererlangte. Das meiste hiervon habe ich von Danielle erfahren, und ihrem Wort vertraue ich mehr als jedem in Gold gebundenen Buch auf einem Regal der Ventrue oder Tremere. Was ueber die fruehen Anarchen im Raum Berlin, die “Lanzen des Loki” und “El Diabolo” erzaehlt wird, werde ich euch nicht berichten, da ich nur Geruechte und unzuverlaessige Quellen ueber jene Zeit besitze.

Danielle kam Mitte des 19. Jahrhunderts nach Berlin, zu einer Zeit also, als die Stadt im festen Wuergegriff des Daemons Breidenstein war. Zu jenen Tagen hatten jene kleinen Rudel von Anarchen noch keine Titel, keine Abzeichen, obgleich der erste Autarki bereits in der ersten Nacht des Gesetzemachens, in der Nacht der Entstehung der Camarilla, lebte, aufbegehrte – und starb. Trotz Garantie des freien Abzuges hingemetzelt von der Brut eines Ventrue.

Die erste Flamme der Revolution brach durch die Brujah nach Deutschland ein, die in der durch Karl Marx’ “Kapital” (1867) inspirierten Auflehnung der Arbeiter eine goldene Chance sahen, den eisernen Griff der Ventrue auf Europa zu brechen und an die gluecklichen Tage von Karthago anzuknuepfen, als die Menschen uns noch nicht fuerchten mussten.

Danielle, eine Gangrel und Kind der Franzoesischen Revolution schloss sich einer Gruppierung an, die von einem Brujah namens Justin angefuehrt wurde. Wuerde er heute noch leben, waere er mindestens ein Ancilla – aber zu jenen Tagen war er vermutlich juenger, als Du es jetzt bist.

Breidensteins Selbstgefaelligkeit gereichte jenen Anarchen der ersten Stunde oft zum Vorteil, etwa indem Gustav in seiner ueberheblichkeit Bismarck absetzen liess und – wie immer – die Faehigkeit der Menschen, neue Ideen zu denken, unterschaetzte. Im Zuge der darauf folgenden politischen Veraenderungen erreichten die Anarchen zusammen mit – und fuer – ihre sterblichen Verbuendeten die Aufhebung der Sozialistengesetze, die die darauffolgenden Wahlsiege der Sozialdemokraten erst ermoeglichten.

Mich stimmten Danielles Erzaehlungen ueber die Taten Wilhelm Waldburgs zu jenen Tagen immer sehr seltsam, da ich ihn mir nicht in der Rolle des gestrengen Fuehrers der Gustavschen Geheimpolizei vorzustellen vermag, alleine ich habe keinen Grund, an Danielles Wort zu zweifeln:

Die “Order” war seit ewigen Zeiten Gustavs Arm der Kontrolle auf die Sterblichen der Stadt, und ihr Fuehrer war seit nahe ebensolanger Zeit Wilhelm Waldburg. Als die Autarki sich vorsichtig in der Stadt breitmachten und mit verschiedenen Gruppierungen des sterblichen Untergrundes Kontakt aufnahmen, stuermten des oefteren Order-Truppen unter Waldburgs Befehl die Verstecke der anarchistischen Verbuendeten. Erst Jahre spaeter entlarvte Danielle einen Brujah aus ihrer Gruppe als Verraeter, und es gelang der Gruppe, diesem Schakal noch zwei Jahre lang gezielt falsche Informationen zuzuschanzen – bis er den Plan durchschaute und mit dem groessten Teil der Order und Wilhelm Waldburg persoenlich das Versteck der Autarki stuermten.

Alle Autarki wurden vernichtet – alle, ausser Danielle und einem weiteren, dessen Namen ich hier nicht nennen werde. Das war zu Halloween 1897, und es war die schwaerzeste Nacht fuer die Autarki der Stadt. In den folgenden Jahren bemuehte sich Danielle alleine, aus den zureisenden Kindred und den Neonaten der Stadt einen neuen Widerstand zu formieren – angesichts der ungezaehmten Angst vor Gustav und der Bevoelkerungsstruktur der Stadt ein nahezu unmoegliches Unterfangen (es waren eigentlich nur Ventrue in Berlin erwuenscht, und von diesen waren die meisten selbst Childae des Breidenstein).

Enttaeuscht verliess sie Berlin, um ihre Geburtsheimat Frankreich vor Gustavs Truppen im Ersten Weltkrieg zu verteidigen. Nach Kriegsende kehrte sie mit vier ihrer (neuen) Childae nach Berlin zurueck, um das uebel – Breidenstein und seine Brut – an der Wurzel abzuschlagen. In Berlin fand sie eine kleine Gruppe Autarki vor – allesamt Brujah – , die aehnliche Ziele verfolgten, und erfreut schloss sie sich an.

Heute mag man sich kaum Danielle im beruechtigten Vampirclub “LeSang” vorstellen, aber zu jenen Tagen war es der Ort der Stadt, wo sich alle Kainiten – egal wie alt und von welchem Clan und welcher Sektenzugehoerigkeit – treffen konnten. Alle Kindred waren fuer einige wenige Jahre vereint in ihrer Angst vor dem Ende, dass alle zu jenen Tagen kommen sahen (teilweise gestuetzt auf exakte Berechnungen der Tremere – HA!). Jene ANGST vor dem Ende war in ganz Europa den Ahnen Grund genug, haerter als je zuvor gegen jene beginnende Bewegung, die Autarki, und besonders gegen die wachsende Zahl von Clanlosen vorzugehen, und ueberall in Europa starben junge Kindred wie Du in den entstehende Machtkaempfen der Camarilla – auch wenn sie selbst keine Autarki waren, denn die Hinrichtung eines Kainiten, der zuviel weiss oder einfach im Weg ist geschieht in der Camarilla immer unter der Anklage der Sabbatzugehoerigkeit oder des Autarkentums, notfalls auch unter fingierten Bluttests (an deren Wirksamkeit ich ohnehin nicht glaube), die den Schuldigen als Baali oder Tzimisce entlarven. Besonders die Tremere waren es, die in all jenen Staedten Europas auftauchten und mit Rat und Tat zur Seite standen, wenn es Bluttests zu machen oder dunkle Zeichen zu deuten gab (klingt vertraut, oder ?). Ihre finstere Agenda sollte aber erst einige Jahre spaeter offenbar werden.

Ueber jene Jahre zwischen den Kriegen erzaehlt Danielle, dass unter den Brujah tiefgreifende Veraenderungen stattfanden, die sie bis heute mit einem tiefen Groll gegen die Ahnen dieses Clans erfuellt: Nachdem einzelne Gruppen junger Brujah ueberall in Europa, vor allem aber im Osten, erste Erfolge erzielt hatten und die Freudenschreie der Revolution in die Nachthimmel stiessen, schlichen sich die Ahnen in jene Gemeinden und uebernahmen die Kontrolle. Zunaechst beriefen sie sich darauf, Mitglied des Clanes Brujah zu sein, und freudig wurden sie von den Autarki der Brujah willkommen geheissen. Es gibt Berichte, wonach manche in jenen Tagen das Ziel der Freiheit in greifbarer Naehe sahen, konnten sie doch ihre eigenen Clan-Ahnen davon ueberzeugen, dass anderes, NEUES, moeglich war.

Die Ahnen der Brujah waren in der Tat hilfreich dabei, die Macht der Revolutionaere zu festigen, vor allem innerhalb der politischen Apparate. Schnell feierten sie die Revolution als “Revolution der Brujah” – ein Umstand, der viele feste Buende von Autarki, geschweisst aus Kainiten VIELER Clane, auseinandertrieb.

Die kommunistische Revolution wurde von AUTARKI erstritten, AUTARKI aller Clane – von denen die meisten jedoch aus den Reihen der Brujah kamen. Jedoch indem auch die juengeren Brujah die Revolution als eine Errungenschaft IHRES Clanes abtaten und die Leistungen und OPFER der anderen als nichtig abtaten, erstarb jene Revolution.

