Anders als die meisten westdeutschen Domänen, die, ehe der Sabbatkreuzzug es weitgehend zerfetzte, in ein Geflecht naher Nachbardomänen eingebettet ruhten, lag Berlin schon immer isoliert im weiten Nichts der Mark Brandenburg.
Nur vier Städte im Umfeld Berlins sind groß genug, einen Prinzen zu besitzen: Potsdam, Brandenburg, Cottbus und Frankfurt an der Oder. Alle vier Städte sind im Zuge des Sabbatkreuzzuges erloschen, wenngleich nicht unbedingt durch den Sabbat selbst:
Seit langer Zeit waren die zumeist sehr alten Prinzen und isoliert lebenden anderen Ahnen der brandenburgischen Landdomänen in einem lockeren Klüngel vereint, dessen vordringlichstes Ziel in der Abwehr von Einmischung seitens der Camarilla bestand (und das noch weitaus paranoid-exzessiver, als es selbst die Berliner Anverwandten unter dem Gleichgewicht des Schreckens betrieben).
Vom Wesen her den Inconnu nicht unähnlich, wenngleich wohl kaum diesen zugehörig, suchten die unterschiedlich als “Heveller”, “Märkischer Bund” und “Potsdamer Zirkel” bezeichneten Ahnen ihre Eigenständigkeit zu erhalten und müssen daher wohl als Unabhängige gelten – ein Umstand, den sie kluger Weise die längste Zeit über unerwähnt ließen, um nicht gerade dadurch die schlafenden Hunde der Camarilla zu wecken.
Als zum Jahrtausendwechsel der Sabbat über Berlin und Deutschland hereinbrach und die Gangrel die Camarilla verließen, sahen die Heveller die Zeit gekommen, ihre Abscheu vor der Camarilla offen zu zeigen und die ihnen zugehörigen Domänen – die größte Zahl hiervon durch Gangrelprinzen beherrscht – für neutral zu erklären.
Wohl in der Hoffnung, die diablerielüsternen Bestien des Sabbat würden die Ahnen des Potsdamer Zirkels aus strategischen Gründen verschonen, gewährte der Hevellerprinz in Potsdam dem Sabbat im Sinne der Neutralität die gleiche Gastfreundschaft wie der Camarilla – eine verheerende Fehleinschätzung, die einerseits zur Verurteilung eines hochrangigen Camarillagesandten aus Berlin durch Anklage eines Sabbatianers und andererseits – fatal vorhersehbar – dazu führte, dass der Sabbat Potsdam als Aufmarschgebiet für den Sturm auf Berlin nutzte. Um nach erfolgter Eroberung der Hauptstadt dennoch über Potsdam und die Ahnen des Märkischen Bundes herzufallen, wo sie diese finden konnten.
Heute sind die Lichter der vier brandenburgischen Domänen verloschen, und selbst das so nahe Potsdam ist zur reinen Residenzdomäne des Charon und etwaiger, zur Überwachung Berlins eingesetzter Archonten verfallen. Die damit verbundene Botschaft der Camarilla ist unmissverständlich: Sei neutral, wenn du willst, aber wenn du dem Sabbat Raum auf deinem Boden gibst, so wird deine Domäne ausgetilgt.
In heutigen Nächten ist die Nacht Brandenburgs öder und finsterer als je zuvor: Autobahnen und Alleen, Schienenstränge und Wasserstraßen ziehen sich schnurgerade durch hunderte Kilometer von Öde, in der auf mehr als eine Art die Wölfe wieder auf dem Vormarsch sind.
Gut daher, dass die Berliner Domänengrenze mindestens bis Ende der Acht der Stadt- und Landesgrenze von Berlin entsprechen wird und der Flughafen Berlin-Brandenburg (früher BBI) außerhalb jener Grenze liegt: Nur diesem Umstand ist zu verdanken, dass neben Auto, Bahn und Schiff auch per Flug die Einreise nach Potsdam als einzig legitimen Einreisepunkt nach Berlin möglich ist – ein Dekret, dass den Gerüchten nach von ungesehenen Augen des Wahnsinns streng überwacht wird.
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