Autarki

Wir sind belogen worden. Alle. Unsere Erschaffer, unsere Ahnen haben uns ihre vergiftete Wahrheit eingespritzt, auf dass wir kauern in Ehrfurcht vor ihnen, und in Furcht vor der Dunkelheit im Kerzenschein ihrer Tempel dienen.

Sie rezitieren die Schriften der Aeltesten, die sie das Buch Nod nennen, aber wie die Pfaffen der Menschen zitieren sie nur jene Stellen, die ihnen wohlgefaellig und nuetzlich sind. Wie die heilige roemische Kirche hat auch die heilige Camarilla Teile der heiligen Schrift, unser aller heiligen Schrift zensiert und verboten, verbrannt und in alle Winde zerstreut.

Indem sie das Buch Nod zitieren, machen sie sich zu den Erben unseres Allvaters Kain. Doch das sind sie nicht. Ebensowenig wie wir Anathema zu Vater Kain sind.

Die Anarchen, die Rebellen, die Unbeugsamen, sind die wahren Kinder Kains. Die, welche ohne Traditionen wandern. Ohne Gesetz. Und die auf das Wort der Alten speien.

 

Der erste Anarche – Dies ist Kain. Erster aller Kainiten. Unser aller Vater. Der seinen Vater Adam und dessen Vater YHWH herausforderte. Der gegen die Ungerechtigkeit aufbegehrte. Der verflucht wurde, weil er die Ordnung der Dinge nicht akzeptierte. Und der sprach zu den Engeln, dass er nicht durch die Gnade YHWHs oder Adams leben will, sondern durch seine eigene Macht. Seine eigene Kraft.

 

Der zweite Anarche – Dies ist Brujah. Als Kain die erste Stadt Enoch verliess, da er nicht ertrug, dass seine Brut geworden war Tyrannen wie sein Vater und YHWH, erhob sich der Philosoph Brujah und fuehrte die dritte Generation in die Schlacht gegen die zweite, um auszutilgen, was ungerecht und tyrannisch war. Dieser Akt erzuernte YHWH so sehr, dass er die grosse Sintflut ausgoss zu ersaeufen alle aus Kains und alle aus Seths Brut.

 

Der dritte Anarche – Dies ist Troile. Als YHWHs Fluten vergingen, erbaute die dritte Generation eine zweite Stadt im Bilde Enochs. Dort erschufen sie die vierte Generation, und Brujah herrschte als der Erste unter Gleichen ueber das Reich. Aber die vierte Generation wurde trunken von ihrer Macht und dem Neid der dritten Generation auf Brujah, und sie schrien auf, dass es YHWHs Wille sei, dass der Schwache dem Starken dienen muesse, und stuerzten sich gemeinsam auf den Philosophenkoenig Brujah. Sterbend liessen sie ihn in der Wueste zurueck und verboten allen Wesen, ihm zu helfen, aber Brujahs Kind Troile begehrte auf gegen dies Unrecht und ging zu ihrem Erschaffer, der die Saat der Rebellion und die Liebe zur Freiheit mit all seinem Blute weitergab an seine Tochter.

Die loyale Tochter Brujahs erschuf Karthago, wo alle hinkamen, die nach ihrem Maertyrer und Erschaffer benannt wurden. Karthago wurde die dritte Stadt, vor der Tyrannei beschuetzt durch den Clan Brujah, und in Karthago lebten Mensch und Kainit offen zusammen und in Frieden und lernten voneinander. Karthago war die letzte grosse Stadt. Mit ihrem Fall zerstreuten sich die Kainiten in alle Teile der Welt. Gruendeten Reiche und fuehrten Krieg. Bis die Menschen sich auflehnten gegen diesen Wahnsinn und die Vampire bekaempften. In jedem Weiler. Um jede Burg.

 

Nun, am Ende des Zweiten Jahrtausends, wechseln einmal mehr die Maechte in der Camarilla. Die Methusaleh des Nachmittelalters verschwinden. Die hasserfuellten Ahnen der Zeit der Ersten Revolution werden die neuen Methusaleh. Die Ancilla der Industriellen Revolution werden zu Ahnen. Tyrannen, die durch Macht und Gewalt alleine und offen herrschen, sind durch Tyrannen des Denkens, Tyrannen der Worte und Ideen geworden. Die Mauern im Labyrinth sind nur scheinbar gefallen. Die Sprache unserer Gegner ist perfekter geworden. Die Schale so weich. Aber in ihren Leibern schlagen die gleichen schwarzen Seelen wie eh. Und immer noch sind sie ihrer Herren treue Diener, Erben nicht nur ihrer Reiche und Macht, sondern auch ihrer Schuld.

Dies vergessen jene Anarchen, die unsere Bewegung verraten. Die sagen, dass die Camarilla nicht mehr der tyrannische Moloch unserer Jugend ist. Dass Reformen jetzt moeglich sind. Und Koexistenz. Und Frieden.

Sie koennten sich nicht mehr irren.

 

Idealismus ist rar geworden unter den Juengsten dieser Zeit. Ihr Herz desillusioniert durch das Scheitern der 68er in vielen Dingen. Ihr Geist zynisch und kalt und verdorben von der Lust nach Konsum und Geltungsdrang.

In den Juengsten liegt die Saat unseres Unterganges, wenn wir sie abweisen. Denn in ihnen erblueht die dunkle Saat derjenigen, die uns als Neonaten verrieten und verkauften in der Zeit der Ersten Revolution. Die als Ancillae die Haescher der Ahnen waren in den Zeiten der industriellen Tyrannei, die als Agenten dieser Ahnen die Propagandamaschinen der letzten Weltkriege leiteten und an deren Hass und mildem Wort sich die Massen verfuehrten.

Und die heute die neuen Ahnen des Blutes sind.

 

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