Der Rest ist bekannt – wenige Jahre spaeter waren es wieder die Ahnen, die die Faeden in der Hand hielten, waehrend die juengeren Brujah entweder treue Knechte der Camarilla wurden oder in den “Kriegswirren” verloren gingen (bzw. als Sabbatianer oder Infernalisten ueberfuehrt wurden).

DER SCHWARZE WIND

In Berlin indes tobte ein Krieg in den Strassen. Waehrend die Brujah mit ihren claninternen Zwistigkeiten das linke Lager zerspalteten (u.v.a. in Kommunisten, Spartakisten, Anarchisten, Sozialisten und Sozialdemokraten), umkaempften Breidenstein und Waldburg sich durch die Menschen des mittleren bis rechten Spektrums (die natuerlich AUSSERDEM auch gemeinsam gegen die Linken kaempften – Sterbliche und Kindred aus ganz verschiedenen und doch so aehnlichen Gruenden).

Ich habe auch mit Lord Nikolai Schrottkoff, dem leider verstorbenen Ahnen der Nosferati, der mir ein guter Freund war, ueber jene Jahre gesprochen, und dies ist es, was er mir sagte: “Als ich zum ersten Mal das blutgetraenkte Pflaster der Stadt betrat, zu der mich meine Traeume und Visionen gefuehrt hatten, da spuerte ich zum ersten Male Kaelte einer solchen Art, dass selbst dem Edelsten das Herz daran verdorren muss. ueberall in den Strassen fand ich die Spuren der Gewalt und des Hasses, sah Wahlplakate mit Aufschriften wie: ‘SCHLAGT IHRE FueHRER TOT – TOETET LIEBKNECHT’, Symbole des Hasses, Bildnisse der Angst. Ich schwang mich hoch auf die Spitze der Gedaechtniskirche, um Luft in dieser Schwaerze ringend, und wurde empfangen von einem Sturm der Schwaerze, der meine Seele zu zerreissen drohte. Die Strassen unter mir waren voller Menschen. Sie groehlten. Sie fluchten. Fackeln wurden geschwenkt und Plakate. Bald hier, bald da vereinten sich die Rufe zu Choeren, bis es aus tausend Kehlen zu mir heraufschwoll in einem Zerrbild von Freude und Hass gleichermassen: ‘Auch der Rathenau, der Walther, erreicht kein hohes Alter – Schlagt tot den Walther Rathenau, die gottverdammte Judensau’. Ich starrte voller Unglaube in die Leiberwogen unter mir, die tosende schwarze See, und ich sah in das Antlitz des Schwarzen Windes, der sich in der Stadt zusammenbraut seit jenen Tagen. Ich weiss nicht, wann er losbrechen wird, aber ich glaube, er begann in jenen Tagen. Begann zwischen Menschen ohne Licht in sich - denn wer mag sagen, ob Dunkelheit selbst Substanz hat, oder nur die Abwesenheit von etwas ist - begann in den heulenden Echos, die oft ueber der Stadt hingen, begann auch mit jenen Fragmenten, die im Laufe der Jahrhunderte in der Stadt zusammengetragen wurden: Luebars, Laudrance, des Teufels Buch und viele andere. Wie lange noch, ehe die Saat aufgeht, die Teile zu sich finden ? Ich weiss es nicht.”

Ich habe in den vergangenen Naechten oft ueber dies (und anderes, was er mir sagte) nachgedacht, und ich glaube auch, dass der Schwarze Wind zu jenen Tagen seinen Anfang nahm – und vieles scheint mir parallel zu den Ereignissen heute, gleich als ob sich ein neuer Wind an der Schwelle des Jahrtausendwechsels erheben wuerde – oder der Sturm endlich losbricht.

Die Autarki haetten die Chance gehabt in jenen Tagen, das Alte Europa zu Fall zu bringen und eine neue Ordnung zu errichten, aber an den Haenden der Ahnen der Camarilla verdorrt alles: Wo sich die Ahnen der Brujah stritten ueber Macht gleich Strassenkoetern um ein Stueck Fleisch, da flammte die offene Gewalt zwischen den Linken auf, und alsbald hatten die Menschen genug von jener Unruhe in ihrem biederen Leben. Eine neue Partei erstarkte: die NSDAP. Seit jenen Tagen der sinnlosen Gewalt in den Strassen fuerchtet der biedere Doitsche den Kommunismus mehr als den Faschismus, legt mehr Wert auf Ruhe und Ordnung als auf das Schicksal derer, die unterhalb seines fetten Arsches in der Nahrungskette stehen – der Mensch ist zum Abbild seines unsichtbaren camarillanischen Herren geworden – weit schlimmer noch, als wir es uns vorstellen koennen – doch von dem Aufkommen des Schwarzen Windes in den Geisterwelten will ich hier nicht sprechen, denn dieses liegt mir als Zigeuner naeher denn euch.

Wovon ich aber sprechen MUSS, ist die Lehre, die wir Autarki aus jener bitteren Lektion ziehen muessen, in Berlin wie auch sonst ueberall: Verbreitet sinnlose Gewalt, und das Volk – Kindred wie Kine – schreit nach Ordnung. Nach einem neuen Fuehrer, einem neuen Gustav. Sinnlose Gewalt staerkt die Tyrannen und schafft ihnen mannigfaltige Gruende, hart gegen Anarchen aller Art – reale wie eingebildete oder strategisch verleumdete – vorzugehen.

Garcia hat einmal gesagt, er heisse auch jene willkommen, die nur zerstoeren wollen, denn es wird immer die geben, die spaeter etwas Neues aufbauen werden – und er hat Recht – in Grenzen. Denn obgleich ich jede Hand willkommen heissen will, die bei der Zerstoerung des etablierten Systems helfen will, habe auch ich bitter lernen muessen, dass ein uebermass an blinder Gewalt unserem Kampf auf lange Sicht mehr schadet als nutzt.

Umgekehrt gebe ich Gruppen wie “Kains Rache” Recht, dass ich in den letzten Jahren zu nachsichtig mit unserem gemeinsamen Feind, der Camarilla, war – und damit unentschuldbares Leid ueber all jene Kindred brachte, die unserer Hilfe und unseres Schutzes bedurft haetten.

DER ZWEITE WELTKRIEG

Hier ist es, wo meine Geschichte eigentlich beginnt. Den Zweiten Weltkrieg verstehen lernen heisst die Camarilla hassen  lernen, denn egal, wie sehr sich die einzelnen Clane gerne die Schuld an diesem oder jenem “Fehltritt” zuschanzen wollen, DER ZWEITE WELTKRIEG WAR EINE TAT DER CAMARILLA.

Ich spreche hier nicht nur von dem offensichtlichen Beteiligten, Gustav Breidenstein, der durch die Nazis versuchte, Berlin wieder unter seine Kontrolle zu bekommen. Seine Taten werden nicht vergessen, aber nun, da er tot ist, wird es Zeit, sich um all die anderen zu kuemmern, die den Zweiten Weltkrieg und die Untaten der Nazis fuer ihre Machenschaften missbraucht haben (Habt ihr etwa ernsthaft gedacht, wir haetten euch vergessen ? Keinesfalls – es hat nur einige Zeit gebraucht, Gustav aus dem Weg zu raeumen).

