Ventrue

Von den Ventrue in Deutschland überhaupt als einheitlichem Clan zu sprechen ist sehr kühn: Trotz aller verheerenden Rückschläge kommt der Clan nicht zur Einigkeit, sondern bleibt einem kleingebiet(!)erischen Fehdewesen verhaftet, das besser zum deutschen Flickenteppisch des ausgehenden Mittelalters denn zur treibenden Wirtschaftsmacht des modernen Europa passen mag.

Präzise dies ist auch das Problem, denn die meisten der kleindeutschen Flicken waren zu jener Zeit unter Kontrolle von Ventrue des so genannten Saulusgeschlechtes, das selbst aus unzähligen, miteinander verfeindeten Linien, Häusern und Vasallenverhältnissen bestand.

Die einzige Urgewalt in Deutschland, die es je verstand diese degenerierten und einer alten Zeit verhafteten Linienknäuel zu einen – was im Klartext bedeutete, ihnen faktisch die Herrschaft zu entziehen und ihre Reiche mit eigenen Truppen zu besetzen – war der Herr Preußens, Prinz Gustav Breidenstein. Durch ihn – und nur ihn – wurden selbst in den Sauluslinien jene Ventrue nach oben gespült, die keinerlei Interesse an der Forstetzung alter Zwiste, dafür aber ein hohes Interesse an der Einigung Deutschlands und Europas sowie der Unterwerfung der Camarilla unter die unbestrittene Führerschaft des Clanes des Szepters hatten.

Trotzdem Gustav Breidenstein älter ist als viele der gepuderten Perückenträger und vielbeschnallten Clansheroen westlicher Ventruedomänen gilt er als Modernisierer, Vordenker und Reformer der sterblichen Politik unter gleichzeitiger strikter Wahrung der ältesten Traditionen der Camarilla.

Nachdem sich die Fehden der westlichen Ventrue in den letzten zwei Dekaden einerseits gegenseitig erschöpft, andererseits durch Thronstürze und Machtwechsel in die Hände anderer Clane oder der Anarchen erledigt haben und zudem die letzte, große Hoffnung des Saulusgeschlechtes Janus Lukas im Kampf gegen den Brujah-Methusaleh Hektor zu Asche zerfallen ist, hat Gustav Breidenstein gute Aussichten, zum “alten neuen” Hoffnungsträger im Clan zu werden:

Schon einmal vermochte er mit seiner Vision vom Imperium der Ventrue die Angehörigen der französischen, britischen und deutschen Linien an einen Tisch zu bringen, und auch wenn es nach dem Verrat der britischen Linie und dem formvollendeten Niedergang der Alexanderlinie Frankreichs wohl keine Neuauflage des Projektes geben wird, ist für einige der ganz hungrigen, bisher am Aufstieg gehinderten Ventrue ein von Deutschland dominiertes, ressourcenmächtiges “Kern-Europa” absolut vorstellbar.

Und was vorstellbar ist, kann auch bewirkt werden: Der Wille formt die Wirklichkeit.

Behindert wird Gustav bei etwaigen Plänen in dieser Richtung – und es ist absolut unklar, ob er diese wirklich verfolgt oder sie ihm nur in Erinnerung an frühere Glorienzeiten angedichtet werden – dadurch, dass er dieses Mal kein aus vielen Nachkommen bestehendes Haus mehr hinter bzw. unter sich hat. Auf der anderen Seite kann auch das vielleicht von Vorteil sein, wenn man sich recht besieht was gewisse seiner Nachkommen ihm für “Freude” bereitet haben.

Profiteur der beschränkten Mittel ist in jedem Fall sein Kind Katarina Kornfeld, die vom ungeliebten Dienstboten längst zur wichtigsten Vertrauten ihres Erschaffers aufgestiegen ist.

[ ÜBERSICHT DER AKTIVEN VENTRUE-CHARAKTERE ]

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