Der Salon

In den Goldenen Zwanziger Jahren stand an der Stelle, wo heute das Metropol mit dem Club Goya steht, das “LeSang”, der größte deutsche vampirische Nachtclub jener Nächte. Gründerin und Herrin des Clubs hinter der Fassade des Neuen Schauspielhauses war bis zu ihrer Vernichtung 1997 die Toreador-Ahnin Michelle LaRoche, die mit der Schaffung des LeSang, ihres einzigen Kunstwerkes, zweifellos unsterblich geworden ist.

Das LeSang war ein wahr gewordener Traum. Ein Platz kainitischer Dekadenz, voll goldener Lüster, schwerer Vorhänge, verborgener Lüste, diskreter Separées – und kainitischer Politik. Hier traf die vampirische und sterbliche Elite aufeinander, gab man sich der barocken Lebenssucht hin, unterdessen draußen schon die Bomben fielen.

Das LeSang gilt noch heute als Sinnbild kainitischer Lebensart, und Gerüchte darum, dass Michelle LaRoche ein Mitglied des Sabbat gewesen sein soll, ebenso wie die Toreador Lady Venna di Sanguina und Sebastian Hesslich, die ab 1998 mit der “Nuit Du Sang” jenen Zauber wiederaufleben lassen wollten, geben dem Ganzen nur noch mehr verruchten Reiz.

Der Salon – im Vollen: der Salon Du Sang – ist anders als die anderen “echten” Klüngel keine geschlossene politische Fraktion, sondern “nur” eine lockere Verbindung verschiedener Vampire, die sich ab und an zusammenfinden, um sich ganz im Genuss des Vampir-Daseins zu verlieren – und dabei diskrete Geschäfte untereinander abzuwickeln, quer über alle Clans-, Klüngel- und dunklen Gerüchten nach auch alle Sittlichkeitsgrenzen hinweg.

Entgegen aller vorgeheuchelten Empörung über die Praktiken und Deals des Salons genießt dieser schon seit vielen Jahren in der Domäne bestehende Verbindung die heimliche und soweit es Exarch Durier betrifft auch die offene Unterstützung einiger der angesehensten Mitglieder der Berliner Gesellschaft, die geschützt durch die Diskretion des Salons ihren sinisteren Lüsten nachgehen und das ewige Ennui einer zu langen Existenz wenigstens vorübergehend vergessen können. Wohl auch aus diesem Grund waren zu jeder Zeit vor allem auch Harpyien unter den Salongästen zu finden.

Zutritt zum Salon erhält man nur auf Einladung der anderen Teilnehmer (“Mitglieder” wäre das falsche Wort, denn die Teilnehmer wechseln des öfteren). Zuweilen sollen auch schon gezielt Dumpfe und andere Ungeeignete eingeladen worden sein, um diese zum Vergnügen der Salonteilnehmer zu verhöhnen. Soweit bekannt, folgt auf eine erste Einladung “zur Probe” dann in einem makaberen Zerrbild eines freimaurerischen Ritus die Einführung in die Salongesellschaft.

Zuweilen finden “Offene Salons” statt, die auch Salonfremden Gästen offenstehen und meist als dekadente Maskenabende in eindeutig anrüchiger Umgebung inszeniert werden. Wer unter den dann Anwesenden ein Mitglied des Salons ist und wer “nur” Gast des Abends, bleibt dabei verborgen.

Einziges nach außen wahrnehmbares Mitglied des Salons und damit sowohl Gastgeber der offenen Abende als auch Adressat etwaiger Bitten um Berücksichtigung zur Einladung als neuer Teilnehmer ist “AE” (Alexander Escher) und damit in der Historie der Verbindung bereits zum zweiten Mal ein Malkavianer (davor: Niklas Pavel Krüller) statt einem Toreador (der Letzte davon: Sebastian Hesslich).

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