War Gustav die Macht hinter den Nazis, was die Kriegspolitik anging, so waren es die hochgeschaetzten Camarilla-Ahnen der Tremere, die hinter den wohl finstersten Aspekten der Nazis steckten: Experimente an Menschen, Kindred und Werwoelfen, Perfektionierung der arischen Lehre (inklusive arisch fundierten Forschungen im Bereich Geisteskrankheiten) und – nicht zuletzt – der Versuch der Ausloeschung der Zigeuner und des Clanes Ravnos. Was die Errichtung der KZs angeht, arbeiteten die Tremere hier auf das Vortrefflichste mit den Toreador und den Ventrue zusammen, die es auf die Habseligkeiten der Juden und beliebiger anderer “Mindermenschen” (und fuer sie sind alle Menschen minderwertig, wenn ihre eigenen Childae ihnen schon minderwertig sind) abgesehen hatten (und machen wir uns nichts vor: Ebenso wie Du – wenn es ihnen passt – ploetzlich Sabbatmitglied bist, ist ein reicher, aber ‘unkooperativer’ Mensch bald schnell ein Homosexueller).

Es mag mir verziehen sein, wenn ich hier den Versuch der Ausloeschung der Zigeuner noch einmal besonders hervorhebe, da von ihrem Schicksal – im Gegensatz zu dem der Juden und in neuerer Zeit auch der Homosexuellen – im allgemeinen wenig berichtet wird.

Die Vernichtung der Zigeuner durch sterbliche Politik war die perfekte, maskeradewahrende Tarnung, um den Clan Ravnos zu vernichten - der historisch erste belegte Versuch der Camarilla, einen Clan auszuloeschen (die Ausloeschung des stolzen Clanes der Salubri durch die Tremere(!) geschah vor den Zeiten der Camarilla). Damit ist der Clan der Tremere auch der einzige Clan, der in seiner kurzen Historie versucht hat, ZWEI CLANE KOMPLETT AUSZULOESCHEN. Es bleibt zu fragen, wer das naechste Ziel der Blutraueber wird. Der Clan Ravnos hat genug Hin- und Beweise gesammelt, die Untaten der Tremere gegen die Ravnos bis zum Inneren Zirkel der Camarilla zurueckzuverfolgen (was ihnen herzlich wenig nutzt) und der Gedanke daran, dass die Schlachtung zehntausender Zigeuner fuer den Krieg gegen die Ravnos nur deshalb geschah, um die Masquerade zu wahren

Aber die Tremere hatten durchaus noch einen weiteren wichtigen Grund, die Zigeuner anzugehen – einer jener tausend Gruende, die sie ihren Camarilla-Freunden lieber nicht mitteilen werden – und dies war der verzweifelte Versuch dieser EX-Magier, die Magie der Zigeuner zu erforschen und anschliessend zu absorbieren – ganz so wie Tremere das damals mit den Vampiren taten.

Wie gesagt – dies ist meine Geschichte, und deshalb gehen mir die Untaten gegen die Zigeuner besonders nahe (auch deshalb, weil es den Tremere nachher so vortrefflich gelang, die Anwesenheit der Zigeuner in den KZs in der oeffentlichkeit zu verschleiern (nicht dass es das sterbliche camarilla-konditionierte Volk interessieren wuerde)). Aber die Schwarze Rose ist kein Ableger des Clanes Ravnos. Sie uebt Rache fuer alle, die durch die Untaten der Camarilla zu leiden hatten und haben.

NIEMAND in der Camarilla war sich zu Schade dafuer, die Nazis fuer seine Zwecke auszunutzen. Bemueht im ewigen Jyhad um Einfluss und Macht gab Maxwell Ldescu, Ahn der Tremere zu Berlin und heute noch – nach seinem angeblichen Tode – hochgeschaetzter und viel betrauerter Ahn der Tremere den Kuss an HEINRICH HIMMLER! Ihn haben die meisten Kindred in Berlin, besonders aber die Tremere, schnell ‘vergessen’ – und ich sage Dir was: Ich glaube kein Wort davon, dass er im Schwarzen Krieg starb! Die Tremere haben u.a. deshalb soviel Macht in der Stadt, weil sie den Verlust zweier ihrer kostbaren Gildenhaeuser den Ventrue anlasten – wie vortrefflich fuer die Tremere, da fuehlt man sich doch gleich an den Reichstagsbrand erinnert!

Wie dem auch sei: Alle profitierten von diesem Krieg, und in den KZs schlichen nachts oft Vampire der Camarilla umher, begeistert ob des reichen Blutangebotes. Nicht vergessen wollen wir auch Dieter Kotlar, den Brujah und Anfuehrer des Vierten Reiches – gut, auch er ist tot (NO THANKS TO THE CAMARILLA!!!), aber seine lange Aera im Primogen zu Westberlin haben wir nicht vergessen. Was nun die Gangrel, Nosferati und Malkavianer angeht, die ja auch der Camarilla angehoeren, so werfe ich ihnen allen vor, gleichsam nichts getan zu haben, wo sie nicht direkt profitierten (und die Nosferati zumindest HABEN profitiert, wie selbst Schrottkoff zugab).

Aber zu meiner persoenlichen Geschichte: Ich erwachte nach langer Starre inmitten des KZ Auschwitz, das man ueber meinem Ruheort errichtet hatte. Ich habe die Untaten jener Zeit selbst gesehen, selbst erlebt. Ich dachte, ich muesse daran zerbrechen.

Vor den Ungeheuern in Menschenleibern verbarg ich mich unter den Zigeunern, vor den Monstern, die des Nachts in das Lager stroemten, indem ich mich versteckte. Ich weiss nicht, was mich mehr entsetzte: Die Blutorgien, die gefeiert wurden, oder die grauen Gestalten der Tremere-Aerzte, die mit akribischem Interesse und perverser Neigung selbst Kinder bei lebendigem Leibe sezierten – oder der Umstand, dass die Grausamkeit der Vampire, vor der ich all die Jahre des Schlafens geflohen war, nun auch die Menschen erfasst hatte.

Ich versuchte, so viele wie moeglich zu retten, und doch sah ich, wie fern ich den Menschen war: Viele der Zigeuner und Juden weigerten sich, den Kuss zu empfangen – oder mir nur zuzuhoeren – wegen dem, was ich war, was ich bin. Aber ich fand auch viele, die mein Geschenk bereitwaren zu empfangen – viele bereit, Verdammnis vor ihrem Gott zu erleiden, um Familienangehoerige zu retten. Indem mich die Kraefte verliessen, griff mir eine Fremde unter die Arme und fuhr fort, das Blut Kains in die Adern der Verzweifelten zu geben, die nichts zu verlieren hatten – Danielle.

Bemerkenswert war es zu sehen, dass ungewohnt viele ihrer Kinder jener Nacht sogleich die Gestaltwandlung beherrschten, aber nur jene in die Form des Raben – ebenso wie meinen Childae das Hervorrufen illusionaerer Raben alsbald gelang, viele aber auch Jahre spaeter zu nichts anderem in der Lage waren.

So entstand also die Legende der Raben, und 44 Kindred und mehr als 600 Menschen gelang die Flucht aus dem Lager des Todes.

In den Jahren danach entstand sowohl die Kumpania der Raben wie auch die Schwarze Rose, und zusammen mit anderen Widerstandsgruppen – darunter die Dornen des Kain, die ueberall in den Westdomaenen versuchten, Fuss zu fassen, und die weisse Rose – versuchten wir, dem uebermaechtigen Feind zu schaden, wo es nur ging.

Auch Waldburg gehoerte in jenen Tagen zu unseren Verbuendeten – er wie wir ein abgezehrter, in Lumpen gehuellter Mann, der sich vor den Stiefeln seiner eigenen SS/SA-Untergebenen verstecken musste, oft in den Kanaelen der Nosferati Zuflucht fand oder mit uns am Lagerfeuer Moeglichkeiten zur Sabotage besprach, seine ehemaligen Kontakte bemuehte, Versorgungslinien fuer Vorraete, Ausruestung und Waffen fuer Beduerftige und Widerstaendler anzulegen.

