Clan Toreador in Deutschland hatte ehrgeizige Pläne, die schon gefasst und Schritt um Schritt in die Tat umgesetzt wurden, als in den Städten Europas noch die Feuer der Bombarbierungen brannten. Die Zerstörungskraft des Zweiten Weltkrieges hatte für den Clan der Künste etwas Traumatisches, und fest brannte sich vielen Toreador der Wunsch ins Herz, einen weiteren Krieg zu verhindern – und die Verantwortlichen der in Europa beispiellose Kunstvernichtung bluten zu lassen.
Hoffnungsträgerin jener tatkräftig vom französischen Prinzen Villon aus Paris unterstützen Pläne wurde die norddeutsche Ahnherrin Lady Eleonora Visconti. Dieser mit vielen Nationen Europas fest verbundene, ausgesprochen einflussreiche Harpyie gelang es, sich binnen weniger Jahre von einer hanseatischen Salondame zur geheimen Herrin der norddeutschen Toreador und mit Hilfe Villons sogar zur “Kronharpyie Europas” aufzuschwingen. Als ihr dann noch der Thron ihrer seit jeher von Ventrue dominierten Norddomäne zufiel – selbstverständlich mit kunstvoller Eleganz durch die deutschen Toreador orchestriert – und ihr Intimus Noah auch den Berliner Thron durch eine herrliche Intrige an sich reißen konnte, sah sich Clan Toreador zu Recht ganz kurz davor, gemeinsam mit den Brujah Deutschland aus der Hand der Ventrue zu lösen und im napoleonischen Bund von Rosen und Dornen zu regieren.
All jene hehren Pläne zerfielen zu Asche, als auf einer Feierlichkeit des Clanes in Viscontis Domäne ein Sprengsatz in einem Wimpernschlag praktisch alle Personen von Rang und Stand im deutschen Clan Toreador (und mehrere internationale Gäste) auslöschte.
Zwar bekannte sich die Nosferatu-Methusalah Brabant zu dem Anschlag und entfachte so den lodernden Hass der Patrizier (sic!) gegen ihr gesamtes Blut – dennoch nagt an vielen der überlebenden Toreador schwärender Zweifel, ob ein Sprengsatz eigentlich zur Handschrift einer Tausendjährigen passt, und ob die systematische Köpfung des Rosenblutes samt Rache an den Nosferatu nicht anderen Clanen und Fraktionen weit mehr in die Hand spielte.
Die Verbitterung über das Geschehene – und die Angst vor dem, was die wahrhaften Hintergründe der Tragödie sein könnten – haben viele der verbliebenen höherrangigen Toreador aus Deutschland abreisen lassen.
Vor diesem Hintergrund geschah es, dass die Ahnen des Kölner Kodex den eigentlich Amsterdamer, zu jener Zeit aber in der Domäne Freies Berlin residierenden Toreador Vertigo – Enkel Viscontis und als Ancilla und Harpyie im deutschen Clan kein Unbekannter – als jungen Ahn des geschundenen Blutes anerkannten (womit sie sich ihn natürlich auch sofort verpflichteten).
Dieser gehört nun zu den eifrigsten Unterzeichnern von Sendungsbefehlen in Richtung Berlin, und das nicht nur in Bezug auf Toreador: Der Kodex hat Pläne für Berlin und Deutschland, denen ein starker Prinz Breidenstein auf dem Thron mindestens lästig wäre. Unter Vertigos sanfter Leitung werden daher junge Vertreter verschiedener Clane nach Berlin geschickt – freiwillig wenn möglich, im Zuge übernommener Schulden und Dienste wenn nötig – um dort zwar nicht Gottes, aber des Kodex Werk zu tun. Wie sehr der junge Ahn hingegen der Sache des Kodex wirklich zugetan ist – oder ob sein gegenwärtiges Wirken nur eine artige Tilgung von Largesse ist – bleibt abzuwarten.
Die deutschen Toreador mögen noch existieren. Sie finden aber nicht mehr statt. Und das kann einem wie Vertigo ebenso wenig wie sonst einem der Rose gefallen.