Ich denke gerne an jene Zeit zurueck, denn es gibt nichts auf dieser Welt oder der naechsten, was das Herz mehr zu fuellen vermag, als in vorderster Reihe zu kaempfen mit Gleichgesinnten fuer eine gerechte, ja, heilige Sache.

Ich wuensche Dir sehr, dass Du die Gnade dieses Erlebnisses haben wirst, ob mit uns oder anderen, denn glaube mir eines: Diese Momente letztlich sind es, an denen nach Deinem Tode Deine Seele gemessen wird. Nicht vor Gott – vor DIR.

In jenem Kampfe wird uns der Mitstreiter zum Bruder, und so wird ein Bund geschmiedet, der tiefer geht als jedes Band zum Prinzen. Die Camarilla vergisst alle, die in ihrem Namen starben – alle bis auf wenige Ahnen – aber wir vergessen niemanden, der einst an unserer Seite kaempfte.

Nachdem der Krieg zu Ende war schickten Danielle und ich viele unserer Childae in andere Staedte, um dort den Kampf gegen das Regime, das ihnen dies alles antat, aufzunehmen. Wir fuehren keine Zaehlungen durch, aber weltweit sind wohl an die 200 Dornen verstreut, die mehr oder minder aus jener Nacht im KZ hervorgegangen sind. Einige leben nun in L.A., andere in Washington, andere arbeiten im Untergrund in Paris, wo Danielle derzeit ist. Viele meiner Childae haben sich in Russlanddem Kampf gegen Baba Yaga angeschlossen, andere bekaempfen den Sabbat in Spanien.

Danielle und ich sowie unsere ersten Bundesgenossen, Ibrahim der Nosferatu, Deliah die Malkavianerin und Thomas DeLutrius der Toreador, suchten inzwischen Wilhelm Waldburg vor den Anschlaegen seines Sires zu schuetzen – sahen wir in ihm doch Berlins einzige Hoffnung auf den Sturz Gustavs und das Entstehen eines freien, demokratischen Berlin, mit gleichen Gesetzen fuer alle Kindred gleich welchen Standes und Clanes.

Oft waermte er uns mit seinen Visionen eines besseren Berlin, doch vor seiner Abdankung im Jahre 1998 fragte mich oefter, ob ich ihm einfach nicht zugehoert hatte, er schlichtweg gelogen hat oder auch ihm das Herz im Krieg mit seinem Sire so kalt geworden ist, dass das Feuer der Veraenderung in ihm erlosch. Ich weiss, dass solches geschehen kann, obgleich ich gegen ihn kaum mehr denn ein Kind bin.

Nach der Trennung der Stadt und dem Bau der Mauer, als das Schicksal Gustavs Danielle und mir schon besiegelt schien (die Brujah, unsere Verbuendeten, hatten die Macht uebernommen), erlebten wir unsere heftigste Enttaeuschung: Dass die Brujah Gustav in das Amt des Prinzen einsetzten. Uns erreichte die Nachricht, als wir gerade den Tod Breidensteins feierten, die Nachricht, dass Gustav auf dem Todesstreifen nicht von einem Brujah GETOETET, sondern GERETTET worden war.

Wir waren geschockt – und es war wohl jene Nacht, dass Danielle zu den Brujah einen aehnlichen Hass entwickelte wie ich zu den Tremere.

Dabei muss hier gesagt werden, dass weder sie noch ich den Clan als solchen verurteilen – wie immer ist hier das Individuum das Mass aller Dinge. Alleine in beiden Faellen muss – wie bei jedem Clan der Camarilla (ausgenommen – vielleicht – die Gangrel) – festgestellt werden, dass die Fuehrungsriege “des” Clanes, die “den” Clan repraesentiert und ihm Identitaet und Befehl gibt, bei allen Camarillaclanen so korrupt und diabolisch ist, dass sich ein JEDES auch nur HALBWEGS “humane” Individuum mit Freuden vom Clane abwenden und Jagd auf seine Ahnen machen sollte.

Ich habe es auf gewisse Art und Weise immer ein wenig bedauert, nicht in einen Clan gebracht worden zu sein, der andere unterdrueckt und versklavt, weil ich so nie die Chance hatte zu beweisen, dass ich in einem solchen Fall aus dem Clan austreten wuerde, meine eigenen “Brueder” mit Freude jagen und erschlagen wuerde.

Aber weiter: Nach der Erhebung Gustavs in das Amt des Prinzen fand ein Vernichtungsschlag gegen uns statt, bei dem sowohl Deliah als auch Ibrahim verstarben – DeLutrius hatte uns an den Prinzen verkauft. Danielle und ich flohen in den Westen, wo wir uns dank guetiger Erlaubnis des Vladimir in Kreuzberg niederliessen, den wir konsequent als Bollwerk gegen die Camarilla ausbauten – auch in Hinblick auf eine zu erwartende uebernahme Westberlins durch Gustav.

Die naechsten Jahre waren schwierig. Beide Prinzen waren sehr damit beschaeftigt, vor den zersplitterten Fraktionen der Camarilla als “DER” Prinz zu erscheinen, waehrend Danielle und ich darauf bedacht waren, die Faschisten zur Rechenschaft zu ziehen (wobei sich die Bundesregierung (aka Striebeck, aka Waldburg) “im Sinne der Wirtschaft und der GEFAHR der uebernahme derselben durch externe Kraefte” als wenig hilfreich herausstellte) – zusammen mit anderen Autarki wurden die RAF und andere Gruppen gebildet. Bedingt durch sein Amt als Prinz zu Westberlin kuehlte die Beziehung zwischen uns und Wilhelm etwas ab, im Grossen und Ganzen waren wir aber immer noch stark befreundet. Du darfst nicht vergessen, dass er gerade erst ‘Prinz’ geworden war, waehrend er mit uns auf eine gut 8jaehrige Taetigkeit als Anarche zurueckblickte (obgleich er selbst dies spaeter anders ausdrueckte). Und wenn auch 8 Jahre fuer einen Kindred kurz scheinen moegen, waren diese Jahre des gemeinsamen Ringens um Freiheit GELEBTE statt nur VERSTRICHENE Jahre.

Kurzum: Er liess uns im SO36 in Ruhe und behinderte unsere Arbeit gegen alte und neue Faschisten nicht besonders – bis er Kotlar ins Primogen berief. Waldburg hat einmal gesagt, es sei “dies die einzige Moeglichkeit, die Brujah an der Politik in Westberlin zu beteiligen” – und genau jene Kompromissbereitschaft habe ich nie so ganz nachempfinden koennen. Oft habe ich mich gefragt – und frage mich noch – ob Waldburg den Zweiten Weltkrieg auch nur deshalb als verwerflich empfand, weil sein Sire am laengeren Hebel sass (eine fuer die Camarilla typische Betrachtungsweise der Dinge), oder ob er doch an die Worte seiner Entsetzensreden ob der Untaten der Nazis glaubte.

Unter den Kindred der Weststadt hatten wir auch engere Bande mit der Toreador-Ahnin Antoinette, vielleicht die einzige Toreador Berlins, die nicht ein einziges Kunstwerk aus Judenbesitz an sich riss, die Taten der Nazis sogar als “unangenehm” empfand (weil die Nazis so viele talentierte Homosexuelle und geldgebende Juden aus dem Filmgeschaeft ‘entsorgten’) – BIS wir dann erfuhren, wessen ‘Metropolis’-geschultes Auge Hand an die Propaganda-Maschinerie der Nazis gelegt hatte.

Ist das vorstellbar? Sie schimpfte ueber die Nazis, betrachtete zugleich aber von ihr inszenierte Fackelzuege oder die Aktionen waehrend der Olympiade in Berlin als “reine Kunst”, die mit Politik nichts zu tun hat.

Nach dem Fall der Mauer wurde es kaelter in der Stadt. Schon bald war absehbar, dass andere Kraefte ihre Hand nach Berlin ausstreckten – ploetzlich war Berlin den edlen, chicen, reichen Kainiten und Sethskindern wieder edel genug, die Stadt wollte fuer ihren Hauptstadtauftritt auf Vordermann gebracht werden.

Waldburg sah seinen Traum, seine Vision in greifbarer Naehe, und sehr beeilte er sich, vor allem den Beduefnissen seines Clanes gerecht zu werden, auf dass diese nicht doch Gustav noch in letzter Sekunde unterstuetzen wuerden.

Ja, die Schwarze Rose hat sich schuldig gemacht in jener Zeit, schuldig, ruhig geblieben zu sein und Verstaendnis fuer die Massnahmen Waldburgs gehabt zu haben – auch wir sahen die oberste Prioritaet darin, den Argumenten Gustavs eines “chaotischen, dreckigen, unsicheren Westberlins” keinen Angriffspunkt zu geben, hielten uns zurueck, zeigten uns friedlich, sogar “rehabilitierbar”.

Wir tolerierten die Saeuberungen am Ku’damm, die Vertreibung der Bettler, Fixer, Punks und Strassenkuenstler aus Berlins Mitte, wir tolerierten die Mietenpolitik in Kreuzberg. Viele Ventrue von ausserhalb versuchten absichtlich zu provozieren, indem sie taktlose Vorstoesse auf Autarkigebiet unternahmen, und auch die Blutgesetze des Jahres 1995 muessen zum Kreis dieser Provokationen gerechnet werden. Die Tremere andererseits versuchten, mich zu toeten oder durch Blutvertraege zwischen ihnen und unserem Bruder Pan Zwist in unsere Reihen zu tragen.

Wilhelm hat oefters gebeten, dass wir nur ja stillhalten moegen, bis “unser gemeinsamer Feind Gustav” vom Thron ist – und endlich, im Schwarzen Krieg des glorreichen Jahres 1995, wurde er vernichtet, zusammen mit Dutzenden seiner Vasallen, Kinder und Sklaven.

Und obgleich nicht wir es waren, die den Todesstoss setzten, waren wir doch in die Strassenkaempfe um den Deutschen Dom verwickelt. Wir toeteten den groessten Teil von Gustavs Brut und nahmen ihr Blut, um gegen Gustav kaempfen zu koennen, riskierten unser Leben und brachten grosse Opfer (12 Autarki – Menschen und Kainiten – verloren wir in jenem Kampf) waehrenddessen Wilhelm nach Potsdam um Unterschlupf ging — “Unser gemeinsamer Feind”.

 

DER FEHLER DER SCHWARZEN ROSE

Da standen wir nun. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit hatten wir es geschafft: Das Vierte Reich – vernichtet. Breidensteins Brut – bis auf wenige – tot. Breidenstein selbst – nur mehr Asche.

So gluecklich und erleichtert wir waren, so gelaehmt waren wir auch – denn hatten wir nicht eigentlich gerade unsere Legitimation verloren? Waere es nicht an der Zeit gewesen, nun die Fronten zu wechseln und selbst Anteil an der Politik der Stadt zu nehmen? Einzug ins Primogen zu halten?

Mitglied der Camarilla zu werden?

Einige von uns wurden es, waehrend die anderen sich in alle Winde zerstreuten oder den Kampf in anderen Staedten aufnahmen. Einige – wie Nina und Vincent – blieben in der Stadt und versuchten, weiterzumachen, wussten aber selbst nicht genau, gegen wen oder was sie protestieren sollten (mit Ausnahme einiger weniger Kindred, die ihren Tod mehr als verdient haben) oder FUER wen oder was.

Wie immer wenn wir unaufmarksam sind, schlaegt der Feind zu – der Innere wie der aeussere. Einige liessen sich von den Traeumen blenden, dass nun die neue Aera anbricht, aber solches kann unter der Camarilla niemals sein. Andere versuchten, dem Bildnis des Autarki weiterhin gerecht zu werden, und kaempften – aber es war kein heiliger Kampf mehr, ein Kampf ohne ueberzeugung, ein Metzeln – und die Bestie in ihnen obsiegte.

Niemand hat an all diesen Dingen mehr Schuld als ich, aber ich hoffe, das Schicksal gibt mir eine neue Chance.

Ich selbst ging aus Berlin weg, der festen Ueberzeugung, nach 40 Jahren Kampf eine Pause verdient zu haben – und habe damit meine Freunde verraten, denn Freundschaft kennt keine Pause. Ich besitze einen Brief von Andrea, in dem sie mich anbettelt, ich moege mich bei ihr melden, auf dass wir reden koennen – ich habe ihr nie geantwortet. Ich habe in Ninas Augen einen stummen Hilfeschrei gesehen, und erst langsam beginne ich zu erahnen, was in ihr in den vergangenen Monaten und Jahren vorging, woran ihr Herz hing und wie sie es verlor. Kurz bevor ich ging kam Luther zu mir und bat um Rat, was er gegen seine Bestie unternehmen koenne, die ihn zu uebermannen droht, und ich war zu feige, hatte zuviel Angst vor dem Versagen, um ihm beizubringen, wie man die Balance zwischen Tier und Mensch wahrt.

All dies ist unentschuldbar, ausser vielleicht damit, dass ich trotz meines Alters EBENSOWENIG WIE IRGENDEINER MEINES ALTERS alles weiss und alles kann, denn das ist die grosse Luege von uns Ahnen, dass uns unser Alter Weisheit gegeben hat und wir mehr von der Welt verstehen als ein Kind.

Ich hatte mir so sehr gewuenscht, dass Wilhelm seinen Traum erfuellen koennte, dass Frieden mit der Camarilla moeglich sei. Ich harrte aus und hatte Verstaendnis dafuer, dass er ein wenig autoritaerer werden musste, um die Ventrue zufriedenzustellen, dass er die Hausbesetzer aus dem Stadtbild tilgen musste, um die Camarilla-Investoren nicht zu verprellen. Dass er die Tremere bald mehr umschwaenzelte als seinerzeit Gustav, denn die Kainiten Berlins schuldeten ihnen ja SO viel.

Ich habe auch durch meine enge Verbundenheit zu Andrew, dem damaligen Leiter des Gildenhauses der Tremere, der spaeter doch die Staerke fand, sich den Autarki anzuschliessen, um hernach gejagt und abgeschlachtet zu werden wie ein Hund, mit dem Feind, der Camarilla, fraternisiert – und es bitter bereut.

DIE DORNEN DER ROSE

Vielleicht ist es fuer die Schwarze Rose schon zu spaet und sie kann nicht gerettet werden – dann hoffe ich, eine andere Gruppe wird mich aufnehmen – denn ich muss den Kampf weiterfuehren, sollen die Tode meiner Childae und der Childae Danielles, die Tode unserer Freunde und Verbuendeten nicht umsonst gewesen sein.

Die Versuchung, die die weichen Worte derjenigen Kainiten der Camarilla ausmachen, die von den modernen Menschen die Kunst der Politik und der Beschwichtigung gelernt haben, sind so gross, dass die Redner ihren eigenen Luegen bisweilen selbst erliegen – aber wer wahrhaftig einen Traum besitzt, der muss erkennen, dass der Traum NUR dann beginnen kann, wenn die Camarilla vernichtet ist – oder doch ihr lokaler Einfluss beendet. An der Kaelte und Korruption, dem Gefluester des Elysiums, dieser Bande von Maden, die laengst den wahrhaftigen Tod gestorben sind, ohne es zu merken, muss jeder Traum einer besseren Welt zerschellen.

Stets gibt es junge Kainiten mit einem Traum, aber sie scheuen den Weg der Rebellion. Sie glauben, glauben guten Herzens, glauben mit aller Kraft, dass die Camarilla von innen heraus zur Reform faehig ist. Diese guten, jungen Kainiten, sie versuchen weiterhin die Justikare zu befriedigen, deren einziger Bezug zu Recht und Gesetz das Wort ihres Titels ist. Sie versuchen den Dialog mit ihrem Clan, seien es die opportunistischen, judenvergasenden Toreador und Ventrue, die experimentierfreudigen Kindsmoerder der Tremere, die ihre eigenen Childae verratenden Brujah, die ewig ignorant-neutralen und daher stets mitlaufenden Gangrel und Nosferati oder die seelenfressenden Malkavianer. Doch im Herzen jedes Clanes haemmern die kalten Herzen der Ahnen, die die Jahrhunderte haben verstreichen lassen, die ihre Seele mit dem bitteren Wein der Machtgier genaehrt haben, deren Adern aber mit dem sauren Trank der Angst gefuellt sind. Wer versucht, ihnen zu Willen zu sein, ihnen zu dienen, ihnen entgegenzukommen, der ist wie das Gras, das vom Wind gebogen wird, bis es flach und ermattet darniederliegt. Das Herz der Traeumenden erkaltet, ihre kindlichen Visionen erscheinen bald schon ihnen laecherlich, bis endlich sie selbst sich erheitern ob der wirren Plaene der Juengeren, ihr einstmals heiss brennendes Herz ebenso kalt wie das Gustav Breidensteins.

Wenn mein Leben eine Erkenntnis gebracht hat bisher, dann die, dass man kein faschistisches System “von innen” veraendern kann, es sei denn, man wird selbst ein Teil davon:

Du willst den Prinzen aendern, musst Du Prinz werden. Um Prinz zu werden, musst Du harte Entscheidungen treffen. Um harte Entscheidungen zu treffen, musst Du hart werden – erst “nur ausnahmsweise”, dann oefters. Hast Du den Preis erst in Haenden, bist Du erst Prinz, wirst Du ALLES daran setzen, Prinz zu bleiben – und der Kreis schliesst sich.

Deshalb habe ich Adieu gesagt zu all jenen, die ich in den vergangenen Zeiten meine Freunde nannte, denn ihre Zugehoerigkeit zum eignen Clan oder einer Organisation, die all diese Schrecken erwirkt hat und die sich die Versklavung aller freien Seelen auf die Flagge geschrieben hat, kann ich nicht ertragen.

In diesem Sinne bitte ich auch Dich darum, den Schlussstrich zu ziehen und der Camarilla und Deinem Clan auf immer den Ruecken zu kehren, denn in diesem Buendnis waechst der Krebs eures eigenen Unterganges.

Ihr Kinder der Tremere, der Toreador, der Ventrue, ihr Kinder der unheiligen Dreifaltigkeit, wollt ihr wirklich weiterhin den Namen des Clanes tragen, der mehr als die Haelfte der Mitglieder meines Clanes nebst ungezaehlten Kindern, Frauen, Maennern aus juedischen Familien und Kumpania vernichtete?

Ihr Kinder aller Clane der Camarilla, wollt ihr wirklich den Namen derjenigen Kainiten behalten, die den uralten Menschheitstraum der Demokratie, den Traum von Gerechtigkeit und Gleichheit aller beseelten Wesen, an Korruption und Machtgier verraten haben?

Es ist dies die Jahrtausendwende, und der Glaube an die Demokratie ist schon so gut wie verloschen. Ein Politiker genauso ein Luegner wie der andere, eine Partei wie die andere, ein System wie das andere - weil es EINE EINZIGE Gruppe ist, die all dies lenkt, die Camarilla. Sie sind es, die die Menschen still und gefuegig einschlaefern vor ihren Fernsehern, damit sie nicht mehr zu den Waffen greifen, sie sind es, die ueber Moral und Erziehung den Keim jedes freien Denkens schon im Kind ersticken, bis sie es dann irgendwann zu ihrem Leibsklaven machen, gekettet in Blut, oder es zu einem hoerigen Kinde machen, einem kalten Abbild ihrer selbst.

Willst Du nicht dem ersterbenden Feuer Deines Herzens nachgeben und die verdammte kaltherzige Brut zur Hoelle schicken? Oder bist Du gar schon ein Teil von ihr? Ich waere geehrt, koennte ich Dich an meiner Seite willkommen heissen als Freund. Nur ungerne wuerde ich Dich vor Dir selbst retten muessen und Dir den Tod bringen.

Diese und aehnliche Fragen stelle ich an alle von euch. Und so hart und unfair es klingen mag, aber nun mehr denn zu allen Zeiten gilt das Credo “Es gibt keine Unschuldigen”. Jeder, der duckmaeusig in den Reihen der Camarilla verbirgt und “niemandem etwas tut”, stuetzt doch dieses System. Ist Teil des Problems, statt Teil der Loesung zu sein.

Die Camarilla genauso wie seinerzeit Nazideutschland lebt von der schweigenden Masse, lebt vom Mitlaeufer, vom Ignoranten, vom “Reformer von Innen”, vom Feigling.

Ich weiss, es ist unbequem, dieses zu lesen. Es ist bequemer, den Versicherungen der Camarilla zu glauben, dass ich nur luege (wie alle Ravnos). Dann aber nehmt auch in Kauf, dass wir Autarki die Bequemen unter euch AUSROTTEN werden, um mit allen, die noch Seele in sich tragen, eine Welt zu erschaffen, die fuer uns “Unbequeme” gemacht ist – fuer uns, MIT den Menschen.

In diesem Sinne zitiere ich erneut meinen Freund Garcia:

 

EIN RUF ZU DEN WAFFEN !

“Dies weiss ich, mehr denn alles andere: Dass wir kaempfen muessen um unsere Freiheit. All jene, die gegen uns sind, wollen uns den Krieg bringen. Und so muessen wir jenen Krieg zuerst zu ihnen bringen. Wir muessen uns leise bewegen und zuschlagen, wenn es am wenigsten erwartet wird, wenn sie schwach sind.

Sieh Dich vor jenen Rufen aus der Dunkelheit vor, die Dir zum Schein falsche Freundlichkeit zeigen. Lass Dich nicht verfuehren von den verlorenen Rebellen des Sabbat, denn sie sind erstickt an ihrer eigenen Unmenschlichkeit und Korruption, sind Machtwerkzeuge ihrer Ahnen wie die Kindred der Camarilla selbst.(…) Ich sage euch: Erhebt euch und kaempft ! Die Zeit ist da, denn die Menschen selbst haben genug von der Unterdrueckung. Wir koennen und werden ihnen in ihrem Krieg zur Seite stehen, wie sie uns in unseren Kriegen zur Seite stehen. Ihre Maersche durch die Strassen koennen unsere Schlachten tarnen. Wenn sie kaempfen, muessen wir kaempfen. Wenn die Flammen des Aufstandes hoeherschlagen, musst Du einer der Winde sein, die sie entfachen.”

Und da Du, so Du sehen willst, sehen kannst, woGEGEN wir kaempft, will ich Dir eine Idee geben, woFueR wir gemeinsam kaempfen wollen:

1) GLEICHHEIT ALLER BESEELTEN WESEN

Der Wert eines Individuums bemisst sich nicht an Rasse, Art, Geschlecht, Macht, Clan, Religionszugehoerigkeit, politischer Ausrichtung oder Alter. Alle beseelten Wesen haben gleiche Rechte.

Aus dieser Grunderkenntnis leiten wir ab, dass jedes System, dass ein Individuum hoeherwertig denn ein anderes betrachtet aufgrund eines jener Merkmale FASCHISTISCH ist und damit VERNICHTET werden muss. Unter den Kindred zaehlt sowohl die Camarilla wie der Sabbat zu diesen Systemen.

Aus dem Gleichheitsgrundsatz leitet sich zudem ZWINGEND ab, dass eine wie auch immer formell geartete Rechtssprechung nur auf der Grundlage eines FUER ALLE gleichermassen geltenden GESETZES fundieren muss, in der nicht WILLKUER, sondern ein freies und unabhaengiges, aus mehreren unabhaengigen Personen zu bildendes Gericht die Urteile faellt, wobei das Individuum das unabdingbare Recht auf Verteidigung besitzt.

2) GRUNDRECHTE ALLER BESEELTEN WESEN

Diese sind vor allem – aber nicht nur – das Recht auf Leben und das Streben nach Glueck, die Freiheit der Rede und der Gedanken sowie auch der Taten, sofern durch diese nicht die Freiheiten und Rechte anderer beschnitten werden.

Abgeleitet aus diesen Grundrechten erachten wir solche Systeme fuer unrechtens, in denen die Freiheit einiger weniger zu Lasten des Lebens und der Freiheit vieler erkauft wird.

Das Recht auf Leben muss durch das Machtgefaelle zwischen den Rassen, bei Kindred zwischen den Altersstufen, um das Recht auf Verteidigung des Lebens und der Freiheit, sprich das Recht auf SCHUTZ erweitert werden. Ein System, dass die Ausbeutung oder Versklavung eines Schwachen nicht aktiv verhindert, sondern toleriert, ist unrechtens. Jeder, der anderen den Schutz verweigert, toleriert im selben Moment die Versklavung und Bedrohung durch andere.

Abgeleitet aus dem Recht auf Rede- und Gedankenfreiheit erachten wir ferner GRUNDSAETZLICH den Gebrauch der Disziplin “Dominatere” und aehnlicher Kraefte als VERBRECHEN gegen das Recht.

 

3) VERBRUEDERUNG MIT DEN MENSCHEN

Abgeleitet aus 1) und 2) muessen wir erkennen, dass die Menschen uns nicht fuerchten muessen. Wir koennen uns ernaehren von dem, was uns freiwillig gegeben wird. Wir sind entgegen der Luegen der  Camarilla nicht verdammt und ‘per se’ boese. Wir sind entgegen der Luegen des Sabbat nicht ‘Famuli des Boesen’ oder ‘Kains Armee’. Wir koennen und wir wollen mit den Menschen leben und mit ihnen zusammen fuer die Grundrechte jedes einzelnen streiten.

In Kreuzberg hat die Schwarze Rose bewiesen, dass es funktioniert. Mehr denn 1.000 Menschen dort wissen um unsere Identitaet und greifen uns doch nicht an. Nicht OBWOHL sie von uns wissen, sondern WEIL sie von uns wissen. Sie wissen um unseren Hunger und naehren uns aus freien Stuecken mit ihrem Blut. Dafuer sind wir ihnen Schild und Wehr, und egal, was Verfassungstexte oder Prinzen sagen: In Kreuzberg und im Prenzlauer Berg gibt es nur einen Herrscher, und dies sind die Anarchen, denn beide Bezirke sind autark.

4) KAMPF WIDER DIE DUNKLEN FUERSTEN

In der Erkenntnis, dass die Dunklen Fuersten der Kainiten nicht nur ihre eigenen Brueder und Schwestern, sondern auch die Menschen in Knechtschaft halten, sehen wir es als gegeben, dass wir den Menschen bei ihrer Jagd nach ihren Unterdrueckern helfen muessen.

Es ist nur Recht und billig, dass die Inquisition die Kaiser der Finsternis auf Scheiterhaufen verbrennt. Wir aber sind ebenso Sklaven wie die Menschen und koennen ihnen den Weg zu ihren Verstecken weisen, denn ihr Sieg befreit auch uns.

 

5) RECHT DES FREIEN ABZUGES

Grundsaetzlich bekennen wir uns bereit zum Gespraech und offerieren jedem, der mit uns sprechen moechte, freien Abzug. Jeder Kindred hat ein Recht darauf, hinter das Netz der Luege zu blicken, in das sein Sire und die Camarilla ihn eingewoben haben. Wer sich trotz besseren Wissens zur Camarilla bekennt, was wir mit der nichterfolgten oeffentlichen und privaten Abwendung von dieser infernalischen Brut als gegeben sehen, der erst kann als unser Feind erachtet werden.

 

6) KAMPF GEGEN DEN SCHWARZEN WIND

Der nicht nur in Berlin, sondern in vielen Domaenen zu verspuerende kalte, schwarze Wind, der uns nachtein, nachtaus aus den Fernsehern entgegenleuchtet, in blendendem Laecheln an die Werbetafeln gemalt ist, der uns in finsteren Gassen und im Blick der drogenabhaengigen Hure ebenso gewahr wird wie am stillen Gleiten einer Mercedes-Limousine, fundiert unserer Erkenntnis zufolge auf zwei Ursachen, deren Bekaempfung unser vordringlichstes Ziel sein muss:

DIE SCHWAERZE Hierunter werden spirituelle Energien verstanden, die von jenseits des Sichtbaren stammen und sich in allen Domaenen ausbreiten. Nach allem, was wir wissen, sind die Quellen dieser schwarzen Stroeme sehr alt, finden aber durch die Politik der Kaelte der Camarilla und die damit einhergehende langsame Auszehrung aller Seelen durch konsequentes Verloeschen aller lebendigen, kreativen und freigeistigen Energien seit mindestens zwei Dekaden eine starke Foerderung und gegenseitige Verstaerkung. Zu den Quellen der Schwaerze in Berlin etwa zaehlen: Das Buch des Teufels, die Seiten des Mallefernum, die Geister im Grunewald alswie ihr Urheber Timmuz und seine Geschoepfe und Verbuendeten, die immer noch unaufgefundenen teufelsanbetenden Vampire zu Luebars, die schwarzen Giftwoelfe, die Gildenhaeuser der Tremere, die Gruefte der Giovanni, die Kultplaetze des Sabbat und die Tempel der Setiten. Wir sind der Ueberzeugung, dass sich vergleichbare Naehrquellen der Schwaerze in allen Domaenen befinden. Sie gilt es aufzufinden und zu vernichten, denn wir wissen, dass unsere gelernte Wissenschaft nur eine Luege der Camarilla ist, und dass boese Kraefte mannigfdaltigen Schaden bewirken und die Seelen vergiften koennen, vielleicht schlimmer, als die Ahnen es selbst glauben, denn sie verdraengen dieses ihr altes Wissen um die Ordnung der Welt, da sie selbst sich richten muessten fuer die Dunkelheit, die sie in die Welt gelassen haben und die letztlich die Basis ihrer Macht ist.

DIE DUNKELHEIT Hierunter verstehen wir den Aspekt des Dunklen als Abwesenheit von Licht, welches wir gegeben sehen in Seelen mit schwindender Humanitas alswie solchen, die weder Traeume noch Ziele ihr eigen nennen, die nicht Vater noch Mutter noch Bruder kennen, die ‘leer’ sind. Hierzu zaehlen neben einer breiten Zahl von Kindred auch der groessere Teil der sterblichen Bevoelkerung der Industrielaender. Die Camarilla hat die Seelen der Menschen mit eitlem Tand gefuellt, um sie von ihrem Leben zu trennen. Hat sie ausgezehrt und sie auf die Jagd nach falschen Zielen gehetzt, damit ihnen die Kraft zur Vampirjagd fehlt. Aber die Plaetze, die Freundschaft, Liebe, Leben, Goetter und Geister einst in den Seelen hatten sind nun leer, denn kein Fernsehbild vermag eine Seele zu fuellen, kein noch so grosser Reichtum, keine bulimiegefeilte Schoenheit vermag diese unendliche Leere, jene Dunkelheit aus den Gesichtern der Menschen und den aus ihnen hervorgegangenen Kainiten zu zehren. Wie wir die Schwaerze vernichten muessen, muessen wir Licht in die Seelen der anderen und unsere eigenen bringen. Wie immer ist dies der schwerste Part, doch wir hoffen, unsere Seelen selbst erst an der Aufgabe der Anarchie zu entflammen, um dieses Licht letzten Endes auch zu jenen Jugendlichen zu bringen, die neben Spass nur leeren Konsum im Herzen tragen und somit Nester fuer dunkle Geister bilden. Wir muessen uns unserer Freundschaft, der Kameradschaft unter allen Kainiten, die die Freiheit entdeckt haben, bewusst sein, muessen sie als Schatz im Herzen bewahren und uns stets gewahr werden, dass wir als Autarki niemals alleine sind. Wir muessen jeden Augenblick, besonders aber jede Schlacht geniessen, denn viele von uns haben schon die Einfluesterungen der Ahnen geglaubt, dass Kampf schlecht sei und Bescheidenheit gut, dass Zorn unschicklich sei und Zurueckhaltung gut, das unbaendige Lust und Freude unsittlich sei und totes Laecheln ein Zeichen von Reife.

Wir aber wollen nicht reif sein, sondern lebendig. Wir wollen nicht auf kaltem Thron ueber Armeen gebieten, sondern uns jede Sekunde ergoetzen an jedem Moment des Lebens, der uns bleibt. Selbst wenn sie kommen und uns in wenigen Jahren, ja nur Monaten vernichten, so haben wir anders als sie dennoch gelebt und sind dem Fluch entkommen, alt und morsch auf unserem Thron zu sitzen und nur dem Zischen der Zeit zuzuhoeren, eingeschlossen in unsere Gier und unsere Angst.

Es mag sein, dass Anarchen frueher sterben als treue Sklaven ihrer Herren. Doch unser Andenken bleibt lebendig im Kreise der Freunde, unsere Geister tanzen zu den Liedern, die unsere Freunde fuer uns singen. Vergeht ein Kadaver aber endlich nach Jahrhunderten, in denen er nichts getan hat als vegetiert und seine Brueder und Kinder geschaendet, so vergeht er zu nichts. Und keine Traene wird je sein Grab benetzen.

 

ABSCHLIESSENDE WORTE

Wie schon Salvador Garcia mutmasste, wirst Du mich alsbald vielleicht hassen, denn Du weisst nun die Wahrheit ueber die Autarki.

Die Ahnen werden Dich fuerchten, denn sie haben in den vergangenen Jahrzehnten gelernt, wie viel nur wenige von uns auszurichten vermoegen. Wir koennen sie mit Feuer bekaempfen und mit Gewehren, aber auch mit Giften und Krankheiten, die wir ihnen unterschieben. Wir koennen sie mit Computern bekaempfen, denn diese Dinge verstehen sie nicht. Der Fortschritt ist unsere Waffe, schon heute koennen fortschrittliche Waffen schnell die Luecke des Alters zwischen Neonate und Ahn schliessen. Die Macht der Ahnen wird das kommende Millenium nicht ueberdauern, die Camarilla wird in weniger als 200 Jahren zerfallen, denn sie ist heute schon ein Relikt, das auf Kosten und Kredit ihrer Vergangenheit lebt, ebenso wie diejenigen, die die Camarilla anfuehren.

In Deiner Freiheit liegt die Saat ihres Untergangs – und deshalb werden sie Dich jagen – frueher, oder spaeter. Da Du all dies gelesen hast, wurde Zweifel in Dein Herz gelegt, eine Saat, die irgendwann aufgehen wird, auch wenn Du davon jetzt noch nichts spuerst. Die Ahnen aber wissen, dass die Wahrheit immer neue Zweige treibt, und sie werden Dich nicht lange genug leben lassen, dass der Zweifel in Dir wachsen kann.

Deshalb wirst Du mich hassen, denn durch dies Schreiben bist Du nun Anarche geworden. Dein vorgezeichneter Pfad zu Jahrhunderten der Knechtschaft und dem schalen Lohn der Macht ist zerborsten, ersetzt durch einen Scheideweg, der Dich nur zu uns treiben kann oder aber in Dein Verderben, wenn Du glaubst, die Ahnen wuerden Dir Dein Wissen um Freiheit verzeihen.

Einen einfachen Weg gibt es nicht, und nichts von Wert kann errungen werden ohne Blut – und nichts Wertvolleres gibt es als die Freiheit, nicht einmal unser Leben. Mache, dass sie Dich jagen MUESSEN, auf dass Du nicht – wie ich selbst – der Versuchung erliegst, ihren suessen Worten zu glauben. Taten sprechen bei uns mehr denn alle Worte, und nur an ihren Taten darfst Du andere bemessen – andere Anarchen, aber auch die Kainiten der Camarilla und des Sabbat, vor allem aber die Prinzen und Ahnen.

Damit auch ich jener Versuchung niemals mehr erlegen moege, habe ich mich im vollen Bewusstsein von allem, was ich bin, von der Camarilla abgewandt – nicht schon vor Jahrhunderten, sondern wahrhaftig erst 1997, da ich alle Bruecken zu ihr abgebrochen habe und mich von denjenigen, die ich einst Freunde nannte, die aber lieber bequeme Mitlaeufer sind und somit stillen Anteil haben an der Schuld der Untaten der Ahnen, abgewandt. Ich habe das ewig geltende Gastrecht, dass mir Waldburg gab, abgelegt, und heute scheint es wie ein Zwinkern des Schicksals, dass auch alle anderen Kainiten wenig spaeter ihr Gastrecht verloren, als Peter Kleist als neuer Prinz die auf ewig geltenden Wohn- und Gastrechte fuer nichtig erklaerte – die Ewigkeit waehrt selten ewig bei der Camarilla.

Darum verkuende ich auch nun wieder folgende Untaten, dessentwegen die Camarilla mich jagen muss:

Besitz und Verbreitung des “Manifest der Anarchie” von Salvador Garcia, Bruch von Elysia (mehrfach), Diablerie an einem Kainit des Sabbat, der nach Meinung der Camarilla aber ein loyaler Prinz der Camarilla war (nicht Gustav oder einer seines Blutes – ich verseuche mir doch nicht meine Seele), Bruch der Masquerade (in etwa 1.683 Faellen bis jetzt), Mord an anderen Kainiten in 34 Faellen, darunter 3 Childae des Breidenstein, gerichtet wegen ihrer Anteilnahme und Unterstuetzung des Regimes, das meinen Clan auszuloeschen gedachte und Aberhunderttausende zum Erhalt der eigenen Macht oder aus Langeweile niedermetzelte, Erschaffen von Childae ohne Genehmigung des Prinzen in 27 Faellen, Disrespekt gegen Ahnen in 15.387.365 Faellen.

Denke immer daran: DU bist Schuld, wenn Du ihnen gestattest, ueber Dein Leben und das der anderen zu befinden. DU bist in Deiner Untaetigkeit auch Schuld, wenn die Menschen da draussen langsam ihre Seelen verlieren, da die Ahnen all ihre Freiheit und Phantasie verdorren lassen. DU bist Schuld, wenn all Deine sterblichen Freunde, Deine Familie, Deine Eltern, Deine Kinder und alle, die nach ihnen kommen, niemals etwas von den Monstern erfahren werden die ihr Leben kontrollieren.

SIE HABEN EIN RECHT, ES ZU ERFAHREN! In Deiner Untaetigkeit AKZEPTIERST Du dieses Unrecht. In Deiner Untaetigkeit FOERDERST und NAEHRST Du es – mit dem Heil Deiner Seele.

Die Ahnen der Camarilla und des Sabbat sind Daemonen, allesamt ! Sie wollen, dass Du die Hoelle lebst, die Du mit Deiner zweiten Geburt um Deine Seele betrogen! Fuer diesen Sinn muessen sie brennen als seien SIE in der Hoelle.

Und wir werden ihre Hoelle sein!

Alexej

Due cose belle ha il mondo  – Amore et Morte

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